Zum Hauptinhalt springen

Klimaschutz & Klimaanpassung

Erster erfolgreicher Testlauf: Klima-Planspiel mit Naturpark-Schule

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Johannes Nickel
  • Einleitungstext:

    8. Klasse der Franziska-Höll-Schule entwickelt ein Klima-Planspiel.

Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 in derFranziska-Höll-Schule, haben im Dezember das gemeinsam mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord entwickelte Klima-Planspiel getestet.Dieser erste Durchlauf in der zertifizierten Naturpark-Schule markiert einen wichtigen Meilenstein in einem mehrwöchigen Entwicklungsprozess, in dem Jugendliche aktiv an der Konzeption und Ausgestaltung des Spiels beteiligt waren.

  • Schülerinnen stellen etwas vor.
  • Schülerinnen besprechen sich.

Planspiele als Methode der Umweltbildung

Planspiele gelten als wirksames Format, um komplexe Inhalte anschaulich zu vermitteln – insbesondere, wenn es um Klimawandel, Nachhaltigkeit und Interessenskonflikte geht. Durch Rollenwechsel und Perspektivübernahme können Jugendliche Zusammenhänge erkennen, die sonst oft nur in Medienberichten erscheinen. Das Klima-Planspiel wurde speziell vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord konzipiert und mit Hilfe der Schülerinnen und Schüler der Franziska-Höll-Schule ausgearbeitet. Es richtet sich künftig an Schulklassen ab Jahrgangsstufe 7 sowie an Jugendgruppen im Alter von 15 bis 17 Jahren.

Zentrales Ziel ist es, klimarelevante Fragen im Naturpark-Kontext greifbar zu machen und einen lebensweltbezogenen Zugang zu nachhaltigem Handeln zu ermöglichen.

Naturpark-Projektmanager im Gespräch mit Schülern.

Das Szenario: Ein Erbe mit Folgen

Im Mittelpunkt des Planspiels steht eine Naturpark-Gemeinde, die ein großes Gelände mit Wald, Feldern und einem Moor erbt. Das Erbe ist an eine entscheidende Bedingung geknüpft: Die Gemeinde muss ein Konzept vorlegen, das sowohl klimaoptimal als auch naturpark-konform ist.

Rund um dieses Szenario treten verschiedene Interessengruppen auf – darunter Naturschutzverbände, Tourismusvertretungen, private Investorinnen, Energieunternehmen, Wohnungsbaugesellschaften und Jugendverbände. Eine separate Gruppe übernimmt die Rolle eines Anwältinnen-Teams, das die Vorschläge anhand eines Kriterienkatalogs bewertet. Ereigniskarten bringen zusätzliche Herausforderungen ins Spiel und erfordern flexible Lösungsansätze. Alle Ideen werden auf einem großen Modell des Geländes visualisiert.

Klima-Planspiel auf einem Tisch aufgebaut

Die Entwicklung des Planspiels

Zwischen Oktober und Dezember fanden sechs Projekttage statt, an denen die 8. Klasse zentrale Elemente des Planspiels selbst entwickelte. Die Inhalte entstanden dabei in einer Mischung aus Recherche, Gruppenarbeit und kreativen Methoden.

Termin 1: Grundlagen & Einstieg
Einführung in Naturpark, Planspiel-Methodik und Grundlagen des Klimawandels. Eine kurze Zeitreise ins Jahr 2040 bot einen Ausblick auf mögliche Veränderungen im Schwarzwald. Kreative Übungen erleichterten den Einstieg.

Termin 2: Figuren & Handlung
Sammeln erster Ideen für Rollen, Stakeholder und Konfliktlinien. Die Jugendlichen skizzierten Eckpunkte für die spätere Rahmenhandlung.

Termine 2-5: Ausgestaltung
In Teams wurden folgende Elemente ausgearbeitet:

  • Rahmenhandlung und Drehbuch
  • Steckbriefe zu Interessengruppen
  • Ereigniskarten
  • Regeln und Spielablauf
  • Gestaltung des benötigten Kreativmaterials

Die Ergebnisse wurden regelmäßig zusammengeführt und weiterentwickelt.

Termin 6: Testdurchlauf
Der abschließende Projekttag diente dem vollständigen Durchspielen des Planspiels. Nach dem Aufbau des Spielfelds übernahmen die Jugendlichen ihre Rollen und spielten ein komplettes Szenario durch. Ein erstes Feedback der Klasse sowie Beobachtungen der Lehrkraft flossen direkt in die weitere Optimierung des Spiels ein.

  • Playmobilfiguren am Lagerfeuer
  • Schüler liest eine Spielkarte
  • Playmobilfigur fürs Planspiel

Wissenschaftliche Begleitung durch die PH Karlsruhe

Das Projekt wird durch eine Masterarbeit im Studiengang „Lehramt im Fach Biologie“ an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe begleitet (Studierende: Linda Huber). Die Masterarbeit analysiert den Entwicklungsprozess, die Beteiligungsmöglichkeiten von Jugendlichen und die Chancen der Methode. Vorbereitende Interviews mit den Schülerinnen und Schülern lieferten wichtige Erkenntnisse zu ihrem Vorwissen, ihren Medienerfahrungen und ihren Erwartungen an das Projekt.

  • Pädagogin spricht mit Schülerinnen.
  • Schülerinnen tragen etwas vor.

Ausblick & künftiger Einsatz

Nach Abschluss der Erprobungsphase entstehen derzeit Materialien, Steckbriefe und Anleitungen, die später frei zugänglich sein sollen. Ziel ist es, das Planspiel so aufzubereiten, dass es künftig von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften selbstständig durchgeführt werden kann. Idealerweise ergänzt durch schuleigene Tablets oder private Endgeräte.

Der erfolgreiche Testlauf mit der Franziska-Höll-Schule hat gezeigt, dass das Konzept sowohl spielerisch motiviert als auch fachlich anspruchsvoll ist. Die Rückmeldungen der Jugendlichen bieten eine solide Grundlage für die weitere Weiterentwicklung und die bevorstehende Veröffentlichung des Planspiels.

Tablet

Text: Johannes Nickel

Fotos: Johannes Nickel

GW/10.12.2025

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.

„Dass ich Landwirtin werde, wusste ich schon als Kind“

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Johannes Nickel
  • Einleitungstext:

    Anlässlich des UN-Jahres der Frauen in der Landwirtschaft spricht der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit Landwirtin Verena Schmieder vom Löcherhansenhof im Ortenaukreis über Freiheit und Verantwortung. Und darüber, wie es ist, als Frau Schnaps zu brennen und als Mutter einen Hof zu führen.

