„Dass ich Landwirtin werde, wusste ich schon als Kind“
Anlässlich des UN-Jahres der Frauen in der Landwirtschaft spricht der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit Landwirtin Verena Schmieder vom Löcherhansenhof im Ortenaukreis über Freiheit und Verantwortung. Und darüber, wie es ist, als Frau Schnaps zu brennen und als Mutter einen Hof zu führen.
Die Geschichte von Verena Schmieder ist ganz anders als die von Nadine Göz. Verena ist auf dem Löcherhansenhof in Bad Peterstal-Griesbach aufgewachsen. Mittlerweile hat sie selbst Kinder und führt den Hof fort. Dass das einmal so kommen würde, war für die passionierte Landwirtin schon immer klar. Dass sie eine Frau ist, hat an ihrem Vorhaben nichts geändert. Man muss es halt wollen und standhaft sein. Weitreichende Entscheidungen muss man bereit sein zu fällen. Und das Hofleben steht nun mal immer an erster Stelle. Für Verena ist das selbstverständlich.
Im Gespräch mit der Landwirtin und Naturpark-Projektmanagerin Irmela Klöble und Naturpark-Pressesprecherin Gundi Woll erzählt Verena von tradierten Rollenbildern und gleichberechtigten Landwirtinnen. Dabei spricht sie darüber, wie sie als Frau zum Brennen kam. Wie sie den Hofalltag mit drei Kindern meistert. Und wie sie mit großen Entscheidungen umgeht. Der Löcherhansenhof bietet jährlich den Naturpark-Brunch auf dem Bauernhof an und ist Partner beim Naturpark-Bildungsprojekt „Muh, die Kuh“ für Kindergärten.
In die Landwirtschaft hineingeboren
Gundi: Du bist in das Leben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb reingeboren. War das für dich Verpflichtung oder Leidenschaft?
Verena: 2019 hat mein Vater den Betrieb an mich übergeben. Ich bin auf dem Hof meiner Eltern aufgewachsen. Für mich war immer klar, ich werde Landwirtin. Eine meiner ehemaligen Lehrerinnen aus der Grundschule erzählt mir immer, wenn ich sie sehe, dass ich schon in der dritten Klasse in einem Aufsatz geschrieben habe: „Ich werde Landwirtin!“ Das war nie eine Frage, das war einfach klar. Meine drei Jahre jüngere Schwester ist ein Stadtmensch, hat studiert und lebt in Frankfurt. Die andere ist sechs Jahre jünger als ich. Nach der Lehre habe ich in Remchingen im Enzkreis den Techniker absolviert. Zwischendurch war ich Betriebshelferin in Nürtingen. Meine sechs Jahre jüngere Schwester ist gelernte Erzieherin und hat in einen Vollerwerbsbetrieb eingeheiratet. Wir tauschen uns öfter aus, haben gemeinsam die Fortbildung zum Lernort Bauernhof absolviert und gestalten gemeinsam Kinderferienprogramme.
Gundi: Welche Erfahrungen hast du als auszubildende Landwirtin gemacht?
Verena: Im ersten Lehrjahr waren wir nur zu Acht. Sieben Jungs und ich. Das war eine schöne Zeit! Mit den Jungs bin ich immer gut klargekommen (lacht). Aber ohne das Praktikum, das ich bei meinem Ausbildungsbetrieb bereits in der achten oder neunten Klasse gemacht habe, hätte mich der Chef nicht als Auszubildende genommen. Als ich mich damals bei ihm beworben habe, dachte er erst, ich wollte bei seiner Frau die ländliche Hauswirtschaft lernen. Eine ähnliche Erfahrung habe ich nach der Ausbildung gemacht, als ich als Betriebshelferin beim Maschinenring gearbeitet habe. Da hat sich mein Chef auch immer bei Kunden erkundigt, wie meine Arbeit war – weil ich ja eine Frau bin.
Gundi: Und wie fiel das Feedback aus?
