Georg Schmälzle baut in einem dunklen Gewächshaus in Sinzheim Bio-Bärlauch an.
Vorschaubild Copyright: Johannes Nickel
Einleitungstext:
Gewächshäuser sind kein attraktiver Hingucker. Doch sie sind für landwirtschaftliche Betriebe von Vorteil. Und auch Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren. Ein Blick ins Gewächshaus der Bio-Gärtnerei Schmälzle in Sinzheim.
In der Bio-Gärtnerei Schmälzle in Sinzheim wächst Bärlauch unter schattigen Bedingungen in Tunneln. So kann Bio aus Mittelbaden über die natürliche Saison hinaus angebaut werden. In der Region – für die Region! Für unseren Blog haben wir zentrale Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt. Dabei werfen wir auch einen Blick ins Gewächshaus von Georg Schmälzle.
Warum sind manche Gewächshäuser dunkel statt hell?
Nicht jede Pflanze liebt die Sonne. So wächst Bärlauch natürlicherweise im Wald – also im Schatten. Die abgedunkelten Tunnel – etwa von der Bio-Gärtnerei Schmälzle in Sinzheim – ahmen genau diese Bedingungen nach.
Sind Gewächshäuser überhaupt nachhaltig?
Ja, Gewächshäuser sind nachhaltig. Denn sie ermöglichen regionalen Anbau, verkürzen Transportwege und sorgen für frische Produkte mit weniger CO₂-Ausstoß. Werden die Produkte zusätzlich nach Bio-Maßstäben produziert, schützt dies den Boden und das Grundwasser. Denn chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel werden nicht eingesetzt. Im Bio-Anbau werden Gewächshäuser zudem meist nur frostfrei gehalten und nicht energieintensiv beheizt.
Wie wirken sich Gewächshäuser auf die Saison des Produkts aus?
Sie ermöglichen es den Landwirtinnen und Landwirten, schon früher im Jahr zu ernten und länger anzubauen. Auch wenn draußen noch Frost herrscht oder das Wetter schon wieder umschlägt. Gerade im Hinblick auf die durch den Klimawandel häufiger auftretenden Extremwetter-Ereignisse wie Hagel oder Starkregen schützen sie die Pflanzen, das Obst und Gemüse.
Durch den Anbau in Gewächshäusern ist die Ernte für landwirtschaftliche Betriebe damit sicherer und die Erträge sind stabiler. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet es, dass sie auch außerhalb der jeweiligen Saison qualitativ hochwertiges Obst und Gemüse aus der Region erhalten.
Ist das Gewächshaus für Schädlinge von Vorteil?
Nein. Denn häufig bringen Landwirtinnen und Landwirte Nützlinge gezielt aus, etwa Marienkäfer oder Schlupfwespen. Sie halten die Schädlinge dann auf ganz natürliche Weise in Schach.
Wer bestäubt die Pflanzen im Gewächshaus?
Häufig bestäuben Hummeln Pflanzen im Gewächs. Sie werden gezielt eingesetzt und sorgen zuverlässig dafür, dass Früchte entstehen – selbst bei kühleren Temperaturen.
Für was wird der Bärlauch aus der Bio-Gärtnerei Schmälzle genutzt?
Aus dem Bärlauch von Georg Schmälzle stellen assistenzbedürftige Menschen aus der Dorfgemeinschaft Tennental in Deckenpfronn zwischen Calw und Herrenberg ein Pesto her. So verbindet sich biologische Landwirtschaft mit sozialem Engagement. Die Produkte der Bio-Gärtnerei sind auch über ihren Online-Shop erhältlich.
Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.
Kulinarische Köstlichkeiten aus dem Schwarzwald: Das bieten die 22 Naturpark-Märkte im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit Start am 26. April in Ettenheim.
Alle Naturpark-Märkte im Überblick gibt’s online unter naturparkschwarzwald.de/erleben/naturpark-maerkte.
Vorschaubild Copyright: Johannes Nickel
Einleitungstext:
22 Naturpark-Märkte im nördlichen und mittleren Schwarzwald von April bis Oktober / Rund 130 regionale Betriebe und Direkterzeuger
Am 26. April startet in Ettenheim die Saison der Naturpark-Märkte des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Bis Ende Oktober präsentieren insgesamt 22 Märkte im nördlichen und mittleren Schwarzwald regionale Produkte aus der Region. Von Obst und Gemüse, Honig und Holzofenbrot über Produkte aus Wolle und Holz bis hin zu Wildspezialitäten und regional gebrautem Bier bieten die Märkte eine breite Auswahl direkt von landwirtschaftlichen Betrieben und Direktvermarktern. Insgesamt sind rund 130 Erzeugerinnen und Erzeuger beteiligt. Der Saisonabschluss findet in Oberharmersbach (Ortenaukreis) statt.
Die Naturpark-Märkte zeigen die kulinarische und handwerkliche Vielfalt des Schwarzwalds und finden zumeist an einem Sonntag an wechselnden Orten statt – von Ettlingen und Pforzheim im Norden bis Ettenheim und Oberharmersbach im Süden. „Die Naturpark-Märkte stehen für authentische Qualität, Transparenz für Käufer, kurze Wege und echtes Handwerk, das im Naturpark verwurzelt ist. Die Märkte erlebe ich als lebendige Treffpunkte, wo Menschen Kontakte knüpfen und neue Impulse erhalten“, beschreibt Naturpark-Markt-Beschickerin Jacqueline Geyer. Und die Stellvertretende Naturpark-Geschäftsführerin, Yvonne Flesch, führt weiter aus: „So trägt der Naturpark dazu bei, regionale Wertschöpfung zu sichern und die Kulturlandschaft im Schwarzwald zu erhalten.“
Naturpark-Märkte mit besonderen Highlights
Die Naturpark-Märkte in Bad Teinach-Zavelstein, Calw, Dornstetten, Ettlingen, Freudenstadt und Oberharmersbach bieten mit ihrem traditionellen Fachwerk eine einzigartige Kulisse. In Schömberg sorgt der Kurpark für eine besondere Atmosphäre. Neu im Programm sind 2026 die Märkte in Baiersbronn (Rosenplatz), Oberkirch (Heimattage Baden-Württemberg), Pforzheim (Wildpark) sowie in Egenhausen.
Angebote für Familien
Die Naturpark-Kochschule ist in Bad Herrenalb, Calw und Oberkirch vor Ort. Kinder von fünf bis 13 Jahren können dort mit regionalen Zutaten ein gesundes, mehrgängiges Menü zubereiten. Das Naturpark-Bildungsteam bietet zusätzlich Mitmach-Aktionen auf den Naturpark-Märkten in Oberkirch und Pforzheim an.