Die Geschichte von Verena Schmieder ist ganz anders als die von Nadine Göz. Verena ist auf dem Löcherhansenhof in Bad Peterstal-Griesbach aufgewachsen. Mittlerweile hat sie selbst Kinder und führt den Hof fort. Dass das einmal so kommen würde, war für die passionierte Landwirtin schon immer klar. Dass sie eine Frau ist, hat an ihrem Vorhaben nichts geändert. Man muss es halt wollen und standhaft sein. Weitreichende Entscheidungen muss man bereit sein zu fällen. Und das Hofleben steht nun mal immer an erster Stelle. Für Verena ist das selbstverständlich.

Im Gespräch mit der Landwirtin und Naturpark-Projektmanagerin Irmela Klöble und Naturpark-Pressesprecherin Gundi Woll erzählt Verena von tradierten Rollenbildern und gleichberechtigten Landwirtinnen. Dabei spricht sie darüber, wie sie als Frau zum Brennen kam. Wie sie den Hofalltag mit drei Kindern meistert. Und wie sie mit großen Entscheidungen umgeht. Der Löcherhansenhof bietet jährlich den Naturpark-Brunch auf dem Bauernhof an und ist Partner beim Naturpark-Bildungsprojekt „Muh, die Kuh“ für Kindergärten.

Löcherhansenhof in Bad Peterstal-Griesbach

In die Landwirtschaft hineingeboren

Gundi: Du bist in das Leben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb reingeboren. War das für dich Verpflichtung oder Leidenschaft?

Verena: 2019 hat mein Vater den Betrieb an mich übergeben. Ich bin auf dem Hof meiner Eltern aufgewachsen. Für mich war immer klar, ich werde Landwirtin. Eine meiner ehemaligen Lehrerinnen aus der Grundschule erzählt mir immer, wenn ich sie sehe, dass ich schon in der dritten Klasse in einem Aufsatz geschrieben habe: „Ich werde Landwirtin!“ Das war nie eine Frage, das war einfach klar. Meine drei Jahre jüngere Schwester ist ein Stadtmensch, hat studiert und lebt in Frankfurt. Die andere ist sechs Jahre jünger als ich. Nach der Lehre habe ich in Remchingen im Enzkreis den Techniker absolviert. Zwischendurch war ich Betriebshelferin in Nürtingen. Meine sechs Jahre jüngere Schwester ist gelernte Erzieherin und hat in einen Vollerwerbsbetrieb eingeheiratet. Wir tauschen uns öfter aus, haben gemeinsam die Fortbildung zum Lernort Bauernhof absolviert und gestalten gemeinsam Kinderferienprogramme.

 

Gundi: Welche Erfahrungen hast du als auszubildende Landwirtin gemacht?

Verena: Im ersten Lehrjahr waren wir nur zu Acht. Sieben Jungs und ich. Das war eine schöne Zeit! Mit den Jungs bin ich immer gut klargekommen (lacht). Aber ohne das Praktikum, das ich bei meinem Ausbildungsbetrieb bereits in der achten oder neunten Klasse gemacht habe, hätte mich der Chef nicht als Auszubildende genommen. Als ich mich damals bei ihm beworben habe, dachte er erst, ich wollte bei seiner Frau die ländliche Hauswirtschaft lernen. Eine ähnliche Erfahrung habe ich nach der Ausbildung gemacht, als ich als Betriebshelferin beim Maschinenring gearbeitet habe. Da hat sich mein Chef auch immer bei Kunden erkundigt, wie meine Arbeit war – weil ich ja eine Frau bin.

 

Gundi: Und wie fiel das Feedback aus?

Verena: Ich habe gerne den Stall gemacht. Da waren die Betriebe immer zufrieden. Bei meinem Ausbildungsbetrieb habe ich auch im Wald gearbeitet, genauso wie die männlichen Lehrlinge. Es gab nie eine Diskussion darüber, dass ich als Frau weniger oder schlechter arbeiten würde. Klar wurde darauf geachtet, dass ich nicht die schwersten Hölzer umeinander lupfe. Aber ich hatte und habe auch den Ehrgeiz — und bin so aufgewachsen – dass ich die Arbeit aus eigener Kraft schaffen will. Generell glaube ich, man wird schon unterschätzt als Frau. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass ich klein bin. Selbst heute gibt es diese Rollenbilder noch. Wenn in den ersten Jahren nach meiner Betriebsübernahme ein Vertreter auf den Hof kam, hat er mich immer nach dem Chef gefragt.

Irmela: Was hast du dann geantwortet?

Verena: Der Chef steht hier (lacht). In letzter Zeit ist mir das aber nicht mehr untergekommen. Ich glaube, die wenigsten machen sich da wirklich Gedanken. Das ist einfach noch so drin bei manchen Leuten.

 

Irmela: Was ist dein Eindruck, wie steht es jetzt um die Frauen in der Landwirtschaft?

Verena: Ich finde schon, dass die Landwirtinnen angekommen sind und auch angenommen werden. Vielleicht müssen wir Frauen uns manchmal noch einen Tick mehr beweisen als die Männer.

Löcherhansenhof

Hofübergabe innerhalb der Familie

Irmela: Wie verlief die Hofübergabe bei euch?

Verena: Das war relativ geräuschlos. Nach meiner Ausbildung bin ich auf unseren Familienhof zurückgekehrt. Da hatten wir dann eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Dann ist das so schleichend übergegangen. Ich mache einfach gerne den Stall. Mein Vater hat immer gemolken. Um das Bestandsmanagement habe ich mich gekümmert. So bin ich dann ins Herdemanagement reingewachsen. Mein Vater und mein Mann fahren gerne Schlepper. Das ist einfach deren Ding. Ich fahre auch gerne und viel Schlepper. Wenn jetzt Ernte ist oder das Futter für die Kühe gemischt werden muss, das mache ich schon alles. Aber solche Spezialsachen mit dem Schlepper wie Kundendienste, das dürfen die dann machen. Mein Mann kommt auch von einem landwirtschaftlichen Nebenerwerbshof. Das spielt mir da gut in die Karten.

 

Gundi: Wie sieht bei euch die Aufgabenaufteilung aus?

Verena: Mein Vater hat nebenher noch ein Lohngeschäft. Er kümmert sich um die Wegepflege für den Nationalpark, den Staatsforst und die Gemeinde. Mein Mann geht 60 Prozent außerlandwirtschaftlich arbeiten. Die restliche Zeit ist er auf dem Hof und hilft mit.

