Naturpark zeichnet Obstgut Leisberg in Baden-Baden für gelebten Naturschutz aus
Prädikat „Naturpark-Partner“ ist Zeichen der Wertschätzung für den Einsatz zur Pflege von Streuobstwiesen und in der Bildungsarbeit
Naturschutz, Bildung und bürgerschaftliches Engagement: Das ist auf dem Obstgut Leisberg im Baden-Baden Stadtteil Lichtental gelebte Praxis. Zahlreiche Ehrenamtliche pflegen die mittlerweile rund 300 hochstämmigen Obstbäumen alter Sorten. In liebevoller Handarbeit entstehen aus den Früchten und Nüssen der Streuobstbäume sowie den für die Region typischen Heil- und Küchenkräutern aus dem eigens angelegten Kräutergarten Gelees und Chutneys, Dörrobst, Kräutertee, -likör und -salz, Waldnussschnaps, Kuchen sowie Apfelbrot – gebacken im Holzofen mit Naturpark-Mehl von der Zeller Mühle aus Ottersweier. Für den Erhalt und die Pflege des für das Ökosystem wichtigen Lebensraums Streuobstwiese sowie die begleitende Bildungsarbeit hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord dem Obstgut Leisberg am 5. Mai das Prädikat „Naturpark-Partner“ verliehen.
22 Naturpark-Partner gehören mittlerweile dem Netzwerk an. In Baden-Baden sind es fünf. Das Prädikat Naturpark-Partner steht für gelebte Regionalität und eine nachhaltige Wirtschaftsweise. „Orte wie das Obstgut Leisberg zeigen beispielhaft, wie eine Gemeinschaft unsere Schwarzwälder Kulturlandschaft lebendig und zukunftsfähig gestalten kann. Durch die Pflege der Streuobstwiese und der damit verbundenen Bildungsarbeit leistet das Obstgut einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Schwarzwald und eines für unser Ökosystem wichtigen Lebensraums“, begründet die Stellvertretende Naturpark-Geschäftsführerin, Yvonne Flesch, die Auszeichnung. „Die Auszeichnung zum Naturpark-Partner ist ein Zeichen der Wertschätzung für dieses außergewöhnliche Engagement. Zudem macht sie das Obstgut als best-practice-Beispiel für die Öffentlichkeit sichtbar.“
Bürgerengagement als tragende Säule
Seitdem die Stadt Baden-Baden das Gelände im Jahr 2016 dem Verein der Bürgergemeinschaft Unterbeuern-Lichtental zur Pflege und Bewirtschaftung übergab, hat sich das Obstgut Leisberg zu einem lebendigen Treffpunkt entwickelt. „Ende des 19. Jahrhunderts gehörten die Streuobstwiesen zu einem privaten Anwesen. Später dienten sie der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Dann war die Fläche jahrelang für die Öffentlichkeit nicht zugänglich“, berichtet der Leiter des Gartenbauamts der Stadt Baden-Baden, Markus Brunsing. „Die Vereinsgemeinschaft hat das Gelände aus dem Dornröschenschlaf geholt. Man kommt aus der Stadt, geht bei der Lichtentaler Allee durch ein Tor und befindet sich in einer anderen Welt!“, schwärmt Brunsing.
Heute kümmern sich zahlreiche Ehrenamtliche über Baumpatenschaften um die Pflege der 300 Obstbäume. „Es ist die Gemeinschaft, die uns ausmacht. Die Auszeichnung zum Naturpark-Partner trägt unseren Verein in die Zukunft“, fasst Waldtraud Nölle zusammen, Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Unterbeuern. „Über die Baumpatenschaften kommen viele Menschen aus der Stadt bei uns zusammen und pflegen die Streuobstwiesen. Wir leiten an beim Schnitt, der Ernte und beim Saftpressen. Der gemeinschaftliche Einsatz für dieses Kulturgut und den Erhalt der Artenvielflat verbindet“, führt Nölle aus.