Text: Gundi Woll
Fotos: Johannes Nickel, Gundi Woll, Janina Hutt, Michael Keppler
GW/23.04.2026
Verwandte Themen
Meist gelesene Artikel
Geschichten aus dem Schwarzwald
Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.
Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord verleiht dem Weingut Tobias Köninger für seinen Einsatz zum Erhalt der Kulturlandschaft das Prädikat „Naturpark-Partner“. Hier bei der Übergabe der Urkunde vorm Weingut in Kappelrodeck: Kappelrodecks Bürgermeister Stefan Hattenbach, Tobias und Otmar Köninger mit Naturpark-Projektmanagerin Janina Hutt (v. r.).
Vorschaubild Copyright: Gundi Woll
Einleitungstext:
Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord verleiht Weingut Tobias Köninger aus Kappelrodeck für sein Engagement das Prädikat „Naturpark-Partner“.
Weinreben, Streuobstwiesen und Wald gehören für Tobias Köninger vom gleichnamigen Weingut in Kappelrodeck fest zum Bild der Schwarzwälder Vorbergzone im Ortenaukreis. Durch die Bewirtschaftung und Pflege der über Jahrhunderte gewachsenen Landschaft trägt er mit seinem achtköpfigen Team dazu bei, dieses Kulturgut zu erhalten. Für sein Engagement hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord Tobias Köninger am 29. September das Prädikat „Naturpark-Partner“ verliehen. Im nördlichen und mittleren Schwarzwald umfasst das Netzwerk 24 Betriebe und Institutionen aus den Bereichen Landwirtschaft, Regionalverarbeitung und -vermarktung sowie Tourismus. Im Ortenaukreis sind es neun.
„Unsere Kulturlandschaft ist kein Selbstläufer. Sie bleibt nur erhalten, wenn Menschen sie bewirtschaften und sich mit ihr verbunden fühlen. Das Weingut Tobias Köninger leistet mit der Bewirtschaftung seiner Steillagen und Streuobstflächen einen wichtigen Beitrag dazu. Gleichzeitig zeigt der Betrieb, wie sich ökologische Verantwortung und regionale Wertschöpfung miteinander verbinden lassen.“
Erhalt der vielseitigen Kulturlandschaft
Seit der Gründung seines Weinguts im Jahr 2000 bewirtschaftet Tobias Köninger die Flächen rund um Kappelrodeck und in der näheren Umgebung. Heute gehören rund zehn Hektar Reben, drei Hektar Kirschbäume, vier Hektar Wald und zwei Hektar Magerwiesen zum Betrieb. Ein Drittel der Rebflächen liegt in Steil- und Steilstlagen. Ihre Bewirtschaftung ist besonders anspruchsvoll, da sie von Hand und nicht durch Maschinen erfolgt.
Dankbar für den Einsatz des einzigen Weinguts in Kappelrodeck, das im Haupterwerb geführt wird, ist auch der Bürgermeister der Gemeinde, Stefan Hattenbach: „Der Weinbau ist unauslöschbarer Bestandteil des kulturellen Erbgutes unserer gesamten Heimatregion, Alleinstellungsmerkmal und Aushängeschild. Er prägt Wirtschaft, Gesellschaft und Landschaft. Tobias Köninger ist für mich ein Vorzeigebetrieb des Weinbaus: Zukunftsorientiert, innovativ und nachhaltig, gleichzeitig bodenständig und qualitätsorientiert. Er steht damit genau für das, was uns in der Region stark macht. Ich freue mich mit dem Weingut Tobias Köninger sehr über die Auszeichnung als Naturpark-Partner: Sie ist stellvertretend für viele und gleichzeitig eine schöne Anerkennung für das, was hier jeden Tag mit riesigem persönlichen Einsatz geleistet wird!“
Bio-Weinbau und Energie aus dem eigenen Betrieb
Seit 2024 ist das Weingut Tobias Köninger bio-zertifiziert. Der Nachhaltigkeitsgedanke zieht sich durch den gesamten Betrieb: Für die Stromversorgung gibt es Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Das Wasser bezieht das Weingut über eine eigene Quelle. Die Wärmeversorgung erfolgt mit eigenem Holz aus dem rund vier Hektar großen Wald sowie von den Kirschbäumen der eigenen Streuobstwiesen.
Die vor fünf Jahren angelegten Magerwiesen ergänzen das Engagement für die Kulturlandschaft und die Artenvielfalt. Sie werden einmal jährlich gemäht. Das gewonnene Heu kommt einem Rinderbetrieb aus der Region zugute.
Vom Weinberg und der Streuobstwiese bis ins Glas
Neben den Weinen aus den eigenen Rebflächen gehört mittlerweile auch eine eigene Destillerie zum Betrieb. Neben klassischen Obstbränden entstehen dort Gin, Wermut und weitere Eigenkreationen. Eine wichtige Grundlage dafür sind die eigenen Kirschen.
Neben dem Kauf der Produkte direkt in der Vinothek des Weinguts in Kappelrodeck oder im Online-Shop stehen die Köninger-Weine auch auf den Speisekarten von Restaurants in der Region. So etwa bei den Naturpark-Wirten: Wellnesshotel Tanne in Baiersbronn, Kaminstube im Hotel Dollenberg in Bad Peterstal-Griesbach, Wirtshaus zur Geroldsauer Mühle in Baden-Baden und Gasthof zur Traube in Bühl. Bei einem guten Essen in ihrem Schwarzwald-Urlaub haben auch Sabrina Schober und Markus Mennel den Wein von Tobias Köninger zum ersten Mal probiert. „Uns hat der Wein so gut geschmeckt, dass wir gesagt haben: ‚Heute fahren wir direkt zum Weingut und nehmen zwei Kartons mit Köninger-Weinen mit nach Hause ins Allgäu‘“, berichtet Schober.
Neben der Gastronomie gehen weitere Flaschen über Weinhandlungen und den Einzelhandel bis nach Villingen-Schwenningen und Schwäbisch Hall. Der Wein, die Edelbrände, der Gin und der Wermut im Glas sind Produkte handverlesener Landschaftspflege!
Ein Familienbetrieb mit Weinbautradition
Tobias Köninger ist mit dem Weinbau groß geworden. Nach seiner Ausbildung an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg gründete er im Jahr 2000 sein eigenes Weingut. Die Weinbautradition der Familie reicht jedoch deutlich weiter zurück. Heute arbeiten insgesamt acht Mitarbeitende im Betrieb.
Besonders während der Weinlese wird sichtbar, wie viel Handarbeit und Erfahrung im Weinbau stecken. Die Trauben für seine Rotweine werden komplett per Handlese geerntet. Für Tobias Köninger ist diese Verbindung von Landschaft, Handwerk und Genuss zentral: „Mich fasziniert der jährliche Zyklus aus pflegen, ernten und verarbeiten. Wenn die Menschen unseren Wein probieren und strahlen, weil er schmeckt, dann ist das für mich eine runde Sache.“
Mit der Auszeichnung als Naturpark-Partner wird dieses Engagement nun auch nach außen sichtbar: Jede Flasche steht für Tobias Köningers Arbeit als Winzer und Brenner. Und sie steht für eine bewirtschaftete Kulturlandschaft, in der das Obst wächst und gepflegt wird.
