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Klimaschutz & Klimaanpassung

7 Fragen & Antworten rund um einen gesunden & fruchtbaren Ackerboden

Woran erkenne ich, ob mein Boden gesund ist? Und wie kann ich ihn gleichzeitig so bewirtschaften, dass er auf die Extremwetter des Klimawandels vorbereitet ist? Der Naturpark im Gespräch mit Michaela Braun von der Bioland Stiftung zum Bodenpraktiker Basiskurs.

© Sonja Herpich

Gesunder Boden ist die Grundlage für eine erfolgreiche Landwirtschaft. Angesichts von Trockenperioden, Starkregen und anderen Wetterextremen wird die Bodengesundheit immer wichtiger. Im Interview erklärt Michaela Braun von der Bioland Stiftung, worauf Landwirtinnen und Landwirte achten können und welche praktischen Ansätze dabei helfen, den eigenen Boden besser zu verstehen und zukunftsfähig zu bewirtschaften.

Wer tiefer einsteigen und das eigene Wissen direkt in der Praxis erweitern möchte, kann sich für den Bodenpraktiker Basiskurs der beiden Schwarzwälder Naturparke anmelden. In vier Tagen geht es darum, Böden selbst zu beurteilen, Zusammenhänge zu erkennen und konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige und anpassungsfähige Bewirtschaftung kennenzulernen.

Naturpark: Woran erkenne ich, ob mein Boden gesund ist?

Michaela: Einen gesunden Boden erkennt man nicht an einem einzigen Wert. Es geht darum, ob er seine Funktionen gut erfüllen kann. Und zwar nicht nur heute, sondern auch unter wechselnden Wetterbedingungen. Man muss ihn anschauen, anfassen und beurteilen.

Naturpark: Verdichtungen, Trockenheit, Starkregen: Wie kann ich als Landwirtin/Landwirt erkennen, wo mein Boden Probleme bekommt?

Michaela: Der Acker sagt mir meistens ziemlich genau, wo sein Problem liegt. Ich muss nur lernen, die Hinweise richtig zu lesen. Das wichtigste Werkzeug dafür ist der Spaten.


Naturpark: Was konkret kann ich tun?

Michaela: Das hängt entscheidend davon ab, was die Ursache des Problems ist. Genau deshalb halte ich pauschale Rezepte für schwierig. Wichtig ist: Nicht jedes Problem lässt sich mit einer Maschine lösen. Oft liegt der entscheidende Hebel in der Fruchtfolge, in einer Zwischenfrucht, in der Dauer der Bodenbedeckung oder schlicht darin, wann und wie ich einen Schlag befahre.

Menschen bei einem Feldtag zum Thema Humus stehen in Weinberglandschaft © Johannes Nickel

Naturpark: Was kann ich mit Fruchtfolge, Zwischenfrüchten oder Untersaaten bewirken?

Michaela: Pflanzen sind eines der wichtigsten Werkzeuge, das wir für unseren Boden haben. Sie können den Boden durchwurzeln, organische Substanz liefern, Nährstoffe aufnehmen und wieder verfügbar machen, Bodenleben ernähren und die Bodenstruktur beeinflussen. Entscheidend ist aber nicht: „Welche Zwischenfrucht ist die beste?“ Entscheidend ist: „Was braucht mein Boden und welche Pflanze kann mir dabei helfen?“ Genau dieses Denken wollen wir vermitteln.


Naturpark: Gibt es Fehler, die landwirtschaftliche Betriebe häufig machen? Und die überraschend gravierende Folgen haben?

Michaela: Ein häufiger Fehler ist, dass man die Ursache mit dem sichtbaren Problem verwechselt. Ein Punkt ist beispielsweise das Befahren des Bodens zum falschen Zeitpunkt. Eine einzige Überfahrt unter ungünstigen Bedingungen kann langfristige Folgen für die Bodenstruktur haben. Was oben oft kaum sichtbar ist, kann sich im Unterboden über Jahre bemerkbar machen.

Ein anderer Punkt ist, ein gutes Rezept einfach zu übernehmen, ohne zu prüfen, ob es zum eigenen Boden, zum eigenen Betrieb und zu den eigenen Bedingungen passt. Was bei einem anderen Standort funktioniert, muss auf meinem Boden nicht automatisch funktionieren. Böden unterscheiden sich, genauso wie Fruchtfolgen, Niederschlagsverhältnisse, Maschinen, Bewirtschaftung und betriebliche Rahmenbedingungen.

Humusreiche Erde mit Pflanzen © Gundi Woll

Naturpark: Was würdest du Landwirtinnen und Landwirten antworten, die fragen: „Brauche ich wirklich einen Kurs, obwohl ich meinen Boden schon jahrzehntelang kenne und bewirtschafte?“

Michaela:  Gerade dann kann der Kurs interessant sein. Es geht nicht darum, einem erfahrenen Landwirt, einer erfahrenen Landwirtin zu erklären, wie er/sie den eigenen Acker bewirtschaften soll. Es geht darum, zusätzliche Werkzeuge an die Hand zu geben, sodass Entscheidungen noch besser getroffen werden können.


Naturpark: Was nehmen die Teilnehmenden aus dem Bodenpraktiker-Basiskurs konkret für ihren eigenen Betrieb mit?

Michaela: Sie nehmen vor allem einen geschärften Blick auf den eigenen Boden mit. Die Teilnehmenden lernen, Boden selbst zu beurteilen: mit Spaten, Bodensonde, einfachen Feldmethoden und durch genaues Beobachten. Sie können Verdichtungen, Strukturprobleme, Wasserprobleme und andere Schwachstellen besser erkennen und einordnen. Am Ende sollen die Teilnehmenden nicht mit einem Katalog von Rezepten nach Hause gehen, sondern mit besseren Fragen, besseren Beobachtungsmöglichkeiten und konkreten Ideen für den eigenen Betrieb. Dazu kommt der Austausch mit anderen Landwirtinnen und Landwirten und die Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen mit anderen Betrieben zu vergleichen.

Menschen stehen auf einem Acker © Gundi Woll

Das Interview führten: Irmela Klöble & Gundi Woll

Fotos: Sonja Herpich, Johannes Nickel, Gundi Woll

GW/27.10.2026

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