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Klimaschutz & Klimaanpassung

Wie Pferde die Schwarzwälder Kulturlandschaft erhalten können

Wie sieht die perfekte Pferde-Weide im Schwarzwald aus? Dazu hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord einen Online-Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde veranstaltet. Für den Blog haben wir zentrale Fragen und Antworten zusammengestellt. Tipps und Tricks zum Umgang mit Pferdeäpfeln, bunter Biodiversität und gegen Überweidung.

© Irmela Klöble
Wie können Pferdehalterinnen und -halter dazu beitragen, die Kulturlandschaft im Naturpark zu erhalten?

Bunte, grüne Wiesen prägen die Schwarzwälder Kulturlandschaft und sind wichtiger Lebensraum für zahlreiche heimische Tier- und Pflanzenarten. Werden die Flächen nicht bewirtschaftet oder durch Tiere beweidet, verbuschen sie und mit der Zeit entsteht Wald. Nutztiere sind natürliche Landschaftspfleger, die unsere Wiesen offenhalten.

Werden Wiesen erst später im Jahresverlauf gemäht („spät geworbenes Heu“), haben viele Wildblumen und Gräser ausreichend Zeit zu blühen und Samen zu bilden. Davon profitieren zahlreiche Insekten und andere Tiere – die Artenvielfalt steigt. Auch Weiden, die schonend genutzt und wenig gedüngt werden (extensive Beweidung), helfen dabei: Gras, Kräuter und Kleearten werden nicht zu stark abgefressen. So können unterschiedliche Pflanzen wachsen und es entsteht ein abwechslungsreicher Lebensraum.

Warum reicht es nicht aus, Pferde einfach auf die Wiese zu stellen?

Für die Wiesen ist es wichtig, dass sie gepflegt werden. Das funktioniert auf natürliche Weise, indem unterschiedliche Nutztiere dieselbe Fläche nacheinander beweiden. Verschiedene Tierarten – wie Rinder, Pferde und Schafe – fressen diverse Pflanzen und beißen sie auf unterschiedliche Weise ab. Dadurch ergänzen sie sich gut: Was die eine Tierart stehen lässt, frisst die andere. So wird die Fläche insgesamt gleichmäßiger beweidet. Auch ihr Kot unterscheidet sich in der Zusammensetzung der Nährstoffe. Das wirkt sich auf den Boden und das Pflanzenwachstum aus.

In der Praxis können die meisten Betriebe jedoch nicht auf drei Nutztierarten für die Beweidung zurückgreifen. Damit die Weide trotzdem artenreich und gepflegt bleibt, übernehmen Pferdehalterinnen und -halter zusätzliche Arbeiten wie nachmähen oder bestimmte Pflanzen zurückzudrängen.

Trägt eine gut gepflegte Pferdeweide zur Biodiversität bei?

Eine gut gepflegte Pferdeweide trägt auf viele Arten zur Biodiversität bei. „Gut gepflegt“ bedeutet, dass die Weide eine ausgewogene Mischung aus Gräsern, Kräutern und Kleearten bietet (75-80 % Gräser & je 10-15 % Kräuter und Kleearten). Diese Vielfalt sorgt dafür, dass dich die Pferde gesund ernähren. Gleichzeitig profitieren Insekten, Vögel und andere Tiere: Sie finden Nahrung, Nistplätze und Lebensraum.

Was passiert bei Überweidung?

Bei Überweidung passiert auf einer Wiese einiges, das der Natur und den Tieren schadet. Wenn zu viele Tiere zu lange auf derselben Fläche grasen, passiert Folgendes:

  • Es werden bestimmte Pflanzen immer wieder abgefressen und können sich nicht mehr erholen. Sie verschwinden. Andere, unerwünschte Pflanzen (Beikräuter) breiten sich aus.
  • Durch das ständige Betreten entstehen Trittschäden, die die Grasnarbe (die oberste, dicht bewachsene Bodenschicht) zerstören. Eine beschädigte Grasnarbe führt dazu, dass gewünschte Pflanzen verschwinden, Beikräuter sich ausbreiten, Wasser und Nährstoffe schlechter aufgenommen und gespeichert werden. Die Weide verliert ihre Vielfalt.
  • Parasiten können sich schneller ausbreiten, wenn die Weide keine Ruhezeiten hat. In den Pausen reduzieren sich diese auf natürliche Weise durch Austrocknung, UV-Strahlung, Frost und natürliche Absterbeprozesse. Entfällt die Ruhezeit bzw. ist nicht lange genug, kann dies zu kranken Tieren und höheren Kosten führen.

Damit die Weide gesund bleibt, braucht sie ausreichend Ruhezeiten, in denen keine Tiere darauf grasen. Diese Ruhezeiten sind je nach Jahreszeit unterschiedlich lang: etwa 21 Tage im Frühjahr und bis zu 40 Tage im Herbst.