Verena: Ich habe gerne den Stall gemacht. Da waren die Betriebe immer zufrieden. Bei meinem Ausbildungsbetrieb habe ich auch im Wald gearbeitet, genauso wie die männlichen Lehrlinge. Es gab nie eine Diskussion darüber, dass ich als Frau weniger oder schlechter arbeiten würde. Klar wurde darauf geachtet, dass ich nicht die schwersten Hölzer umeinander lupfe. Aber ich hatte und habe auch den Ehrgeiz — und bin so aufgewachsen – dass ich die Arbeit aus eigener Kraft schaffen will. Generell glaube ich, man wird schon unterschätzt als Frau. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass ich klein bin. Selbst heute gibt es diese Rollenbilder noch. Wenn in den ersten Jahren nach meiner Betriebsübernahme ein Vertreter auf den Hof kam, hat er mich immer nach dem Chef gefragt.
Irmela: Was hast du dann geantwortet?
Verena: Der Chef steht hier (lacht). In letzter Zeit ist mir das aber nicht mehr untergekommen. Ich glaube, die wenigsten machen sich da wirklich Gedanken. Das ist einfach noch so drin bei manchen Leuten.
Irmela: Was ist dein Eindruck, wie steht es jetzt um die Frauen in der Landwirtschaft?
Verena: Ich finde schon, dass die Landwirtinnen angekommen sind und auch angenommen werden. Vielleicht müssen wir Frauen uns manchmal noch einen Tick mehr beweisen als die Männer.
Hofübergabe innerhalb der Familie
Irmela: Wie verlief die Hofübergabe bei euch?
Verena: Das war relativ geräuschlos. Nach meiner Ausbildung bin ich auf unseren Familienhof zurückgekehrt. Da hatten wir dann eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Dann ist das so schleichend übergegangen. Ich mache einfach gerne den Stall. Mein Vater hat immer gemolken. Um das Bestandsmanagement habe ich mich gekümmert. So bin ich dann ins Herdemanagement reingewachsen. Mein Vater und mein Mann fahren gerne Schlepper. Das ist einfach deren Ding. Ich fahre auch gerne und viel Schlepper. Wenn jetzt Ernte ist oder das Futter für die Kühe gemischt werden muss, das mache ich schon alles. Aber solche Spezialsachen mit dem Schlepper wie Kundendienste, das dürfen die dann machen. Mein Mann kommt auch von einem landwirtschaftlichen Nebenerwerbshof. Das spielt mir da gut in die Karten.
Gundi: Wie sieht bei euch die Aufgabenaufteilung aus?
Verena: Mein Vater hat nebenher noch ein Lohngeschäft. Er kümmert sich um die Wegepflege für den Nationalpark, den Staatsforst und die Gemeinde. Mein Mann geht 60 Prozent außerlandwirtschaftlich arbeiten. Die restliche Zeit ist er auf dem Hof und hilft mit.
Gundi: Die Brennerei auf dem Hof ist für dich ein ganz besonderer Ort. Denn fürs Brennen bist du zuständig. Brennen ist oft Männersache. Bei euch machen das die Frauen. Wie kam‘s dazu?
Verena: Übers Brennen bin ich in den Betrieb reingekommen. Das hat früher meine Oma gemacht. Als ich in der Lehre war, ist sie krank geworden und konnte nicht mehr brennen. Mein Opa hat das Abfüllen und Vermarkten übernommen. Mein Vater hat noch nie gern gebrannt. Deshalb habe ich das dann weitergemacht. Das ist einfach meins, das Brennen. Mit den Likören, da kann ich mich verwirklichen. Immer wieder was Neues ausprobieren. Das mache ich gern. Wir haben zum Beispiel einen Löwenzahnlikör. Als ich mit dem Brennen begonnen habe, habe ich fast jedes Jahr einen neuen Likör gemacht. Jetzt schaffe ich das zeitlich leider nicht mehr.
Irmela: Alltag mit Kindern – wie sieht der bei dir aus?
Verena: Morgens um 6 Uhr gehe ich in den Stall zu den Kühen. Mein Mann nimmt dann den Großen mit auf den Zug. Der geht schon auf die weiterführende Schule. Nachdem der Stall soweit gemacht ist, richte ich die beiden Kleinen und fahre sie in die Schule und den Kindergarten. Danach frühstücke ich. Am Vormittag erledige ich gerne die Büroarbeit, weil es dann ruhig ist. Am Mittag hole ich die beiden Kleinen und wir essen gemeinsam. Das Mittagessen kocht meist meine Mutter. Mein Mann ist dann noch bei der Arbeit und mein Vater mit dem Schlepper unterwegs. Anschließend mache ich Pause oder Hausaufgaben mit den Kindern. Der Große kommt ein wenig später von der Schule zurück. Dann gehen wir wieder raus in den Stall. Abends kommt mein Mann heim und es ist Feierabend. Oder es geht halt nochmal raus für die Ernte.