Werden auch Sie Teil des Naturpark-Partner-Netzwerks
Interessierte Betriebe können sich an die Naturpark-Geschäftsstelle wenden.
Schwarzwälder Kulturlandschaft erhalten: pflanzen, pflegen, ernten, schmecken & genießen / Zu Besuch im Weingut Köninger in Kappelrodeck, den Reben und in der Kellerei in Achern
Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.
Vom 2. Mai bis zum 1. Juni bieten die Naturpark-Wirte im nördlichen und mittleren Schwarzwald im Rahmen ihrer Frühlings-Aktionswochen besondere Gerichte mit Zutaten aus der Region an. Beim 20-jährigen Bestehen der Naturpark-Wirte können Gäste aktiv über den Genuss-Pass mitfeiern.
Mit den Frühlings-Aktionswochen vom 2. Mai bis zum 1. Juni feiern die Naturpark-Wirte Schwarzwald Mitte/Nord ihr 20-jähriges Bestehen.
Wenn die Natur im Schwarzwald zu neuem Leben erwacht, zieht auch in den Küchen der Region der Frühling ein. Vom 2. Mai bis zum 1. Juni laden die Naturpark-Wirte Schwarzwald Mitte/Nord zu ihren Frühlings-Aktionswochen ein – und feiern gleichzeitig ihr 20-jähriges Bestehen. In dieser Zeit servieren teilnehmende Betriebe aus sechs Stadt- und Landkreisen besondere Frühlingsgerichte mit Zutaten aus dem Schwarzwald.
Auf den Speisekarten finden sich kreative Kombinationen wie hausgemachte Bärlauchmaultaschen auf Spargelragout, Ziegenkäse-Bärlauchspätzle mit Wiesenkräutersalat oder Kartoffelrösti mit regionalem Grillkäse. Traditionelle Schwarzwälder Küche trifft dabei auf moderne Kompositionen. Dabei stehen stets im Fokus: frische, saisonale und damit regionale Produkte. Passend zu den Naturpark-Gerichten gibt es Weinempfehlungen des Naturpark Partners Waldulmer Winzergenossenschaft.
‚Landschaftspflege mit Messer und Gabel‘ bedeutet für uns seit 20 Jahren: Das, was in der Natur wächst und gedeiht, kommt frisch auf den Teller. Unsere Frühlings-Aktionswochen machen das Zusammenspiel von Natur, Handwerk und Genuss besonders erlebbar.
Diese Naturpark-Wirte sind bei den Frühlings-Aktionswochen dabei
Jubiläums-Aktion aller Naturpark-Wirte: Genuss-Pass mit gratis Dessert
Genießen, stempeln, gratis Dessert. Über den Genuss-Pass können auch die Gäste das 20-jährige Bestehen der rund 40 Naturpark-Wirtinnen und -Wirte mitfeiern. So einfach geht’s: Zwischen dem 2. Mai und dem 31. Dezember viermal bei einem Naturpark-Wirt oder bei unterschiedlichen Naturpark-Wirten einkehren. Für jeden Besuch gibt es einen Stempel. Beim vierten Naturpark-Wirt erhält der Gast ein kostenloses Dessert nach Wahl. Über den Genuss-Pass können die Gäste zudem an einer Auslosung teilnehmen und mit etwas Glück einen von fünf Wertgutscheinen gewinnen.
Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.
Die Regionalmanagerin der Bio-Musterregion Mittelbaden+, Dr. Laura Willer, präsentiert das diesjährige Programm der Bio-Musterregion Mittelbaden+ mit über 100 Events.
Bildrechte: Johannes Nickel/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord e. V.; frei zur einmaligen Verwendung nur in Verbindung mit einer redaktionellen Berichterstattung über den Naturpark.
Vorschaubild Copyright: Johannes Nickel
Einleitungstext:
Betriebe in der Bio-Musterregion Mittelbaden+ beim Probieren und Genießen näher kennenlernen.
Wie wird ökologische Landwirtschaft in Mittelbaden gelebt? Welche Produkte entstehen hier? Und wer steht dahinter? Antworten auf diese Fragen liefert das neue Jahresprogramm der Bio-Musterregion Mittelbaden+ mit über 100 Events im Landkreis Rastatt, in der Ortenau sowie im Stadtkreis Baden-Baden. Gemeinsam mit zahlreichen Akteuren aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Vermarktung und Gastronomie ist ein abwechslungsreiches Angebot entstanden. Das Programm reicht von kulinarischen Erlebnissen über informative Einblicke bis hin zu familienfreundlichen und aktiven Formaten. Das vollständige Jahresprogramm ist hier abrufbar.
Diese Events bietet die Bio-Musterregion Mittelbaden+ 2026
„Ziel unseres Programms ist es, regionale Bio-Produkte durch kulinarische Angebote, einen Blick hinter die Kulissen und Gespräche mit Erzeugerinnen und Erzeugern erlebbar zu machen. Das Programm zeigt, wie lebendig und vielseitig die mittelbadische Bio-Szene ist“, führt die Regionalmanagerin der Bio-Musterregion Mittelbaden+, Dr. Laura Willer, aus.
So gibt eine Führung durch die Ölmühle Walz in Oberkirch spannende Einblicke in die Herstellung kaltgepresster Bio-Speiseöle, inklusive Verkostung und Besuch im Naturkostladen. Auch das als Naturpark-Partner ausgezeichnete Bio-Weingut Maier in Baden-Baden öffnet seine Türen. Es lädt zu einem genussvollen Winzerfrühstück mit Sekt- und Secco-Verkostung ein. Ergänzend stehen Veranstaltungen wie Grillabende oder „Yoga und Wein“ auf dem Programm.
Darüber hinaus bieten Feste und besondere Anlässe vielfältige Möglichkeiten, Bio in geselliger Atmosphäre zu erleben: Beim Pfingstfest der Brennerei Kessler in Bad Peterstal-Griesbach erwarten die Besucherinnen und Besucher Cocktails, edle Brände und eine entspannte Lounge-Atmosphäre. Ein weiteres Highlight ist das Jubiläumshoffest auf dem ebenfalls als Naturpark-Partner ausgezeichneten Bio-Obsthof Schindler in Achern-Mösbach. Mit Kunsthandwerk, Live-Musik, Bio-Ausstellern und Verkostungen feiert er sein 30-jähriges Bestehen. Begleitend finden dort zusätzliche Veranstaltungen wie Konzerte, ein Pflanzentauschtag oder der Naturpark-Brunch auf dem Bauernhof statt.
