Humus-Wasser-Modellregion im Kinzigtal: Landwirtschaftliche Betriebe stellen sich vor
Teilnehmende Modellbetriebe stehen fest / Individuelle Beratung für klimaverträgliche Landwirtschaft auf Höfen startet
In langen Trockenperioden muss Georg Sieferle Wasser in seine Weinberge fahren. „Das ist keine langfristige Lösung“, sagt der Landwirt vom Weingut Sieferle in Ortenberg (Ortenaukreis). „Da, wo bei mir der Humusgehalt im Boden gut ist, gibt es weniger Trockenstress für die Pflanzen“, führt Sieferle weiter aus. Der Humusgehalt der Flächen trägt maßgeblich zur Wasserhaltekapazität der Böden bei. Gleichzeitig speichert humusreicher Boden Kohlenstoff, indem organisches Material aus abgestorbenen Pflanzen von Bodenorganismen umgebaut und teilweise langfristig im Boden gebunden wird.
Zudem können wasserleitende Maßnahmen das Wasser besser über die gesamte Fläche leiten. Insbesondere bei Starkregen am Hang, kann so Wasser zurückgehalten und in Trockenphasen genutzt werden. Mit dem Antrieb, weitere Lösungswege für eine klimaangepasste Landwirtschaft zu erproben, hat sich Georg Sieferle beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord um die Teilnahme an der im November ins Leben gerufenen Humus-Wasser-Modellregion beworben.
Das Weingut Sieferle ist einer von insgesamt zehn landwirtschaftlichen Betrieben, die der Naturpark finanziell und praktisch beim Humus-Aufbau sowie bei zusätzlichen wasserleitenden Maßnahmen unterstützt. Neben Bildungsangeboten werden Bodenanalysen gelehrt und durchgeführt. In enger Abstimmung mit den Landwirtinnen und Landwirten wird anschließend ein auf den Hof zugeschnittenes Konzept entwickelt. Welche Maßnahmen sie umsetzen wollen, entscheiden die landwirtschaftlichen Betriebe am Ende selbst. Fachleute aus Beratung und Wissenschaft sowie die Gemeinden Fischerbach, Oberharmersbach, Ohlsbach, Hofstetten, Ortenberg, Oberwolfach und Gengenbach-Reichenbach und Kooperationspartner wie das Amt für Landwirtschaft des Landratsamts Ortenaukreis und der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) begleiten den Prozess.
„Mit der Humus-Wasser-Modellregion im Kinzigtal wollen wir Wege in eine klimaangepasste Bewirtschaftungsweise finden. Ziel ist es, die Erträge der Landwirtinnen und Landwirte bei uns im Schwarzwald zu stabilisieren. Denn ihnen verdanken wir zu großen Teilen unsere Schwarzwälder Kulturlandschaft mit ihrer besonderen Flora und Fauna sowie den Produkten, die hier entstehen.“
Modellregion steht für Innovation
Als innovatives Projekt würdigt die badenova die Humus-Wasser-Modellregion. Diese ist durch den Innovationsfonds Klima- und Wasserschutz des Energieunternehmens erst möglich gemacht worden. „Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord setzt mit diesem Vorhaben ein beispielhaftes Projekt um, das zeigt, wie regionale Zusammenarbeit, Wissensaufbau und konkrete Maßnahmen erfolgreich ineinandergreifen können. Die gewonnenen Erkenntnisse stärken eine klimaangepasste Landwirtschaft und kommen der gesamten Region zugute“, erläutert der Leiter des Innovationsfonds, Richard Tuth.
Neue Wege im Umgang mit dem Klimawandel gehen. Beim Netzwerktreffen auf dem Weingut Sieferle freut sich Ortenbergs Bürgermeisterin Amalia Lindt-Herrmann, dass sich Betriebe für die Modellregion gefunden haben. „Neue Wege in der Landwirtschaft entstehen dort, wo Tradition auf Innovation trifft und Anpassung zur Stärke wird. Deshalb bin ich stolz, dass wir Teil der Modellregion sind“, sagt Lindt-Hermann.