Eine der Baumpatinnen ist Cornelia Herold. „Mein Mann und ich wollten unserer Ersatzenkelin die Kulturlandschaft näherbringen. Gemeinsam haben wir eines der Feste im Obstgut Leisberg besucht. Meine Ersatzenkelin war so begeistert, dass wir gleich eine Baumpatenschaft abgeschlossen haben. Hier packen alle mit an. Davon lebt das Obstgut!“ Und genau dieses Miteinander sorgt auch dafür, dass sich das Obstgut ständig weiterentwickelt, betont der Leiter des Städtischen Forstamts, Thomas Hauck. "Das Obstgut ist ein tolles Beispiel für bürgerschaftliches Engagement auf städtischen Flächen und mit Unterstützung des Naturparks für den Erhalt der Schwarzwälder Kulturlandschaft."
Lebensraum Streuobstwiese: aktiver Naturschutz
Das Obstgut Leisberg steht für konsequenten Naturschutz und begleitende Bildungsarbeit. Bei der Bewirtschaftung der Streuobstwiese setzt das Obstgut keine Dünge- und Spritzmittel ein. Statt auf maximalen Ertrag wird auf den Erhalt und die Verjüngung der Bäume geachtet. Bei Neupflanzungen werden bewusst alte, zumeist bedrohte und zunehmend klimaangepassten Sorten ausgewählt.
Das Gelände des Obstguts in Lichtental ist ökologisch besonders wertvoll. Es liegt in einem Wasser- und Naturschutzgebiet mit 16 Quellen. Zudem ist es Heimat zahlreicher Tierarten, wie etwa für den Feuersalamander. Für die Befruchtung der Obstbäume sorgen auch die Bienen von Demeter-Imker Erich Müller aus Bühl. Seinen Honig verkauft er u. a. auf Naturpark-Märkten. „Die Streuobstwiesen des Obstguts sind für mich als Imker ein Paradies. Diese einzigartige Kulturlandschaft, die hier vor uns liegt, steckt in diesem Glas Honig drin. Da schmeckt man die Streuobstwiesen!“, berichtet Müller. Seine Begeisterung für Honigbienen gibt er auch bei Bildungsveranstaltungen des Obstguts weiter.
Blühinseln, abschnittsweise gemähte Wiesen und Trockenmauern fördern zusätzlich die Biodiversität. Die zum Obstgut gehörenden Wiesen werden durch Highland-Rinder des Biohofs Baumann (ebenfalls zertifizierter Naturpark-Partner) offengehalten.
Wissen bewahren und weitergeben
Neben der Pflege liegt der Obstgut-Gemeinschaft auch daran, ihr Wissen und ihre Leidenschaft für die Kulturlandschaft weiterzugeben. Mit kostenlosen Schnitt- und Pflegekursen sowie praktischen Aktionen sorgt sie dafür, dass traditionelle Kenntnisse rund um den Obstbau erhalten bleiben und an kommende Generationen weitergegeben werden. Auch Kinder und Jugendliche lernen dabei, Verantwortung für Natur und Umwelt zu übernehmen – etwa beim gemeinsamen Saftpressen oder bei Mitmachaktionen.
Kooperationen mit Schulen und Kindergärten, darunter auch dem deutsch-französischen Naturpark-Kindergarten „Le Petit Renard“ aus Baden-Baden, stärken diesen Bildungsauftrag zusätzlich. Veranstaltungen wie das Frühlings- und Erntedankfest, das Ferienprogramm oder die digitale Schnitzeljagd (Actionbound) der Naturpark-Detektive sowie erstmals in diesem Jahr auch der Naturpark-Brunch schaffen darüber hinaus ein Gemeinschaftsgefühl und machen die Bedeutung der Kulturlandschaft erlebbar.
> Hier geht's zum Fernsehbeitrag bei Baden TV über die Auszeichnung des Obstguts Leisbegr als Naturpark-Partner.
Text: Gundi Woll
Fotos: Gundi Woll, Fränze Stein, Michael Keppler
GW/06.05.2026
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