Auch Mitmach- und Informationsangebote gehören zum Programm: Beim Jungpflanzentausch des Vereins BIO Mittelbaden-Ortenau+ auf Deckers Biohof in Bühl-Weitenung können sich Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner sowie Fachleute vernetzen, Pflanzen tauschen und wertvolle Tipps rund um den ökologischen Anbau erhalten. Wer tiefer in die Praxis eintauchen möchte, kann etwa bei einer Hof- und Bauerngarten-Führung auf dem Kornbauernhof in Oberharmersbach mehr über Demeter-Heumilch und biodynamische Landwirtschaft erfahren. Einblicke in die Verarbeitung regionaler Bio-Kräuter bietet zudem der Tag der offenen Tür beim Kräuterland Baden-Württemberg e. V.: Unter dem Motto „Vom Kräuterfeld bis zur Teetüte“ erhalten Besucherinnen und Besucher Einblicke in die Kräutermanufaktur, besuchen das Kräuterfeld und verkosten biologische Tee-, Kräutersalz- und Gewürzmischungen sowie Blütenzucker.
Wertschöpfung stärken, Umwelt schützen
Die Bio-Musterregion Mittelbaden+ setzt sich unter der Lead-Partnerschaft des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord dafür ein, regionale Bio-Wertschöpfungsketten weiter auf- und auszubauen sowie den ökologischen Landbau gezielt voranzubringen. Dieser leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität, zum Schutz von Boden, Wasserressourcen und Klima sowie zum Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft in der Region.
Ein zentrales Anliegen ist die Vernetzung der verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette: von landwirtschaftlichen Betrieben über Verarbeitungsunternehmen bis hin zu Gastronomie und Vermarktung. Gleichzeitig werden Verbraucherinnen und Verbraucher über die Bedeutung und den Wert heimischer Bio-Lebensmittel informiert und sensibilisiert.
Organisation & Angebote der Bio-Musterregion Mittelbaden+
Die Bio-Musterregion Mittelbaden+ bietet unterschiedliche Veranstaltungsformate wie Treffen für Landwirtinnen und Landwirte, die an ökologischem Landbau interessiert sind, Informationsveranstaltungen auf Bio-Betrieben für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie zum Thema Bio für die Außer-Haus-Verpflegung und Großküchen wie etwa von Kantinen, Kliniken oder von Schulen.
Die Bio-Musterregion Mittelbaden+erstreckt sich von der deutsch-französischen Grenze in der Rheinebene bis in die Vorbergzone des Mittleren Schwarzwalds. Sie umfasst den Landkreis Rastatt, den Ortenaukreis und den Stadtkreis Baden-Baden.Durch die Überlappung mit dem Gebiet des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord ergeben sich zahlreiche Synergien bei der Unterstützung und Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben. Der Naturpark trägt als Lead-Partner die Gesamtverantwortung für die Bio-Musterregion und stellt den Sitz für ihr Regionalmanagement.
Bio-Landwirtschaft in der Bio-Musterregion Mittelbaden+
Das Gebiet der Bio-Musterregion Mittelbaden+ wird etwa zur Hälfte landwirtschaftlich genutzt. Bekannt ist die Region für ihren vielseitigen Obstanbau, traditionsreiche Reblandschaften und Streuobstwiesen. Gerahmt wird die Obstregion von Grünland im Schwarzwald und Ackerbau in der Rheinebene. In der Region Mittelbaden sind über 3.500 landwirtschaftliche Betriebe ansässig. Davon sind viele Klein- und Nebenerwerbsbetriebe, die ihre Produkte direkt vermarkten. Insgesamt liegt der Anteil an ökologisch bewirtschafteten Flächen unter dem Landesdurchschnitt.
Text: Gundi Woll
Fotos: Johannes Nickel
GW/24.03.2026
Verwandte Themen
Meist gelesene Artikel
Geschichten aus dem Schwarzwald
Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.
Wie Vincent Mayer von der Schwarzwälder Geisserie in Lauterbach mit seinen Ziegen steile Schwarzwaldhänge offenhält. Und aus ihrer Milch Käse und Joghurt herstellt.
Es dauert nicht lange, dann ist Vincent Mayer von seinen „Mädels“ umringt. Eine Ziege zupft an seiner Kleidung, eine andere schnuppert neugierig an seinem Hirtenstab. Vincent krault einer der Ziegen die Ohren. „Manche kuscheln gerne“, sagt er und schmunzelt. Kurz darauf wollen alle gestreichelt werden. Vincents Ziegen sind wählerisch, neugierig und intelligent. Jede hat ihren eigenen Charakter. Wenn sie zickig sind, ist ein hohles Klacken und Schaben zu hören. Dann tragen gerade wieder einmal zwei Ziegen mit ihren bis zu 30 Zentimeter langen, gebogenen Hörnern eine kleine Meinungsverschiedenheit aus.
Gemeinsam mit seiner Herde ist der 31-Jährige unterwegs auf den steilen Wiesen rund um den Hof der Schwarzwälder Geisserie in Lauterbach im Landkreis Rottweil. Das Gras steht dank des Regens in letzter Zeit saftig und knöchelhoch. Dazwischen wachsen Schwarzwälder Kräuter. Die im Sonnenlicht goldbraun leuchtenden Bunten Deutschen Edelziegen suchen sich mit ihren weichen Oberlippen und den unteren Schneidezähnen die besten Blüten, Kräuter und Grasspitzen heraus. Dabei tun sie etwas, das für den Schwarzwald von großer Bedeutung ist: Sie halten die Wiesen offen.
Denn die idyllische Landschaft, die heute so selbstverständlich zum Schwarzwald gehört, ist über Jahrhunderte durch das Zusammenspiel von Menschen und Tieren entstanden. Ohne Bewirtschaftung würden viele der steilen Flächen verbuschen und langsam wieder zu Wald werden. Ziegen, Schafe und Rinder sind deshalb echte Landschaftspfleger. „Das mache ich viel zu selten: Hier mit den Ziegen auf der Weide stehen. Den Ausblick genießen. Es ist ein Traum!“, sagt Vincent und tätschelt einer Ziege den Rücken.
