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Klimaschutz & Klimaanpassung

Agroforst kommt bei landwirtschaftlichen Betrieben im Naturpark gut an

Naturpark hat in Pilotphase 17 Betriebe unterstützt: 76 Hektar Agroforst-Systeme geplant, über 4.300 Bäume & Sträucher gepflanzt

© Niklas Kullik

Lebendiger Boden, stabile Ernte, höhere Klimaangepasstheit. Mit diesem Ziel hat Landwirt Andreas Hofstätter vom Hofbauernhofs in Loßburg-Schömberg mit rund 15 Freiwilligen am10. und 11. April an die 400 Bäume und Sträucher auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche gepflanzt. Denn Agroforst-Strukturen tragen dazu bei, Wasser länger in der Fläche zu speichern. Sowohl in Dürrephasen als auch bei Starkregen-Ereignissen.

Während der auf zwei Jahre angelegten Pilotphase des Agroforst-Projekts des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord konnten Agroforst-Systeme für insgesamt 76 Hektar geplant werden. Über 2.800 Bäume und rund 1.500 Sträucher wurden bereits auf 35 Hektar Fläche gepflanzt. Bei den Pflanz-Aktionen haben 135 Freiwillige mitgeholfen. Über 80 Prozent der Betriebe haben angegeben, dass die Agroforst-Förderung des Naturparks ausschlaggebend für die Anlage eines Agroforst-Systems war. Die Hauptmotivation dafür lag für die Landwirtinnen und Landwirte insbesondere in der Stärkung der Biodiversität sowie dem Schutz des Bodens vor Wind und Erosion.

Mit der Agroforst-Modellregion bringt der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord wertvolle Gehölz-Strukturen wieder in die Landwirtschaft. „Agroforst ist im nördlichen und mittleren Schwarzwald gefragt!“, berichtet der Naturpark-Projektmanager Niklas Kullik. „Durch das Projekt ist ein Netzwerk aus Modellbetrieben entstanden. Aus ihren Erfahrungen können wir lernen. Sie sind Basis für die Konzeption gemeinsamer Wege für eine klimaangepasste Landwirtschaft in der Region und darüber hinaus“, führt Kullik weiter aus.

Klimaschutz durch Agrofrost verwurzeln

Wie sich Klimaschutz praktisch auf dem Acker umsetzen lässt, zeigt der Hofbauernhof in Loßburg-Schömberg: 120 Bäume und 270 Sträucher hat er mit einem Freiwilligen-Team auf einer rund fünf Hektar großen Grünfläche als Agroforst-System gepflanzt. Ziel des Betriebs ist es, durch das Agroforst-System die Biodiversität zu erhöhen, Weidetieren Schatten zu bieten und Obst für die Hof-Gemeinschaft zu produzieren.

„Wir hatten in der jüngsten Vergangenheit einige Jahre mit langen Hitzeperioden. Für unsere Tiere mussten wir in dieser Zeit künstlich Schatten erzeugen. Über das Agroforst-System erhalten sie auf natürliche Weise Schatten. Zudem bieten die Bäume und Sträucher Lebensraum für zahlreiche Tiere und sorgen dafür, dass der Boden Wasser besser aufnimmt und hält. So kann Landwirtschaft auch in Zeiten des Klimawandels Teil der Lösung sein“, erläutert Hofstätter.

Gepflanzt wurden Obst- und Wertholz-Bäume, Obst- und Wildobst-Sträucher sowie Hecken-Sträucher. Darunter: Apfel, Mostbirne, Walnuss, Ebereschen, Vogelkirschen, Schwarzerlen, Johannisbeeren, Kornelkirschen, Felsenbirnen, Hasel, Hartriegel, Schneeball und Weißdorn.

Hof ist Lernort und Agroforst-Modellbetrieb

Der Hofbauernhof ist ein gemeinschaftlich betriebener Demeter-Betrieb mit Legehennen, Rinderhaltung, Schweinehaltung, einer Hofbäckerei, Gemüsebau und Forstwirtschaft. Auf dem Hof leben insgesamt rund 25 Personen, die teilweise auch auf dem Betrieb arbeiten. „Der Hofbauernhof ist der größte Arbeitgeber in Schömberg. Als Lernort für unterschiedliche Projekte wie etwa das Naturpark-Bildungsprojekt ‚Muh, die Kuh‘ für Kindergärten bringt Leben in den Ort. Es ist toll, dass Andreas Hofstätter mit seinem Team auch Teil der Agroforst-Modellregion im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist und Neues auf dem Weg in eine klimaangepasste Landwirtschaft wagt“, sagt der Leiter des Bauamts der Gemeinde Loßburg, Jochen Geßler, bei der Pflanzaktion.

Traktor mit einer Naturpark-Fahne © Gundi Woll

Agroforst-Modellregion im Naturpark etablieren & weiterdenken

17 Betriebe konnte der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord zwischen 2024 und 2026 mit Förderung der Postcode Lotterie und weiterer Stiftungsmittel in der Pilotphase unterstützen. Die Systeme und Ziele der Höfe sind so vielfältig, wie die Betriebe selbst: Wertholzbäume, Biomasseproduktion, Wind- und Erosionsschutz, Schatten für Weidetiere oder weitere Fruchtproduktion mit Kastanien oder Obst. Die Betriebe sind über die Kulisse des Naturparks im nördlichen und mittleren Schwarzwald sowie in der Rheinebene verteilt. Damit bilden sie auch unterschiedliche Höhenlagen ab.

Bioland, Triebwerk und der Naturpark entwickelten auf die Höfe zugeschnittene Konzepte. Zusätzlich erhielten 13 der Betriebe eine Förderung von bis zu 7.000 Euro für die Anlage der Agroforst-Systeme auf insgesamt 35 Hektar Fläche. Darüber hinaus veranstaltete der Naturpark vielfältige Weiterbildungsangebote wie Feldtage auf Modellbetrieben. Dabei vernetzte er Menschen aus Wissenschaft und Praxis und organisierte Pflanz-Aktionen. Die Agroforst-Modellregion wird auch im Anschluss an die Pilotphase um weitere Betriebe wachsen.

Die Pflanz-Aktion begleitet hat auch ein Team des SWR aus dem Studio Tübingen. Hier geht's zum Online-Artikel.

Naturpark-Projektmanager wird vom SWR-Team interviewt und gefilmt. © Gundi Woll

Text: Gundi Woll

Fotos: Gundi Woll, Niklas Kullik

GW/13.04.2026

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