 

Gundi: Die Brennerei auf dem Hof ist für dich ein ganz besonderer Ort. Denn fürs Brennen bist du zuständig. Brennen ist oft Männersache. Bei euch machen das die Frauen. Wie kam‘s dazu?

Verena: Übers Brennen bin ich in den Betrieb reingekommen. Das hat früher meine Oma gemacht. Als ich in der Lehre war, ist sie krank geworden und konnte nicht mehr brennen. Mein Opa hat das Abfüllen und Vermarkten übernommen. Mein Vater hat noch nie gern gebrannt. Deshalb habe ich das dann weitergemacht. Das ist einfach meins, das Brennen. Mit den Likören, da kann ich mich verwirklichen. Immer wieder was Neues ausprobieren. Das mache ich gern. Wir haben zum Beispiel einen Löwenzahnlikör. Als ich mit dem Brennen begonnen habe, habe ich fast jedes Jahr einen neuen Likör gemacht. Jetzt schaffe ich das zeitlich leider nicht mehr.

 

Irmela: Alltag mit Kindern – wie sieht der bei dir aus?

Verena: Morgens um 6 Uhr gehe ich in den Stall zu den Kühen. Mein Mann nimmt dann den Großen mit auf den Zug. Der geht schon auf die weiterführende Schule. Nachdem der Stall soweit gemacht ist, richte ich die beiden Kleinen und fahre sie in die Schule und den Kindergarten. Danach frühstücke ich. Am Vormittag erledige ich gerne die Büroarbeit, weil es dann ruhig ist. Am Mittag hole ich die beiden Kleinen und wir essen gemeinsam. Das Mittagessen kocht meist meine Mutter. Mein Mann ist dann noch bei der Arbeit und mein Vater mit dem Schlepper unterwegs.  Anschließend mache ich Pause oder Hausaufgaben mit den Kindern. Der Große kommt ein wenig später von der Schule zurück. Dann gehen wir wieder raus in den Stall. Abends kommt mein Mann heim und es ist Feierabend. Oder es geht halt nochmal raus für die Ernte.

  • Produkte vom Hof als Geschenk aufbereitet
  • Verena Schmieder im Gespräch mit Irmela Klöble
  • Edelbrände in Flaschen mit Gläsern
  • Produkte aus der Brennerei im Regal

Wie mit großen Investitionen umgehen?

Gundi: Vor einigen Jahren habt ihr einen Melkroboter angeschafft. Das hat euern Alltag enorm erleichtert. Ist aber auch eine große, finanzielle Investition.

Verena: Mein Vater oder ich haben morgens und abends jeweils eine Stunde die Kühe gemolken. Und der Melkstand war an die 30 Jahre alt. Für die 30 Kühe dachte ich immer, ein so teurer Roboter lohnt sich nicht. Doch als ich ihn ausprobiert habe, wollte ich ihn doch für den Hof anschaffen. Ich bin bei solchen Entscheidungen ein Bauchmensch. Es ging dann aber noch ein halbes Jahr bis der Melkroboter bei uns ankam und wir ihn einsetzen konnten. In der Zeit habe ich mir schon häufig gedacht: Wenn das nicht läuft, was machst du dann? Rückblickend war es die richtige Entscheidung. Ich würde es wieder so machen.

 

Irmela: Entscheidest du über so eine große Anschaffung alleine oder entscheidet ihr das gemeinsam?

Verena: Mir gehört zwar der Betrieb. Aber solche großen Entscheidungen fällen wir zusammen.

  • Kuh im Stall
  • Melkstand als Lampe

Persönliches

Irmela: Welche Arbeiten erledigst du denn nicht so gerne?

Verena: Bürokratie. Büroarbeit an sich mache ich gern. Aber sinnloser Papierkram, das regt mich auf! Da bekomme ich einen dicken Hals. Und Haushalt, den mache ich auch nicht gern.

 

Irmela: Seid ihr Mädels von euren Eltern anders erzogen worden, weil ihr auf einem Hof aufgewachsen seid?

Verena: Auf dem Hof wächst man als Kind immer anders auf als in einem Haushalt ohne Landwirtschaft. Für mich ist es ein Privileg, so aufzuwachsen. Natürlich gibt es auch Arbeiten, die meine Kinder erledigen müssen. Den Hof fegen oder den Rasen mähen. Aber dafür haben sie auch viele Freiheiten. An den Nachmittagen haben sie immer frei und dürfen herumtoben. So sind wir auch aufgewachsen. Und wir haben das genossen! Meine Eltern sind nie mit uns in den Urlaub gefahren. Dafür haben wir viel mit den Kindern der Feriengäste gespielt. Wenn die einen Ausflug gemacht haben, durften wir sie begleiten. Die Kinder erleben viel Freiheit und Unabhängigkeit, weil sie sich auch selbst beschäftigen müssen. Ich bin zwar da, weil ich auf dem Hof schaffe. Aber ich muss die Arbeit halt erledigen. Da laufen die Kinder dann einfach mit. Dafür sind sie viel draußen. Die Computer- und Fernsehzeit ist bei uns sehr gering. Der Große kümmert sich zum Beispiel gern ums Gewächshaus.

 

Irmela: Hast du noch Zeit für Freizeit? Mir ging es als Betriebshelferin früher oft so, dass ich nach einem vollen Tag auf dem Hof abends keinen Bock mehr hatte auf eine Party oder ein Konzert zu gehen, weil ich einfach zu kaputt war. Da habe ich mich abgehängt gefühlt. Erlebst du das auch, dass dein Tag so voll ist, dass keine Luft mehr ist, um mit Freunden wegzugehen? Dieses soziale Leben, dass das an einem vorbeizieht?

Verena: Zu meinen Sturm-und-Drang-Zeiten mit Mitte 20 habe ich schon geguckt, dass ich abends noch fortgehe. Dann haben alle in der Clique ungefähr gleichzeitig Kinder gekriegt. Es ist jetzt nicht mehr so, dass wir uns schon früh verabreden. Wenn wir uns sehen, dann ist das super. Ansonsten langt es mir auch, wenn ich abends noch auf dem Sofa sitzen kann. Mit unserem Mitarbeiter haben wir ein super freundschaftliches Verhältnis. Oder ich stehe noch mit den Feriengästen zusammen und wir unterhalten uns. Viele unserer Stammgäste waren schon früher als Kinder mit ihren Eltern bei uns. Jetzt sind sie so alt wie ich und kommen mit ihren eigenen Kindern zu uns in den Urlaub. Das genieße ich. Alles in allem reicht mir das im Moment. Wird vielleicht auch mal wieder anders. Ich habe jetzt halt Verantwortung für die Kinder und den Betrieb. Da ist es mir wichtig, die freie Zeit mit den Kindern zu verbringen. Nur sonntags, da möchte ich dann für ein paar Stunden auch mal noch was anderes sehen als den Hof. Damit ich aus der Blase da rauskomme.