„Die gesamte Wertschöpfung findet hier auf dem Hof statt. Unsere Wiesen bieten das Futter. Die Zicklein werden hier geboren. Manche ziehe ich selbst mit der Flasche groß. Dann wird das Zicklein zur Ziege, wird selbst Mutter. Lilli bekommt ein Lillichen. Gibt Milch und daraus machst du dann einen Käse. Lässt ihn reifen, schmierst ihn jeden Tag. Und verkaufst ihn dann auf dem Markt.“
Ein Hof, eine Gemeinschaft
Auf dem Hof gibt es immer etwas zu tun. Viel auf einmal muss man stemmen können, flexibel sein, lösungsorientiert mit Ehrgeiz für die Sache und bei all dem darf der Spaß nicht verloren gehen. Wer das mitbringt, ist gut für das Hofleben gerüstet, meint Vincent. „Manchmal gibt es Tage, an denen ein Unglück auf das nächste folgt. Da verendet der Schlepper bei der Heuernte auf der Wiese. Gleichzeitig geht die Wasserpumpe für die Wasserversorgung des Hofes kaputt. Und beim Pasteur geht der Temperaturfühler kaputt, sodass du keinen Käse mehr machen kannst. Das sind drei riesen-riesengroße Probleme“, beschreibt Vincent. „Wenn du da Handwerker hast, die direkt kommen und die Maschinen und Geräte reparieren, ist das ein Glücksfall. Wir haben es mit unseren Handwerkern sehr, sehr gut! Und wenn du dann abends zusammensitzt und gemeinsam lachen kannst, ist das viel wert!“, sagt er und schaut zu seiner Partnerin Josi. Neben ihr gehören Vincents Jagdhund Wilma – kurz Willi – sowie Vera und Tile zur Hof-Familie. Beim Frühstück und Mittagessen besprechen sie den Tag und treffen Entscheidungen.
Rundfahrt im Karussell
Vera und Tile haben den Hof im Schafhof 1 in Lauterbach 2002 gekauft. Damit haben sich die beiden in ihrem Ruhestand einen Traum verwirklicht. Das Hofgebäude haben sie saniert, den Stall neu gebaut. Es ist ein hoher, lichtdurchfluteter Stall, in dem es angenehm nach frischem Heu und erstaunlich wenig nach Ziege riecht. Im Frühjahr 2025 gaben sie dann eine Anzeige in einem Online-Portal auf: „Bieten Rundfahrt im Karussell“.
Vincent führte damals eine Physiotherapiepraxis in Pforzheim. Josi arbeitete als Heilerziehungspflegerin. Sie meldeten sich auf die Anzeige hin. Im April besuchten sie Vera und Tile auf dem Hof. Ein Jahr später zogen sie ein. Josi arbeitet weiterhin als Heilerziehungspflegerin mit Menschen mit Behinderung. Wenn Not am Mann ist, hilft sie auf dem Hof aus. Vincent gab seine Praxis auf und pachtete die Geisserie. „Einen Hof kaufen ist teuer. Auch einen vererbt bekommen, würde ich keinen. Die Verpachtung und die Unterstützung durch Vera und Tile bei der Hofarbeit sind ein großer Glücksfall!“, berichtet Vincent.
Die „Rundfahrt im Karussell“ war übrigens eine Anspielung auf das Melk-Karussell. Dabei handelt es sich um eine karussell-ähnliche Maschine, in die die Ziegen vom Stall aus hineinlaufen. Sie stellen sich auf einen Platz, erhalten ein Leckerli und werden gemolken, während sich das Karussell dreht. Eine Runde dauert etwa zwei Minuten. Dann ist die Ziege fertig gemolken und kann zurück in den Stall gehen. „Ziege Molly liebt das Melkkarussell so sehr, dass sie gleich mehrmals versucht, dranzukommen“, berichtet Vincent und sagt mit einem Schmunzeln: „Die Ziegen!“
Komplette Käse-Wertschöpfung findet auf dem Hof statt
Auch Vincent steht gerne im Melkkarussell. Zusammen mit Tile melkt Vincent die über 100 Ziegen morgens um 7 Uhr und abends um 17 Uhr. Eine Ziege gibt rund 500 Liter Milch pro Jahr. Davon ernähren sie auch die Zicklein. Die restliche Milch wird in der Schwarzwälder Geisserie zu Joghurt und Ziegenkäse jeglicher Art verarbeitet: Frischkäse, Schnittkäse unterschiedlicher Reifegrade und mit verschiedenen Gewürzen, Camembert, Grillkäse, Zeta. Rund elf Liter Milch braucht es für ein Kilogramm Käse.
„Die gesamte Wertschöpfung findet hier auf dem Hof statt. Unsere Wiesen bieten das Futter. Die Zicklein werden hier geboren. Manche ziehe ich selbst mit der Flasche groß. Dann wird das Zicklein zur Ziege, wird selbst Mutter. Lilli bekommt ein Lillichen. Gibt Milch und daraus machst du dann einen Käse. Lässt ihn reifen, schmierst ihn jeden Tag. Und verkaufst ihn dann auf dem Markt“, beschreibt Vincent.
Einige seiner Käse gehen auch an den Gasthof Adler auf dem Fohrenbühl in Lauterbach, einem ausgezeichneten Naturpark-Wirt. Naturpark-Kooperationspartnerin Nadine Göz verkauft den Käse der Schwarzwälder Geisserie in ihrem Hofladen in Unterreichenbach im Landkreis Calw. Auf zahlreichen Naturpark-Märkten ist Vincent mit Unterstützung von Familie und Freunden mit einem Stand vertreten. Und auch bei der diesjährigen Naturpark-Genuss-Messe in Nagold am 25. Oktober wird er mit seinen Ziegenkäsen dabei sein. Der Käse, den er dort verkauft, trägt viele Geschichten in sich: von Menschen und Ziegen, Landschaft, Geschmack und Gerüchen. Wer in ein Stück Ziegenkäse von der Schwarzwälder Geisserie aus Lauterbach beißt, schmeckt deshalb nicht nur Milch, Kräuter und Handwerk. Es steckt auch ein Stück Schwarzwaldlandschaft drin.
Hinweis: Schwarzwälder Geisserie richtet eigenen Hofladen ein
Aktuell gestalten Vincent, Josi, Vera und Tile einen Hofladen. „Dann können die Leute selbst vorbeikommen, die Ziegen im Stall oder auf der Weide besuchen und bei uns den Käse probieren und kaufen“, berichtet Vincent voller Vorfreude.
Wenn Ziegen auf den steilen Wiesen rund um Lauterbach grasen, halten sie nicht nur das Gras kurz. Sie verhindern auch, dass die Flächen verbuschen und die für den Schwarzwald typische offene Kulturlandschaft verloren geht. Damit diese Landschaft erhalten bleibt, braucht es Menschen, die sie bewirtschaften. Und es braucht Verbraucherinnen und Verbraucher, die regionale Landwirtschaft unterstützen.
Wer Käse, Joghurt und andere Produkte direkt beim Hof, auf den Naturpark-Märkten oder bei der Naturpark-Genuss-Messe kauft oder bei einem der rund 40 Naturpark-Wirte einkehrt, trägt dazu bei, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. So unterstützt der Einkauf die Menschen hinter den Produkten und auch die Kulturlandschaft, in der sie entstehen. Regional genießen heißt deshalb: Landwirtschaft stärken, Wege kurz halten und ein Stück Schwarzwald erhalten.