Wie mit großen Investitionen umgehen?
Gundi: Vor einigen Jahren habt ihr einen Melkroboter angeschafft. Das hat euern Alltag enorm erleichtert. Ist aber auch eine große, finanzielle Investition.
Verena: Mein Vater oder ich haben morgens und abends jeweils eine Stunde die Kühe gemolken. Und der Melkstand war an die 30 Jahre alt. Für die 30 Kühe dachte ich immer, ein so teurer Roboter lohnt sich nicht. Doch als ich ihn ausprobiert habe, wollte ich ihn doch für den Hof anschaffen. Ich bin bei solchen Entscheidungen ein Bauchmensch. Es ging dann aber noch ein halbes Jahr bis der Melkroboter bei uns ankam und wir ihn einsetzen konnten. In der Zeit habe ich mir schon häufig gedacht: Wenn das nicht läuft, was machst du dann? Rückblickend war es die richtige Entscheidung. Ich würde es wieder so machen.
Irmela: Entscheidest du über so eine große Anschaffung alleine oder entscheidet ihr das gemeinsam?
Verena: Mir gehört zwar der Betrieb. Aber solche großen Entscheidungen fällen wir zusammen.
Persönliches
Irmela: Welche Arbeiten erledigst du denn nicht so gerne?
Verena: Bürokratie. Büroarbeit an sich mache ich gern. Aber sinnloser Papierkram, das regt mich auf! Da bekomme ich einen dicken Hals. Und Haushalt, den mache ich auch nicht gern.
Irmela: Seid ihr Mädels von euren Eltern anders erzogen worden, weil ihr auf einem Hof aufgewachsen seid?
Verena: Auf dem Hof wächst man als Kind immer anders auf als in einem Haushalt ohne Landwirtschaft. Für mich ist es ein Privileg, so aufzuwachsen. Natürlich gibt es auch Arbeiten, die meine Kinder erledigen müssen. Den Hof fegen oder den Rasen mähen. Aber dafür haben sie auch viele Freiheiten. An den Nachmittagen haben sie immer frei und dürfen herumtoben. So sind wir auch aufgewachsen. Und wir haben das genossen! Meine Eltern sind nie mit uns in den Urlaub gefahren. Dafür haben wir viel mit den Kindern der Feriengäste gespielt. Wenn die einen Ausflug gemacht haben, durften wir sie begleiten. Die Kinder erleben viel Freiheit und Unabhängigkeit, weil sie sich auch selbst beschäftigen müssen. Ich bin zwar da, weil ich auf dem Hof schaffe. Aber ich muss die Arbeit halt erledigen. Da laufen die Kinder dann einfach mit. Dafür sind sie viel draußen. Die Computer- und Fernsehzeit ist bei uns sehr gering. Der Große kümmert sich zum Beispiel gern ums Gewächshaus.
Irmela: Hast du noch Zeit für Freizeit? Mir ging es als Betriebshelferin früher oft so, dass ich nach einem vollen Tag auf dem Hof abends keinen Bock mehr hatte auf eine Party oder ein Konzert zu gehen, weil ich einfach zu kaputt war. Da habe ich mich abgehängt gefühlt. Erlebst du das auch, dass dein Tag so voll ist, dass keine Luft mehr ist, um mit Freunden wegzugehen? Dieses soziale Leben, dass das an einem vorbeizieht?