Gundi: Was machst du dann am Sonntag – außerhalb deiner Blase?

Verena: (lacht) Ich habe mit den Kindern eine Jahreskarte fürs Freibad. Durch den Melkroboter bin ich zeitlich jetzt deutlich flexibler. Wir wandern gerne und sind viel draußen.

  • Terrasse mit Blick auf Schwarzwaldhügel
  • Schwein im Heu

Begeisterung weitergeben

Gundi: Auf deinem Hof verbindest du Landwirtschaft und Tourismus. Ihr habt Grünland und Wald, das ihr bewirtschaftet, haltet 30 Milchkühe. Dein Mann produziert Honig. Du kreierst deine eigenen Edelbrände. Und ihr habt noch Ferienwohnungen. Wie bringst du die Gäste und deine alltägliche Arbeit auf dem Hof zusammen? Was ist dir dabei wichtig?

Verena: Die Feriengäste haben oft wenig bis keine Beziehung zur Landwirtschaft. Da ist es mir einfach wichtig, dass sie reinschnuppern können. Dienstagabends biete ich eine Brennereiführung mit Verkostung an. Das ist immer ein lustiges Beisammensein. Im Stall schauen wir, dass die Kinder beim Fegen und Futter-Reinschieben mithelfen können. In der Corona-Zeit haben wir unseren Kuh-Wanderweg angelegt mit Infotafeln und Spielstationen für die Kinder. Darüber bekommen die Gäste auch einen Einblick ins Leben auf dem Bauernhof. Entlang des Weges stehen auch die Kästen unserer Bienenvölker. Die Produkte vom Hof können die Leute direkt bei uns probieren und kaufen.

 

Gundi: Das Konzept, hinter die Kulissen des Bauernhofalltags zu blicken, steht ja auch hinter dem Naturpark-Projekt „Muh, die Kuh“ und bei den Klima-Bildungsprojekten des Naturparks, bei denen ihr dabei seid. Da besuchen jeweils Kinder im Kindergarten und Grundschulalter euch auf dem Bauernhof.

Verena: Über die Kinder erreicht man am besten die Eltern und Verbraucher. Wir sind hier einer der letzten Höfe im Vollerwerb. Man kennt uns. Aber die Kinder haben einfach keinen Bezug mehr zum Bauernhof-Leben. Für sie ist das deshalb ein besonderer Ausflug auf unseren Hof. Die Kindergruppe führe ich dann über den Hof, zeige ihnen die Tiere. Da sind die vollauf begeistert. Kürzlich hatte ich eine Gruppe, da haben alle Kinder beim Gehen gestrahlt. Das ist dann toll. Da macht mir das richtig Spaß!

 

Irmela: Um eure Produkte und die Wertschätzung für eure Arbeit geht’s auch beim Naturpark-Brunch auf dem Bauernhof. Da seid ihr von Beginn an, also seit 2008, dabei. Jedes Jahr am ersten Augustsonntag. Warum?

Verena: Das ist immer ein richtig toller Vormittag mit einer super Atmosphäre. Wenn das Wetter gut ist und wir draußen auf dem Hof sitzen, dann geht’s allen gut. Inzwischen haben wir einen festen Helferstamm. Die meisten kommen aus dem Dorf. Das hätte ich mir am Anfang nicht träumen lassen, dass sich das mal so gut entwickelt. Jetzt haben wir unsere Routine und alles geht einem deutlich leichter von der Hand. Natürlich ist es immer noch aufwendig in der Planung und anstrengend in der Durchführung. Aber es macht echt Spaß!

Irmela: Kommt finanziell auch was bei rum?

Verena: Ich sehe das so: Es geht ja nicht nur ums Essen. Es ist das Gesamtpaket. Wir investieren viel, damit der Hof gut aufgestellt ist. Dazu gehören die landwirtschaftlichen Maschinen oder die Spielgeräte für die Kinder. Mit dabei ist zudem eine Hofführung. Meine Schwester bastelt mit den Kindern. Es ist einfach eine besondere Atmosphäre mit einer besonderen Kulisse beim Brunch.

Gundi: Habt ihr Stammgäste beim Brunch?

Verena: Anfangs waren es viele Auswärtige. Es ist uns aber schon wichtig, dass es gut durchmischt ist. Du machst das ja auch für die Einheimischen. Da haben wir die letzten Male geschaut, dass wir die Leute in der Region rechtzeitig informieren. Sonst sind am Ende schon alle Plätze vergeben.

 

Gundi: Zum Gesamtpaket gehört auch, dass ihr auf dem Hof seit 400 Jahren durch die Bewirtschaftung die für den Schwarzwald typische und weltweit bekannte Kulturlandschaft erhaltet. Das heißt, ihr haltet durch das Grünland, die Beweidung mit den Kühen und die Streuobstwiesen die Landschaft offen. Ohne eure Arbeit würde der Wald mit der Zeit immer weiter runter ins Tal kommen. Letztlich ist euer Brunch als doch preiswert, wenn man bedenkt, dass in den Teilnahmekosten all die Arbeit mitdrinsteckt.