Text: Gundi Woll
Fotos: Gundi Woll
GW/verfasst: 10.09.2026
GW/publiziert: 23.09.2026
Verwandte Themen
Meist gelesene Artikel
Geschichten aus dem Schwarzwald
Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.
Familie Reiser vor dem Bauckhäusle mit Gästen und frisch gebackenen Hefezöpfen
Vorschaubild Copyright: Gundi Woll
Einleitungstext:
Besuch im Backhäusle auf dem Biolandhof Reiser in Straubenhardt / Mit Tipps, Tricks und Rezepten zum Nachbacken
Kulturlandschaft prägt den Schwarzwald
Das, was den Schwarzwald prägt, ist die vielseitige Kulturlandschaft. Also die Landschaft, die von Menschen gestaltet und bewirtschaftet wird. Besonders wichtig sind dabei die Landwirtinnen und Landwirte. Denn sie sorgen mit ihren Äckern, Streuobstwiesen, Weiden und Tieren dafür, dass die Landschaft offenbleibt und nicht komplett bewaldet ist. Durch ihre Arbeit gestalten sie die Landschaft – leben in, mit und von ihr.
Diese Passion lebt dieFamilie Reiserauf ihrem Biolandhof in Straubenhardt. Für ihre nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise hat sie derNaturpark Schwarzwald Mitte/NordalsNaturpark-Partnerausgezeichnet. Auf dem Reiser-Hof können Gäste den Schwarzwald auch schmecken. Zum Beispiel beim jährlichenNaturpark-Brunchauf dem Bauernhof am ersten Augustsonntag, über die beiden Hof-Automaten, bei einem Backkurs mit anschließendem Vesper oder am letzten Freitag eines jeden Monats. Denn da ist Backtag.
Es ist wohlig warm im roten Backhäusle von Elke und Horst Reiser. In der Luft liegt ein leicht süßlich-säuerlicher Hefegeruch. Den Teig für das Buttermilchbrot und die Hefezöpfe hat Elke Reiser schon am Vorabend aufgesetzt, damit er ausreichend Zeit hat zu gehen. Um 3 Uhr nachts ist ihr Mann Horst aufgestanden, um den Ofen mit Holz anzufeuern.
Besondere Atmosphäre und frischer Duft nach Brot im Backhäusle
„Das, was das Backen ausmacht, sind die besondere Atmosphäre und der Duft“, sagt Elke. Horst nickt: „Die Brotlaibe in den Ofen einzuschießen und nach einer halben Stunde die fertigen Brote herauszuholen – das ist schon was Schönes“, ergänzt er. Elke lacht herzlich und merkt mit einem Zwinkern an: „Da hilft sogar mein Mann beim Backen mit!“ Weizen und Roggen fürs Mehl sowie die frisch gelegten Eier kommen direkt vom Hof. Das Getreide pflanzt die Familie auf einer Fläche von 15 Hektar an. Ein großer Teil der Ernte wird in einer nahegelegenen Mühle weiterverarbeitet. Etwa drei Tonnen Mehl macht das pro Jahr.
Elke legt die Brotlaibe einen nach dem anderen aus den mit Mehl bestäubten Körbchen auf einen Holzschieber. Horst schießt sie in den Ofen. Währenddessen knetet Sohn Raphael den Teig für die Hefezöpfe – passioniert und kraftvoll. Anschließend rollt er drei gleich lange Stangen aus und beginnt zu flechten. Auf dem Blech bestreicht Raphael die Hefezöpfe mit Eigelb. Dann streut Elke Mandelsplitter auf das hellgelb glänzende Gebäck.
Kaum hat Horst die fertigen Brote aus dem Ofen geholt, schnappt sich Emilia einen Laib. Sie hat mir ihrem Vater und Bruder als Feriengast auf dem Hof übernachtet. Beim Backen hat Emilia aufmerksam zugeschaut. Jetzt will sie probieren. „Ich habe einfach nur Butter und Salz aufs Brot gemacht. Es ist schön warm, ganz frisch und schmeckt richtig gut!“, sagt die Elfjährige aus Pforzheim. Genau diese Freude für den Wert regionaler Produkte ist es, die Elke und Horst Reiser als Landwirte an ihre Gäste weitergeben wollen.
Die Rezepte von Elke vom Biolandhof Reiser in Straubenhardt
Buttermilchbrot
Zutaten:
1 kg Weizenmehl Typ 1050
100 g Roggenmehl Typ 1150
1/2 Würfel Hefe
500 ml Buttermilch
300 ml Wasser
25 g Salz
1 TL Brotgewürz
Zubereitung:Hefe in lauwarmem Wasser zerbröseln. Etwas Mehl unterrühren und gehen lassen bis der Teig Blasen wirft. Mehl und Salz in einer Schüssel vermengen und restliche Zutaten hinzugeben. Teig gut durchkneten. Der Teig sollte keinem Luftzug ausgesetzt sein und bei Zimmertemperatur gehen. Elke bereitet den Teig immer am Vorabend des Backtages vor, sodass dieser über Nacht abgedeckt gehen kann.
Vor dem Backen sollte der Brotteig nochmals 10 bis 15 Minuten durchgeknetet werden. Wenn der Teig schmatzt, hat er die perfekte Konsistenz. Den fertigen Teig in ein Körbchen legen und unter einem Tuch weitere 30 Minuten gehen lassen. Bei 220 °C bei Ober- und Unterhitze in den Ofen schieben. Nach zehn Minuten auf 200 °C herunterschalten. Nach 25 bis 30 Minuten den fertigen Brotlaib aus dem Ofen holen und abkühlen lassen.
Hefezopf
Zutaten:
1 kg Weizenmehl Typ 550
1 Ei
160 g Margarine
160 g Zucker
1 TL Salz
1,5 Würfel Hefe
500 ml Milch
1/2 Becher Schmand
Rosinen und Mandelstifte nach Bedarf
Zubereitung:Die Hefe zerbröselt in etwas lauwarmer Milch auflösen und einen Teelöffel Zucker hinzugeben. In einer großen Schüssel Mehl und Salz vermengen. Achtung: Das Salz und die Hefe sollten nicht direkt miteinander in Kontakt kommen. Den restlichen Zucker, Milch, Schmand, Ei und Margarine hinzugeben. Bei Bedarf Rosinen in den Teig mischen. 10 bis 15 Minuten durchkneten und anschließend abgedeckt gehen lassen. Auch diesen Teig bereitet Elke bereits am Vorabend zu. Den Teig vor dem Backen nochmals gut durchkneten, in drei Stränge teilen und flechten. Eine Stunde unter einem Tuch gehen lassen. Dann den Zopf mit Eigelb bestreichen. Bei Bedarf mit Mandelstiften verzieren. Bei Ober- und Unterhitze bei 180 °C in den Ofen schieben und 30 bis 40 Minuten backen.