Verena: Zu meinen Sturm-und-Drang-Zeiten mit Mitte 20 habe ich schon geguckt, dass ich abends noch fortgehe. Dann haben alle in der Clique ungefähr gleichzeitig Kinder gekriegt. Es ist jetzt nicht mehr so, dass wir uns schon früh verabreden. Wenn wir uns sehen, dann ist das super. Ansonsten langt es mir auch, wenn ich abends noch auf dem Sofa sitzen kann. Mit unserem Mitarbeiter haben wir ein super freundschaftliches Verhältnis. Oder ich stehe noch mit den Feriengästen zusammen und wir unterhalten uns. Viele unserer Stammgäste waren schon früher als Kinder mit ihren Eltern bei uns. Jetzt sind sie so alt wie ich und kommen mit ihren eigenen Kindern zu uns in den Urlaub. Das genieße ich. Alles in allem reicht mir das im Moment. Wird vielleicht auch mal wieder anders. Ich habe jetzt halt Verantwortung für die Kinder und den Betrieb. Da ist es mir wichtig, die freie Zeit mit den Kindern zu verbringen. Nur sonntags, da möchte ich dann für ein paar Stunden auch mal noch was anderes sehen als den Hof. Damit ich aus der Blase da rauskomme.
Gundi: Was machst du dann am Sonntag – außerhalb deiner Blase?
Verena: (lacht) Ich habe mit den Kindern eine Jahreskarte fürs Freibad. Durch den Melkroboter bin ich zeitlich jetzt deutlich flexibler. Wir wandern gerne und sind viel draußen.
Begeisterung weitergeben
Gundi: Auf deinem Hof verbindest du Landwirtschaft und Tourismus. Ihr habt Grünland und Wald, das ihr bewirtschaftet, haltet 30 Milchkühe. Dein Mann produziert Honig. Du kreierst deine eigenen Edelbrände. Und ihr habt noch Ferienwohnungen. Wie bringst du die Gäste und deine alltägliche Arbeit auf dem Hof zusammen? Was ist dir dabei wichtig?
Verena: Die Feriengäste haben oft wenig bis keine Beziehung zur Landwirtschaft. Da ist es mir einfach wichtig, dass sie reinschnuppern können. Dienstagabends biete ich eine Brennereiführung mit Verkostung an. Das ist immer ein lustiges Beisammensein. Im Stall schauen wir, dass die Kinder beim Fegen und Futter-Reinschieben mithelfen können. In der Corona-Zeit haben wir unseren Kuh-Wanderweg angelegt mit Infotafeln und Spielstationen für die Kinder. Darüber bekommen die Gäste auch einen Einblick ins Leben auf dem Bauernhof. Entlang des Weges stehen auch die Kästen unserer Bienenvölker. Die Produkte vom Hof können die Leute direkt bei uns probieren und kaufen.
Gundi: Das Konzept, hinter die Kulissen des Bauernhofalltags zu blicken, steht ja auch hinter dem Naturpark-Projekt „Muh, die Kuh“ und bei den Klima-Bildungsprojekten des Naturparks, bei denen ihr dabei seid. Da besuchen jeweils Kinder im Kindergarten und Grundschulalter euch auf dem Bauernhof.
Verena: Über die Kinder erreicht man am besten die Eltern und Verbraucher. Wir sind hier einer der letzten Höfe im Vollerwerb. Man kennt uns. Aber die Kinder haben einfach keinen Bezug mehr zum Bauernhof-Leben. Für sie ist das deshalb ein besonderer Ausflug auf unseren Hof. Die Kindergruppe führe ich dann über den Hof, zeige ihnen die Tiere. Da sind die vollauf begeistert. Kürzlich hatte ich eine Gruppe, da haben alle Kinder beim Gehen gestrahlt. Das ist dann toll. Da macht mir das richtig Spaß!
Irmela: Um eure Produkte und die Wertschätzung für eure Arbeit geht’s auch beim Naturpark-Brunch auf dem Bauernhof. Da seid ihr von Beginn an, also seit 2008, dabei. Jedes Jahr am ersten Augustsonntag. Warum?
Verena: Das ist immer ein richtig toller Vormittag mit einer super Atmosphäre. Wenn das Wetter gut ist und wir draußen auf dem Hof sitzen, dann geht’s allen gut. Inzwischen haben wir einen festen Helferstamm. Die meisten kommen aus dem Dorf. Das hätte ich mir am Anfang nicht träumen lassen, dass sich das mal so gut entwickelt. Jetzt haben wir unsere Routine und alles geht einem deutlich leichter von der Hand. Natürlich ist es immer noch aufwendig in der Planung und anstrengend in der Durchführung. Aber es macht echt Spaß!
Irmela: Kommt finanziell auch was bei rum?