Verena: Ja, genau das wollen wir unseren Feriengästen, aber auch den Einheimischen bewusst machen. Wir sind hier der letzte Haupterwerbsbetrieb. Die anderen Höfe werden nur noch im Nebenerwerb geführt. Und dann wird der Stall meist ganz geschlossen. Der Nebenerwerb ist häufig der Anfang vom Ende – gerade hier bei uns. Die vielen Steillagen sind besonders schwer zu bewirtschaften. Da braucht es Spezialmaschinen und Handarbeit. Das bekommt man nicht nur über den Milchpreis finanziert. Wir haben 40 Hektar Grünland, darunter viele Weiden. Wenn wir 25 bis 30 Hektar ernten, brauchen wir dafür zwei bis drei Wochen. Da können die Betriebe in der Rheinebene mit einer ganz anderen Schlagkraft arbeiten: in kürzerer Zeit größere Flächen mit weniger Spezialmaschinen und keiner Handarbeit. Nach einem Tag hier auf dem Hof weiß ich, warum ich abends müde bin. Denn hier müssen wir uns erst einmal überlegen, wie wir das Heu von der Fläche kriegen, um ein paar Ballen draus zu machen. Ohne Kühe, Schafe und Ziegen könnten wir die Landschaft nicht offenhalten. Die Milchkuh ist ein super Beispiel für unsere Kreislaufwirtschaft. Sie hält die Landschaft offen, sorgt mit ihrem Dung für einen nährstoffreichen Boden und Artenvielfalt auf der Wiese. Sie erzeugt Milch, die wir wiederum zu vielseitigen Produkten weiterverarbeiten können. Und am Ende gibt sie Fleisch. Auch bei unseren Kirschen arbeiten wir vor allem mit effektiven Mikroorganismen. Es ist immer schön, wenn die Arbeit und der Einsatz gesehen und anerkannt werden. Das brauchen wir, wenn wir die Schwarzwälder Kulturlandschaft auch in Zukunft noch erhalten wollen.

  • Sonnenliege mit Infotafel und Schaukel
  • Weg mit Streuobstwiesen, Wald und Wiesen rechts und links.
  • Holzstand mit Bild von Kühen und Selfie-Option am Wegesrand

Wenn das Klima extremer wird

Irmela: Merkst du draußen in deinem Alltag den Klimawandel?

Verena: Früher war das Wetter beständiger. Jetzt geht es häufiger vom einen ins andere Extrem.

Gundi: Was unternimmst du, damit du mit deinem Betrieb vorbereitet bist für diese Extremwetter-Ereignisse?

Verena:  Die Kühe haben ausreichend Bäume als Schattenspender auf der Weide. Da haben wir auch nachgepflanzt. Wenn es sehr heiß ist, lassen wir die Kühe nur früh morgens und am Abend raus. Im Stall haben wir außerdem eine Kuh-Dusche installiert, damit sich die Kühe abkühlen können. Auf der Streuobstwiese pflanze ich nur noch alte, für die Region typische Sorten nach.

Auf dem Hofrundgang: Gundi Woll, Irmela Klöble und Verena Schmieder

Das Gespräch führten: Gundi Woll & Irmela Klöble mit Nadine Göz

Fotos: Johannes Nickel

GW/19.09.2026

Naturpark-Blog

Im Gespräch
mit Landwirtin

Anlässlich des UN-Jahres der Frauen in der Landwirtschaft spricht der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit Landwirtin Nadine Göz aus dem Landkreis Calw über Verantwortung, Partnerschaft und Freundschaften, Käse, Kühe, Glück und Schlafmangel.

Zum Blogartikel

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.

„Von Null auf Bauernhof – Die Landwirtschaft ist das, was mich glücklich macht“

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Johannes Nickel
  • Einleitungstext:

    Anlässlich des UN-Jahres der Frauen in der Landwirtschaft spricht der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit Landwirtin Nadine Göz aus dem Landkreis Calw über Verantwortung, Partnerschaft und Freundschaften, Käse, Kühe, Glück und Schlafmangel.

Mit dem Leimenäckerhof in Unterreichenbach-Kapfenhardt im Landkreis Calw haben sich Nadine Göz und ihr Mann Carsten vor fünf Jahren einen Traum erfüllt. Raus aus dem alten, geregelten Berufsleben, rein in einen ganz neuen Lebensalltag auf ihrem Milchviehbetrieb. Im Haupterwerb bewirtschaften sie heute 50 Hektar Fläche und verarbeiten die Milch ihrer 30 Kühe weiter zu Joghurt, Quark und Käse. Die Milchkühe bestimmen den Tagesablauf. Für Nadine ist der Alltag auf ihrem Hof Passion und Erschöpfung zugleich. Der Hof ist ihr Zuhause. Hier ist sie am liebsten.

Im Gespräch mit der Landwirtin und Naturpark-Projektmanagerin Irmela Klöble und Naturpark-Pressesprecherin Gundi Woll erzählt Nadine Göz von der Entscheidung, die ihr Leben verändert hat. Dabei spricht sie über Einschränkungen und Freiheit. Der Leimenäckerhof gehört dem Naturpark-Netzwerk im Bereich Humus-Aufbau an.

Leimenäckerhof Unterreichenbach

Maul einer Kuh von vorne

Der Hof & die Vermarktung

Gundi: Ihr seid in die Landwirtschaft nicht hineingeboren. Das Leben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb ist euch also nicht in die Wiege gelegt worden. Trotzdem sagst du, der Hof ist deine Leidenschaft. Wie kamst du auf die Idee, deinen Job aufzugeben, um hier einen Kuhstall hinzustellen und Käse zu machen?

Nadine: Ich habe bis vor fünf Jahren als Arzthelferin gearbeitet. Mein Mann Carsten war Landmaschinenmechaniker. In seiner Kindheit hat er beim benachbarten Milchviehbetrieb mitgeholfen. Ich habe die Sommerferien auf dem Pferdehof meines Onkels verbracht. Insofern war für uns immer klar, dass wir irgendwas in der Landwirtschaft machen wollen. 2014 haben wir unsere Jobs an den Nagel gehängt und zwei Jahre auf einem Hof mit Käserei und Hofladen in Vollzeit mitgeschafft. Da haben wir gemerkt, dass die Landwirtschaft das ist, was uns glücklich macht und uns erfüllt. 365 Tage zu arbeiten, das war und ist es uns wert. Anschließend waren wir für einen Alpsommer in der Schweiz. Danach war es klar: Wir wollen einen Hof mit einer Direktvermarktung und natürlich Käse. Da es den bei uns nicht gab, haben wir beschlossen, selbst einen Betrieb aufzubauen. Von null auf Bauernhof! Wir sind mit null Hektar gestartet. Heute haben wir über 50 Hektar Fläche. Gepachtet, ein Teil auch eigene Fläche. Aber der Weg dahin war steinig. Ich bin froh, dass wir nicht alles im Voraus wussten. Wir würden es trotzdem wieder machen. Man wächst mit den Herausforderungen!

 

Gundi: Wie vermarktet ihr eure Produkte?