Hier können Sie im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord regional einkaufen und genießen:
Text: Gundi Woll
Fotos: Gundi Woll
GW/26.11.2025
Meist gelesene Artikel
Geschichten aus dem Schwarzwald
Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.
Besonderes Highlight auf dem Naturpark-Markt in Bad Herrenalb am 28. Juni ist die Naturpark-Kochschule. Dort können Kinder kostenfrei mit saisonalen Produkten aus dem Schwarzwald unter fachkundiger Anleitung kochen.
Vorschaubild Copyright: Johannes Nickel
Einleitungstext:
Einkaufs- und Kocherlebnis mit Schwarzwald-Feeling: Naturpark-Markt in Bad Herrenalb am 28. Juni von 11 bis 17 Uhr
Auf dem Naturpark-Markt in der Kurstadt Bad Herrenalb (Landkreis Calw) können Gäste am 28. Juni (Sonntag) in die Geschmackswelt und Tradition des Schwarzwalds eintauchen. Rund 30 landwirtschaftliche Betriebe sowie Direkterzeugerinnen und -erzeuger präsentieren von 11 bis 17 Uhr auf dem Rathausplatz und der Klosterstraße Lebensmittel und Kunsthandwerk aus dem Schwarzwald. Dinnele, Honig, Holzofenbrot, Käse und Wild, Edelbrände und Wein sowie Kräuterprodukte, Kränze und vieles mehr erwarten die Besucherinnen und Besucher.
Die Naturpark-Märkte sind eine wichtige Plattform für kleine Betriebe und Direkterzeugende zur Vermarktung ihrer Produkte. Sie stärken regionale Wertschöpfung. Auf dem Naturpark-Markt in Bad Herrenalb gibt es gleich drei Highlights: die Naturpark-Kochschule, die Klima-Wanderausstellung sowie die Auszeichnung der artenreichsten Naturpark-Wildblumenwiese. Anschließend bietet Schwarzwald-Guide Monika Amann eine kostenfreie Führung zum Thema Artenvielfalt und klimaresiliente Beete an. Zwischen 12 und 14 Uhr begleiten zudem die Albtal Musikanten und von 14:30 bis 17 Uhr Hans-Peter Weiß den Markt musikalisch.
Naturpark-Kochschule: Kostenfreie Kochkurse für Kinder
In dem mit einer Küche ausgestatteten Naturpark-Kochschul-Bus können Kinder ab sechs Jahren unter Anleitung mit saisonalen Zutaten aus der Region kochen. Begleitet werden sie von Koch Niklas Osner sowie der Soziologin Nina Bäurle. Gemeinsam bereiten sie einen Linsenbrotaufstrich und eine Knäckebrot-Backmischung mit vielfältigen Getreidesorten und Saaten zu. Dabei wird das Naturpark-Mehl der Zeller Mühle aus Ottersweier verwendet. Zudem lernen sie, Gemüse haltbar zu machen.
Die Mini-Kochkurse finden stündlich zwischen 11:30 und 16:30 Uhr statt. Eine Einheit dauert etwa 45 Minuten. Die Teilnahme ist kostenfrei. Einfach beim Stand vorbeikommen und direkt mitmachen oder einen freien Platz für später sichern. Die zubereiteten Leckereien mit selbst erstelltem Etikett und die Rezepte dürfen die Kinder anschließend mit nach Hause nehmen.
An den beiden Folgetagen besucht die Naturpark-Kochschule auch die beiden Kinderhäuser Wurzelzwerge in Rotensol und Regenbogen in Bad Herrenalb, die Teil des Netzwerks der Naturpark-Kindergärten sind.
Klimawandel im Naturpark einfach erklärt: Klima-Wanderausstellung im Kurhaus Bad Herrenalb
Wie der Klimawandel den nördlichen und mittleren Schwarzwald beeinflusst und welche Anpassungsstrategien möglich sind, zeigt die Klima-Wanderausstellung des Naturparks. Während des Marktes am 28. Juni führt die Naturpark-Klimabotschafterin Dr. Susanne Schaeff Interessierte durch die Ausstellung. Diese ist für Kinder und Erwachsene gleichermaßen konzipiert. Bis zum 12. Juli ist die Klima-Wanderausstellung im Kurhaus in Bad Herrenalb zu sehen. Dieses ist täglich von 9 bis 18:30 Uhr geöffnet.
Sie sind Lebensraum für zahlreiche heimische Tier- und Pflanzenarten im Schwarzwald: die Wildblumenwiesen, die der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord in den vergangenen zehn Jahren mit Partnern angelegt hat. Mit über 150 Partnern entstanden 400.000 Quadratmeter Blühwiesen im nördlichen und mittleren Schwarzwald. Anlässlich des Jubiläums zeichnet der Naturpark auf dem Markt in Bad Herrenalb die artenreichste Wildblumenwiese aus. Beworben haben sich Kommunen, Naturpark-Schulen, ein Golfclub, Vereine, Unternehmen und Verbände.
Text: Gundi Woll
Fotos: Johannes Nickel, Gundi Woll, Lilli Wahli
GW/22.06.2026
Verwandte Themen
Meist gelesene Artikel
Geschichten aus dem Schwarzwald
Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.
Tobias mit Vater Otmar und Sohn Luis bei der Weinlese im Weinberg
Vorschaubild Copyright: Gundi Woll
Einleitungstext:
Schwarzwälder Kulturlandschaft erhalten: pflanzen, pflegen, ernten, schmecken & genießen / Zu Besuch im Weingut Köninger in Kappelrodeck, den Reben und in der Kellerei in Achern
Es ist mitten in der Nacht, wenn in den Reben von Tobias Köninger die Lichter angehen. „Die Trauben für Weißwein und Rosé müssen wir wegen der hohen Temperaturen nachts ernten, wenn es kühler ist. Mit der Lese beginnen wir um ein, zwei Uhr, damit wir rechtzeitig vor der großen Hitze fertig sind“, erklärt der Winzer aus Kappelrodeck (Ortenaukreis). Die Trauben sind sonst zu warm und müssten stark abkühlen, damit sie ihre Qualität beibehalten. Mit dem trockenen Sommer ist Tobias dennoch zufrieden. Vor vier Jahren hat er auf Bio-Weinbau umgestellt. Regen bedeutet für ihn zusätzlichen Aufwand, denn danach muss er neues Pflanzenschutzmittel ausbringen. Da seine Rebstöcke aufgrund ihres Alters bereits tief verwurzelt sind, konnte er auch den Mangel an Regenwasser im Weinberg verkraften. Über den ein oder anderen Landregen hätte sich der Winzer aber schon gefreut.