Das sagen die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte zur Modellregion
Elfriede Lehmann bewirtschaftet mit ihrem Mann den Kornbauernhof in Oberharmersbach. Auf ihrem Demeter-Heumilchbetrieb mit Streuobst, Heidelbeeren und Wald macht sich der Klimawandel deutlich bemerkbar. „Durch die Extremwetter-Ereignisse gedeihen unsere Streuobstbäume und die Heidelbeersträucher nicht mehr so gut. Sie können manche Nährstoffe nicht mehr aufnehmen, sind nicht mehr so gesund und bringen nicht mehr den Ertrag wie früher. Auf dem Feld und im Wald bringt die Trockenheit große finanzielle Einbußen mit sich.“ Durch das Projekt erhofft sich die Landwirtin Unterstützung dabei, den Hof durch eine zukunftsfähige Ausrichtung erhalten zu können. „Bei der Humus-Wasser-Modellregion des Naturparks sind wir dabei, um zu lernen, wie wir mehr Humus aufbauen können und Bodenproben lesen. Und welche Pflanzensorten sich künftig eignen“, führt Lehmann beim Netzwerktreffen auf dem Weingut Sieferle aus.
Die klimatischen Bedingungen erschweren es auch Steffen Armbruster von Armbrusters Hof in Berghaupten zunehmend, das Grünland zu bewirtschaften. Seine Motivation, Teil der Humus-Wasser-Modellregion des Naturparks zu sein? „Ich bin mit dabei, weil ich gemeinsam mit anderen Betrieben, dem Naturpark, Kommunen sowie Fachleuten aus Beratung und Wissenschaft Lösungswege dazu erarbeiten will, Wasser über die Fläche zu leiten und für uns alle einen nachhaltigen Lebensraum zu schaffen.“
Das sind die Betriebe der Humus-Wasser-Modellregion im Kinzigtal
- Obst- und Weinbau Christian Berg in Ortenberg: Bio-Betrieb im Nebenerwerb mit Direktvermarktung. Bewirtschaftung ohne Pflanzenschutzmittel. Weinsorten, Beerenkulturen und herkömmlichen Obstarten im Anbau.
- Weingut Sieferle von Georg Sieferle in Ortenberg: Kleiner Familienbetrieb, der vor drei Jahren auf biologische Bewirtschaftung umgestellt hat. Hat bereits Erfahrungen mit Humus-Aufbau gemacht.
- Weingut Schloss Ortenberg in Ortenberg: Haupterwerbsbetrieb mit Direktvermarktung. Ausschließlich Weinbau. Besteht bereits seit 1407. Derzeit im dritten Jahr der Umstellung auf ökologischen Weinbau.
- Kohmann GbR von Thorben Mahlendorf in Hausach: Bio-Grünlandbetrieb im Haupterwerb. Milchvieh, Rinderaufzucht, Hühner, und Forstwirtschaft. Milch wird über Schwarzwaldmilch vermarktet.
- Prinzbachhof von Martin Schmieder in Fischerbach: Konventioneller Grünlandbetrieb im Haupterwerb mit Direktvermarktung. Milchvieh mit eigener Nachzucht, kleine Bäckerei, Forstwirtschaft und Brennerei.
- Kaiserhof von Hubert und Janik Kinast in Hofstetten: Bio-Grünlandbetrieb im Nebenerwerb mit Direktvermarktung. Mutterkuhhaltung, Putenmast, Forstwirtschaft und Ferienwohnungen.
- Armbrusters Hof in Berghaupten: Grünlandbetrieb im Nebenerwerb mit Direktvermarktung. Rinder, Schafe, Schweine, Pferde und Hühner. Außerdem Forstwirtschaft, Streuobst und Brennerei sowie Kräuter- und Natureminare.
- Kornbauernhof von Stefan und Elfriede Lehmann in Oberharmersbach: Bio-Grünlandbetrieb im Vollerwerb mit Demeter-Zertifizierung und Direktvermarktung. Milchvieh mit eigener Nachzucht, Forstwirtschaft, Heidelbeeren, Streuobst und Brennerei.
- Bergbauernhof von Marita und Florian Rembold in Oberwolfach
Konventioneller Grünlandbetrieb im Nebenerwerb. Kühe und Ziegen als Pensionsvieh, Forstwirtschaft, Motorsägen-Kurse und Streuobst. - Kinzigbrennerei von Martin Brosamer in BiberachKonventioneller Betrieb mit Direktvermarktung. Ackerbau, Grünland mit Bullenmast, Vesperstube und Brennerei.
Text: Gundi Woll
Fotos: Gundi Woll
GW/03.07.2026
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