Nadine: Wir beliefern inhabergeführte Edeka-Märkte und Partner von uns. 85 Prozent vermarkten wir über den Hofladen direkt neben dem Kuhstall. Das Hotel KroneLamm im Schwarzwald in Bad Teinach-Zavelstein von den Naturpark-Wirten Rolf und Franz Berlin bezieht von uns Käse, Joghurt, Quark und Milch. Dann gibt es noch Partner, die über ihre Automaten Produkte von uns verkaufen. Dazu gehört der Biolandhof Reiser in Straubenhardt, die auch Naturpark-Partner sind und seit vielen Jahren den Naturpark-Brunch auf dem Bauernhof anbieten. Sehr gerne würden wir auch regelmäßig auf Märkte gehen, insbesondere auf die Naturpark-Märkte. Aber dafür fehlt uns einfach die Zeit und das Personal.

  • Stall von innen mit Holz gebaut
  • Nadine Göz vor ihrer Kapelle auf dem Hof
  • Kapelle auf dem Hof
  • Schild im Stall mit der Aufschrift
  • Kuh im Stall
  • Kühe auf der Weide

Partnerschaft und Freundschaften im Alltag leben

Irmela: Was erfüllt dich?

Nadine: Ich mache morgens gerne das Stalltor auf und sage: „Guten Morgen Welt!“ Die Aussicht hier genieße ich! Das ist Daheim! Das ist Heimat! Carsten und ich sitzen abends oft auf der Bank draußen im Hof. Es sind erfüllte und glückliche Tage, weil wir zusammenarbeiten können. Die gemeinsame Stallzeit oder den Bulldog reparieren. Das sind die Momente, in denen wir unseren Akku volltanken.

Und was mich noch erfüllt: Der Wertschöpfungs-Kreislauf, den wir hinbekommen haben. Du hast eine Kuh, die kriegt am Morgen ihr Kälbchen. Dann melke ich sie und mache aus der Milch den Käse. Sechs Stunden später habe ich den fertigen Käse. Sechs Wochen später kann ich den gereiften Käse probieren. Bei unserer Arbeit geht es auch darum, die Schwarzwälder Kulturlandschaft zu erhalten. Das ist sinnstiftend!

 

Gundi: 365 Tage Arbeit war eine bewusste Entscheidung. Das bedeutet auch: kein Urlaub.

Nadine: Wenn wir weg sind, sind wir nicht wirklich weg. Verlässt einer von uns den Hof, bleibt der andere da. Wenn, dann bin ich mal zwei Nächte weg. Mehr geht nicht, denn dann muss ich wieder käsen. Sonst hätte ich zu viel Milch. Sobald Grünfutter kommt, geht die Milchleistung hoch. Dann bin ich sieben Tage die Woche in der Käserei. Also im Sommer gehe ich schon mal gar nicht weg. Von einer Freundin habe ich einen Gutschein für einen Wellnesstag geschenkt bekommen. Den könnte ich schon einlösen. Aber mich stresst der Gedanke so sehr, dass ich lieber auf dem Hof bleibe und meine Arbeit erledige. Urlaubsfeeling haben wir, wenn unsere Freunde aus der Schweiz kommen. Dann haben wir prompt acht Hände mehr und können auch mal Entspannungspausen einlegen. Die zehn Minuten Kaffeetrinken vor der Stallarbeit, die kann ich dann richtig genießen.

 

Gundi: Hast du mit der Entscheidung für die Landwirtschaft deine Ruhe verloren?

Nadine: Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin ruhiger geworden.

Gundi: Aber nur, wenn du hier auf dem Hof bist, oder?

Nadine: Ja. Wenn ich mal ein paar Stunden bei Freunden bin, macht das nichts aus. Immer wenn ich nicht auf dem Hof bin, habe ich das Gefühl, dass zu Hause gerade etwas passiert. Uns sind die Tiere sehr wichtig. Wenn es ihnen schlecht geht, geht es auch uns schlecht.

 

Gundi: Wann hast du Zeit für Freunde und die Familie?

Nadine: Das findet bei uns auf dem Hof statt. Am Heiligabend kommen zum Beispiel alle, die Lust haben, zu uns und wir machen Raclette. Zwischendurch melke ich oder wir schauen nach den Kühen. Einmal im Jahr laden wir auch 70 bis 80 Leute zum Essen ein, die uns das Jahr über geholfen haben.

  • Nadine und Carsten Göz mit ihren Kühen auf der Weide
  • Kuh auf der Weide

Wie umgehen mit Rollenbildern?

Irmela: Wenn jemand auf den Hof kommt und nach dem Betriebsleiter fragt, was antwortest du?

Nadine: Bin ich.

Irmela: Das ist deine Antwort?

Nadine: Klar!

Irmela: Tut dir die Frage nicht weh?

Nadine: Nö. Da steh‘ ich drüber. Wir machen 50/50. Aber es ist schon so, dass nach dem Mann gefragt wird. Das sind einfach noch alte Rollenbilder, die da zum Ausdruck kommen.

 

Irmela: Welche Erfahrungen habt ihr mit Lehrlingen gemacht?

Nadine: Wir haben hier auf dem Hof die Erfahrung gemacht, dass die Mädels zäher sind als die Jungs. Sie beißen sich mehr durch, sind ehrgeiziger. Sie schauen nicht auf die Uhr, sondern schaffen einfach. Ob das Ausmisten ist, der Umgang mit der Motorsense, Traktorfahren, Sachen spazieren heben, Weiden umzäunen...

  • Traktoren und weitere Landmaschinen auf dem Hof
  • Kühe auf der Weide
  • Kühe laufen von der Weide in den Stall.
  • Außenbereich des Stalls
  • Kühe im Stall beim Grasfressen

Wenn Grenzen erreicht sind

Irmela: Wann erreichst du deine Grenzen?

Nadine: Viele Nächte ohne Schlaf. Luxus für uns sind sechs Stunden Schlaf. Jeder von uns arbeitet pro Woche 80 bis 100 Stunden. Manchmal haben wir Perioden beim Heueinfahren, da stehen wir morgens um fünf Uhr auf und arbeiten bis nachts um zwölf. Und dann müssen wir noch was essen und uns duschen. Das ist anstrengend. Und wenn dann noch viel Trubel auf dem Hof ist, gerade bei Nacht, dann ist es tatsächlich schwierig, zur Ruhe zu kommen. Da erreiche ich meine Grenzen. Zum Beispiel muss ich mir dann überlegen, ob ich die Kultur schon in den Käse reingemacht habe oder nicht. Dinge, die an sich automatisch ablaufen und über die ich mir keine Gedanken machen muss. Daran merke ich dann, dass ich nicht erholt bin.

 

Irmela: Wie fühlst du dich als Frau in der Landwirtschaft?