„Während der Weinlese sind die Arbeitstage schon mal 16 Stunden lang“, berichtet Tobias. Das ist es ihm wert.
„Mich fasziniert der jährliche Zyklus aus pflegen, ernten und verarbeiten. Im Keller einen Wein auszubauen, zu riechen, zu schmecken, zu sehen, wie er sich entwickelt. Wenn dann die Leute hier probieren und strahlen, weil der Wein schmeckt, dann ist das eine runde Sache.“
Handarbeit, Familienkraft und der richtige Moment
Heute geht es erst später raus in die Reben. Der Spätburgunder auf den Flächen in Waldulm ist an der Reihe. Wann der richtige Zeitpunkt für die Lese ist, bestimmt Tobias mit einem Refraktometer. Über den Saft einer zerquetschten Traube misst es den Oechslegrad. Rund 90 Grad zeigt das Gerät an. Das entspricht 12,5 bis 13 Volumenprozent Alkohol. Perfekt für die Ernte.
Rotwein ist beim Weingut Köninger reine Handlese. Tobias (48 Jahre) und sein 16-jähriger Sohn Luis begutachten die Trauben zwischen den Weinblättern einzeln. Das geht nur bei Tageslicht. Die guten Trauben schneiden sie mit einer Schere am Stiel ab und werfen sie in eine Wanne. Derweil tuckert Tobias Vater Otmar (68 Jahre) mit einem Schmalspurtraktor durch die Rebzeilen. Aurel und seine Familie sind bereits seit kurz nach 7 Uhr in den Reben. Er arbeitet fest bei Tobias. Seit der Gründung des Weinguts im Jahr 2000 bringt Aurel jährlich Familienmitglieder aus Rumänien für die Weinlese mit. In diesem Jahr sind sie zu viert.
Zehn Hektar Reben bringen 80.000 Weinflaschen
Zehn Hektar Rebfläche ernten sie in diesem August und September. Rund 80.000 Flaschen Wein werden daraus gewonnen, schätzt Tobias. Mit ihrer Arbeit in den Reben halten sie zudem die von Weinbergen geprägten Hänge der Schwarzwälder Vorbergzone offen und bewirtschaften einen wichtigen Teil der regionalen Kulturlandschaft. Der Wein im Glas ist das Produkt von handverlesener Landschaftspflege!
Ein Teil davon bleibt ganz in der Region und kommt in der Gastronomie zwischen Offenburg und Karlsruhe auf den Tisch. Weitere Flaschen gehen über Weinhandlungen und den Einzelhandel bis nach Villingen-Schwenningen und Schwäbisch Hall. Den Rest verkauft Tobias direkt: im Laden am Weingut in Kappelrodeck, über den Online-Shop oder mit seinem Ausschankwagen, den man für Veranstaltungen mieten kann. Regelmäßig stehen Touristen aus Japan, den USA, Skandinavien, Spanien und weiteren europäischen Staaten vor der Theke, probieren und nehmen einige Flaschen mit oder lassen sich diese direkt nach Hause schicken. „Der Köninger Wein kommt rum“, sagt Tobias und lächelt.
Im Weinbau großgeworden
Das eigene Weingut ist sein Lebenswerk. Ein großer Wunsch, den er sich nach der Ausbildung in der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg erfüllt hat. „Ich bin zwischen den Reben aufgewachsen“, sagt Tobias rückblickend. Die Familie seiner Mutter lieferte Trauben an die Waldulmer Winzergenossenschaft (WG). Die väterliche Linie gehörte dem Winzerkeller Hex vom Dasenstein GmbH an. Auch Tobias lieferte seine Trauben zunächst dorthin. Mit 22 Jahren gründete er dann sein eigenes Weingut in Kappelrodeck. Bis heute ist er der einzige Vollerwerbswinzer mit eigenem Weingut in der Gemeinde.
Seine persönliche Verbindung zum Weinbau findet sich sogar auf jeder Flasche wieder: Die Etiketten tragen Tobias Fingerabdruck. „Als Winzer habe ich häufig Erde an den Händen. Da kam es mal vor, dass ich beim Übergeben der Flasche an die Kundschaft auf dem hellen Etikett meinen Fingerabdruck hinterlassen habe“, erzählt Tobias. Heute ist der Fingerabdruck als Teil des Logos ganz bewusst Symbol seiner Arbeit. „Ich bin viel draußen. Im Weinberg, in der Kelter, bei der Kundschaft. Der Fingerabdruck steht für diese gesamte Wertschöpfungskette.“
Schwarzwälder Kulturgut: Von den Reben ins Glas
Zurück im Weinberg in Waldulm: Die große Bütte ist schon randvoll mit roten Weintrauben. Tobias rollt eine Traube zwischen seinen Fingern. „In diesem Jahr sind die Weintrauben etwas kleiner. Das liegt an der langen Hitzeperiode und der geringen Regenmenge, die wir im Hochsommer hatten“, erklärt Tobias. „Dafür ist die Qualität der Trauben sehr hoch. Das wird ein sagenhafter Wein!“
Die vollen Bütten transportiert Tobias Vater Otmar mit dem Traktor in die Kellerei in Achern. Dort liegt der süßlich-fruchtige Duft frisch gepresster Trauben in der Luft, vermischt mit dem herben Geruch von Trester und der leicht hefigen Note des gärenden Mostes. Tobias nimmt eine Bütte auf die Gabel seines Staplers und schüttet die Trauben in den Entrapper. In der Maschine werden die Trauben von den Stielen getrennt. Dann kommen sie in die Presse. Übrig bleibt der Trester. Der Saft für Weißwein und Rosé wird anschließend in Tanks gelagert. Der Saft der heute geernteten Spätburgunder-Trauben ruht mit der Schale eine Woche im Tank. Anschließend gedeiht er für zwei Jahre in deutschen und französischen Eichenfässern. Cabernet Sauvignon kommt in amerikanische Eichenfässern. Sie verleihen dem Wein ein Vanillearoma.
Den Spätburgunder gibt es also erst in zwei Jahren zu trinken. Weißwein und Rosé hingegen füllt Tobias bereits in sechs Wochen in Flaschen ab. Dann können Einheimische wie Gäste den Wein probieren, der aus der Reblandschaft der Schwarzwälder Vorbergzone gewonnen wird. So erzählt jede Flasche nicht nur von einem guten Jahrgang, sondern auch von der Landschaft, in der sie gewachsen ist, und von den Menschen, die sie bewirtschaften und erhalten. Die Weinberge sind Lebens- und Erholungsraum für Menschen, Tiere und Pflanzen. Und zugleich ein Kulturgut, das die Region prägt.
Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.