Welche Pflanzen gehören auf eine gute Pferdeweide? Welche sind problematisch oder giftig?

Die optimale Zusammensetzung einer Pferdeweide besteht aus Gräsern die biss- und trittfest sind. Dazu gehören z. B. Weidelgras, Wiesenschwingel, Knaulgras, Wiesenrispe, Lieschgras, Rotschwingel und der Wiesenfuchsschwanz. Wiesenrispe und Rotschwingel schließen schnell Lücken im Grasbestand nach Trittschäden. Eine Vielfalt an Kräutern hilft zudem gegen Atemwegserkrankungen, Leber- und Nierenschäden. Kräuter wie der Spitzwegerich, Hirtentäschle, Schafgarbe, Weißklee und die Wilde Möhre unterstützt auch die Biodiversität. Zu den Kleearten zählen alle Kleearten. Für Pferde sind sie wichtige Proteinquelle.

Wichtig bei der Zusammensetzung ist, dass die Gräser schmackhaft sind, einen hohen Futterwert haben und sich in Hinblick auf den Standort und ihre Resilienzen gegenüber Krankheiten und Trockenheit ergänzen.

Tipp: Zeigerpflanzen (Pflanzen die gehäuft an einer Stelle vorkommen), deuten an, wenn irgendetwas im Gleichgewicht einer Weide nicht stimmt. Breitwegerich weist z. B. auf eine Verdichtung im Boden hin. Weitere Zeigerpflanzen für eine Überweidung können sein: Weißklee in hohen Anteilen, Jährige Rispe, Hirtentäschel, Vogelknöterich und Gänseblümchen.

Was sind typische Fehler? Und wie lassen sie sich vermeiden?

Typische Fehler beim Weidemanagement sind, wenn Flächen ungleichmäßig genutzt oder wichtige Pflegemaßnahmen vergessen werden. Ein häufiges Problem sind „Gailstellen“. Dabei handelt es sich um Stellen, an denen die Pferde besonders häufig ihren Kot absetzen. Zum Fressen meiden die Tiere dann diese Flächen. Die Pflanzen dort werden nicht mehr abgeweidet und unerwünschte Gewächse breiten sich aus. Worauf ebenfalls zu achten ist: Das Einsammeln der Pferdeäpfel auf der Weide ist wichtig, damit Parasiten sich nicht weiter ausbreiten. Doch mit dem Kot werden gleichzeitig für die Pflanzen wichtige Nährstoffe von der Fläche abgetragen. Damit die Wiese gesund bleibt, sind deshalb Nachdüngung und regelmäßige Kalkung bedeutsam.

Kurz gesagt: Eine Weide braucht Pflege. Denn auf der Weide leben auch viele andere Tiere und Pflanzen. In einer Hand Boden steckt mehr Leben als Menschen auf der Welt. Dieses Leben muss gepflegt werden! Mulchen, Nährstoffe zurückbringen, düngen und gegebenenfalls nachsäen gehören zur Verantwortung der Pferdehalterinnen und -halter.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf Weiden im Schwarzwald aus?

Die Landwirtschaft muss künftig mit häufigeren Wetterextremen, wie Trockenperioden und Starkregen, zurechtkommen. In Trockenperioden sinkt der Humusanteil in Weideböden. Bei Starkregen kann es auf Flächen mit vielen Trittschäden zu Erosionen kommen. Dies führt dazu, dass Boden und Nährstoffe weggespült werden. Eine gut gepflegte, vielfältige Weide ist resilienter gegenüber solchen Wetterereignissen.

Welche Anpassungsstrategien gibt es bei Trockenperioden oder Starkregen?

Eine wichtige Maßnahme ist die Nachsaat mit robusten, hitzetoleranten Gräsern, z. B. mit Knaulgras oder Rohrschwingel. Diese Gräser kommen besser mit Hitze und Trockenheit zurecht und sichern den Aufwuchs auch in schwierigen Jahren.

Agroforstsysteme – also Baum- oder Heckenreihen auf oder neben der Weide – helfen ebenfalls. Sie spenden Schatten, schützen vor Wind und verringern dadurch die Verdunstung. Gleichzeitig verbessern ihre Wurzeln die Bodenstruktur und verbessern den Humusgehalt.

Eine bedarfsgerechte Düngung unterstützt die Pflanzen dabei, kräftige Wurzeln zu bilden. Große Wurzelmassen und abgestorbene Pflanzenreste werden im Boden zu Humus umgewandelt. Humus wirkt wie ein Schwamm: Er speichert Wasser und gibt es bei Trockenheit langsam wieder ab. Bei Starkregen hilft ein humusreicher Boden, Wasser besser aufzunehmen und Überschwemmungen zu vermeiden.

Text: Gundi Woll

inhaltliche Zulieferung: Irmela Klöble

Fotos: Irmela Klöble

GW/06.03.2026

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