Nadine: Ich fühle mich meinem Mann gegenüber gleichberechtigt. Ich denke auch, dass dies bei vielen Berufskolleginnen der Fall ist. So viel wie möglich will ich ja auch selbst können und schaffen. Da habe ich meinen Anspruch und meinen Ehrgeiz. So einen 50 Kilogramm schweren Käselaib zu wenden, ohne wo anzustoßen, da braucht es Kraft. Das mache ich zum Beispiel allein. Traktor fahren, das kann ich auch, nicht nur mein Mann. Generell genießt es Carsten, dass ich so viel in der Landwirtschaft arbeite. Dass er mich auch mal um Hilfe bitten kann. Wir sind uns gleichgestellt, teilen uns die Arbeit auf dem Hof 50/50, auch bei den Verwaltungsaufgaben. Ich will gar nicht der Häuptling sein und die ganze Verantwortung tragen müssen! Vor dem Tag, an dem ich allein dastehe und alles selbst entscheiden muss, habe ich Angst!

  • Carsten Göz mit Kühen auf der Weide
  • Nadine Göz mit Kühen auf der Weide
  • Kuhstall mit Heuballen und Heuschober
  • Hund im Heu
  • Katze im Heu

Wie die Zukunft gestalten?

Gundi: Wie stemmt ihr das alles finanziell?

Nadine: Wir haben zweieinhalb Millionen Euro für den Hof, die Käserei und die Kühe investiert. Dafür haben wir von der EU, dem Bund und dem Land Fördergelder bekommen. Von dem NABU-Förderpreis 2023 haben wir eine PV-Anlage gekauft. Die ersten zwei Jahre hatten wir nur Ausgaben. Im dritten Jahr konnten wir damit beginnen, die Kredite abzubezahlen.

 

Irmela: Generationenwechsel ist ja immer ein großes Thema, wenn es irgendwann mal um die Hofübergabe geht…

Nadine: Wir können keine Kinder kriegen. Das wussten wir schon, bevor wir uns für das Hofprojekt entschieden haben. Hätten wir das nicht gewusst, hätten wir das mit dem Hof wahrscheinlich nicht gemacht.

Gundi: Warum?

Nadine: Aus zeitlichen und finanziellen Gründen. Bei den ganzen Planungen zum Hof wurden wir häufiger gefragt, was sei, wenn unsere Kinder den Hof nicht weiterführen wollen. Wir haben dann geantwortet: „Wir können keine Kinder kriegen. Wir machen das für uns.“ Dann sind alle ganz ruhig geworden und waren erschrocken. Wir haben diesen Betrieb aufgebaut und wir sind uns sicher, dass er auch nach uns fortgeführt wird. Bestimmt anders. Das wäre aber auch beim eigenen Kind der Fall. Und das ist auch gut so.

 

Irmela: Wie erlebst du die Klimaveränderung in deinem Alltag?

Nadine: Wenig Regen im Sommer. Das könnte zu existenziellen Problemen führen, weil wir dann wenig Futter für die Tiere haben. An heißen Tagen dürfen die Kühe gleich morgens nach dem Melken um sieben Uhr raus auf die Weide. Spätestens um zwölf Uhr holen wir sie wieder in den Stall. Was wir auch ausprobiert haben: Die Kühe über Nacht rauslassen, da es dann kühler ist und weniger Insekten unterwegs sind. Das fanden unsere Kühe aber doof. Sie haben die Nacht über gebrüllt. Sind einfach Heimschläfer! Seitdem lassen wir sie zum Schlafen im Stall. Im vergangenen Jahr haben wir Obstbäume als Schattenspender und Agroforst-Maßnahme gepflanzt. Gerade überlegen wir uns auch, Wassergräben anzulegen. So könnten wir die Quellen aus dem Wald nutzen und das Wasser über die Weiden führen. Energetisch haben wir eine PV-Anlage auf dem Dach, sodass ich bei gutem Wetter mit eigenem Strom käsen kann.

Beim Gespräch am Tisch im Stall: Gundi Woll, Irmela Klöble und Nadine Göz mit Hund

Das Gespräch führten: Gundi Woll & Irmela Klöble mit Nadine Göz

Fotos: Johannes Nickel

GW/02.09.2026

Naturpark-Blog

Im Gespräch 
mit Landwirtin

Anlässlich des UN-Jahres der Frauen in der Landwirtschaft spricht der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit Landwirtin Verena Schmieder vom Löcherhansenhof im Ortenaukreis über Freiheit und Verantwortung. Und darüber, wie es ist, als Frau Schnaps zu brennen und als Mutter einen Hof zu führen.

Zum Blogartikel

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.

Agroforst kommt bei landwirtschaftlichen Betrieben im Naturpark gut an

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Niklas Kullik
  • Einleitungstext:

    Naturpark hat in Pilotphase 17 Betriebe unterstützt: 76 Hektar Agroforst-Systeme geplant, über 4.300 Bäume & Sträucher gepflanzt

Lebendiger Boden, stabile Ernte, höhere Klimaangepasstheit. Mit diesem Ziel hat Landwirt Andreas Hofstätter vom Hofbauernhofs in Loßburg-Schömberg mit rund 15 Freiwilligen am10. und 11. April an die 400 Bäume und Sträucher auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche gepflanzt. Denn Agroforst-Strukturen tragen dazu bei, Wasser länger in der Fläche zu speichern. Sowohl in Dürrephasen als auch bei Starkregen-Ereignissen.

Während der auf zwei Jahre angelegten Pilotphase des Agroforst-Projekts des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord konnten Agroforst-Systeme für insgesamt 76 Hektar geplant werden. Über 2.800 Bäume und rund 1.500 Sträucher wurden bereits auf 35 Hektar Fläche gepflanzt. Bei den Pflanz-Aktionen haben 135 Freiwillige mitgeholfen. Über 80 Prozent der Betriebe haben angegeben, dass die Agroforst-Förderung des Naturparks ausschlaggebend für die Anlage eines Agroforst-Systems war. Die Hauptmotivation dafür lag für die Landwirtinnen und Landwirte insbesondere in der Stärkung der Biodiversität sowie dem Schutz des Bodens vor Wind und Erosion.

Mit der Agroforst-Modellregion bringt der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord wertvolle Gehölz-Strukturen wieder in die Landwirtschaft. „Agroforst ist im nördlichen und mittleren Schwarzwald gefragt!“, berichtet der Naturpark-Projektmanager Niklas Kullik. „Durch das Projekt ist ein Netzwerk aus Modellbetrieben entstanden. Aus ihren Erfahrungen können wir lernen. Sie sind Basis für die Konzeption gemeinsamer Wege für eine klimaangepasste Landwirtschaft in der Region und darüber hinaus“, führt Kullik weiter aus.