Verena: Ich sehe das so: Es geht ja nicht nur ums Essen. Es ist das Gesamtpaket. Wir investieren viel, damit der Hof gut aufgestellt ist. Dazu gehören die landwirtschaftlichen Maschinen oder die Spielgeräte für die Kinder. Mit dabei ist zudem eine Hofführung. Meine Schwester bastelt mit den Kindern. Es ist einfach eine besondere Atmosphäre mit einer besonderen Kulisse beim Brunch.
Gundi: Habt ihr Stammgäste beim Brunch?
Verena: Anfangs waren es viele Auswärtige. Es ist uns aber schon wichtig, dass es gut durchmischt ist. Du machst das ja auch für die Einheimischen. Da haben wir die letzten Male geschaut, dass wir die Leute in der Region rechtzeitig informieren. Sonst sind am Ende schon alle Plätze vergeben.
Gundi: Zum Gesamtpaket gehört auch, dass ihr auf dem Hof seit 400 Jahren durch die Bewirtschaftung die für den Schwarzwald typische und weltweit bekannte Kulturlandschaft erhaltet. Das heißt, ihr haltet durch das Grünland, die Beweidung mit den Kühen und die Streuobstwiesen die Landschaft offen. Ohne eure Arbeit würde der Wald mit der Zeit immer weiter runter ins Tal kommen. Letztlich ist euer Brunch als doch preiswert, wenn man bedenkt, dass in den Teilnahmekosten all die Arbeit mitdrinsteckt.
Verena: Ja, genau das wollen wir unseren Feriengästen, aber auch den Einheimischen bewusst machen. Wir sind hier der letzte Haupterwerbsbetrieb. Die anderen Höfe werden nur noch im Nebenerwerb geführt. Und dann wird der Stall meist ganz geschlossen. Der Nebenerwerb ist häufig der Anfang vom Ende – gerade hier bei uns. Die vielen Steillagen sind besonders schwer zu bewirtschaften. Da braucht es Spezialmaschinen und Handarbeit. Das bekommt man nicht nur über den Milchpreis finanziert. Wir haben 40 Hektar Grünland, darunter viele Weiden. Wenn wir 25 bis 30 Hektar ernten, brauchen wir dafür zwei bis drei Wochen. Da können die Betriebe in der Rheinebene mit einer ganz anderen Schlagkraft arbeiten: in kürzerer Zeit größere Flächen mit weniger Spezialmaschinen und keiner Handarbeit. Nach einem Tag hier auf dem Hof weiß ich, warum ich abends müde bin. Denn hier müssen wir uns erst einmal überlegen, wie wir das Heu von der Fläche kriegen, um ein paar Ballen draus zu machen. Ohne Kühe, Schafe und Ziegen könnten wir die Landschaft nicht offenhalten. Die Milchkuh ist ein super Beispiel für unsere Kreislaufwirtschaft. Sie hält die Landschaft offen, sorgt mit ihrem Dung für einen nährstoffreichen Boden und Artenvielfalt auf der Wiese. Sie erzeugt Milch, die wir wiederum zu vielseitigen Produkten weiterverarbeiten können. Und am Ende gibt sie Fleisch. Auch bei unseren Kirschen arbeiten wir vor allem mit effektiven Mikroorganismen. Es ist immer schön, wenn die Arbeit und der Einsatz gesehen und anerkannt werden. Das brauchen wir, wenn wir die Schwarzwälder Kulturlandschaft auch in Zukunft noch erhalten wollen.
Wenn das Klima extremer wird
Irmela: Merkst du draußen in deinem Alltag den Klimawandel?
Verena: Früher war das Wetter beständiger. Jetzt geht es häufiger vom einen ins andere Extrem.
Gundi: Was unternimmst du, damit du mit deinem Betrieb vorbereitet bist für diese Extremwetter-Ereignisse?
Verena: Die Kühe haben ausreichend Bäume als Schattenspender auf der Weide. Da haben wir auch nachgepflanzt. Wenn es sehr heiß ist, lassen wir die Kühe nur früh morgens und am Abend raus. Im Stall haben wir außerdem eine Kuh-Dusche installiert, damit sich die Kühe abkühlen können. Auf der Streuobstwiese pflanze ich nur noch alte, für die Region typische Sorten nach.
Das Gespräch führten: Gundi Woll & Irmela Klöble mit Nadine Göz
Fotos: Johannes Nickel
GW/19.09.2026
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