  • Menschen pflanzen Bäume und Sträucher auf einer Grünfläche.
  • Menschen pflanzen Bäume und Sträucher in vorbereitete Erdlöcher.
  • Erdloch mit Pflanze

Klimaschutz durch Agrofrost verwurzeln

Wie sich Klimaschutz praktisch auf dem Acker umsetzen lässt, zeigt der Hofbauernhof in Loßburg-Schömberg: 120 Bäume und 270 Sträucher hat er mit einem Freiwilligen-Team auf einer rund fünf Hektar großen Grünfläche als Agroforst-System gepflanzt. Ziel des Betriebs ist es, durch das Agroforst-System die Biodiversität zu erhöhen, Weidetieren Schatten zu bieten und Obst für die Hof-Gemeinschaft zu produzieren.

„Wir hatten in der jüngsten Vergangenheit einige Jahre mit langen Hitzeperioden. Für unsere Tiere mussten wir in dieser Zeit künstlich Schatten erzeugen. Über das Agroforst-System erhalten sie auf natürliche Weise Schatten. Zudem bieten die Bäume und Sträucher Lebensraum für zahlreiche Tiere und sorgen dafür, dass der Boden Wasser besser aufnimmt und hält. So kann Landwirtschaft auch in Zeiten des Klimawandels Teil der Lösung sein“, erläutert Hofstätter.

Gepflanzt wurden Obst- und Wertholz-Bäume, Obst- und Wildobst-Sträucher sowie Hecken-Sträucher. Darunter: Apfel, Mostbirne, Walnuss, Ebereschen, Vogelkirschen, Schwarzerlen, Johannisbeeren, Kornelkirschen, Felsenbirnen, Hasel, Hartriegel, Schneeball und Weißdorn.

  • Bäume und Sträucher auf einem Anhänger
  • Hühner im Freiland
  • Zwei Menschen pflanzen Bäume und Sträucher.
  • Hände verteilen Erde, um eine Pflanze im Erdloch.

Hof ist Lernort und Agroforst-Modellbetrieb

Der Hofbauernhof ist ein gemeinschaftlich betriebener Demeter-Betrieb mit Legehennen, Rinderhaltung, Schweinehaltung, einer Hofbäckerei, Gemüsebau und Forstwirtschaft. Auf dem Hof leben insgesamt rund 25 Personen, die teilweise auch auf dem Betrieb arbeiten. „Der Hofbauernhof ist der größte Arbeitgeber in Schömberg. Als Lernort für unterschiedliche Projekte wie etwa das Naturpark-Bildungsprojekt ‚Muh, die Kuh‘ für Kindergärten bringt Leben in den Ort. Es ist toll, dass Andreas Hofstätter mit seinem Team auch Teil der Agroforst-Modellregion im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist und Neues auf dem Weg in eine klimaangepasste Landwirtschaft wagt“, sagt der Leiter des Bauamts der Gemeinde Loßburg, Jochen Geßler, bei der Pflanzaktion.

Traktor mit einer Naturpark-Fahne

Agroforst-Modellregion im Naturpark etablieren & weiterdenken

17 Betriebe konnte der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord zwischen 2024 und 2026 mit Förderung der Postcode Lotterie und weiterer Stiftungsmittel in der Pilotphase unterstützen. Die Systeme und Ziele der Höfe sind so vielfältig, wie die Betriebe selbst: Wertholzbäume, Biomasseproduktion, Wind- und Erosionsschutz, Schatten für Weidetiere oder weitere Fruchtproduktion mit Kastanien oder Obst. Die Betriebe sind über die Kulisse des Naturparks im nördlichen und mittleren Schwarzwald sowie in der Rheinebene verteilt. Damit bilden sie auch unterschiedliche Höhenlagen ab.

Bioland, Triebwerk und der Naturpark entwickelten auf die Höfe zugeschnittene Konzepte. Zusätzlich erhielten 13 der Betriebe eine Förderung von bis zu 7.000 Euro für die Anlage der Agroforst-Systeme auf insgesamt 35 Hektar Fläche. Darüber hinaus veranstaltete der Naturpark vielfältige Weiterbildungsangebote wie Feldtage auf Modellbetrieben. Dabei vernetzte er Menschen aus Wissenschaft und Praxis und organisierte Pflanz-Aktionen. Die Agroforst-Modellregion wird auch im Anschluss an die Pilotphase um weitere Betriebe wachsen.

  • Agrofrost-System von oben
  • Agrofrost-System von oben
  • Agrofrost-System von oben

Die Pflanz-Aktion begleitet hat auch ein Team des SWR aus dem Studio Tübingen. Hier geht's zum Online-Artikel.

Naturpark-Projektmanager wird vom SWR-Team interviewt und gefilmt.

Text: Gundi Woll

Fotos: Gundi Woll, Niklas Kullik

GW/13.04.2026

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.

Das Netzwerk der Naturpark-Klimabotschafter wächst weiter

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord e. V.
  • Einleitungstext:

    15 neue Naturpark-Klimabotschafterinnen und -botschafter / Rund 80 Multiplikatoren sensibilisieren für Auswirkungen des Klimawandels im Naturpark

Welche Spuren hinterlässt der Klimawandel im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord? Welche Möglichkeiten gibt es, um die Region an die sich verändernden Klimabedingungen anzupassen? Und was wird bereits gemacht? Um diese Fragen drehte sich die diesjährige Klimabotschafter-Ausbildung des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord.

Am 22. November hat der Naturpark in Bühlertal 15 weitere Naturpark-Klimabotschafterinnen und Klimabotschafter ausgezeichnet. Sie kommen aus Karlsruhe, Baden-Baden, Baiersbronn, Bühl, Bühlertal, Dornhan, Enzklösterle, Nordrach, Lauf, Obernheim, Ohlsbach, Schömberg. Als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind sie zum Thema Klimawandel im Naturpark im nördlichen und mittleren Schwarzwald aktiv. Damit ist das Netzwerk an Naturpark-Klimabotschafterinnen und -botschaftern im Schwarzwald in den vergangenen fünf Jahren auf rund 80 angewachsen.

Die Ausbildung setzte sich aus acht Seminartagen zwischen Juli und November zusammen. Behandelt wurden die Themenbereiche Landwirtschaft, Gewässer, Moore, Wald, kommunaler Klimaschutz und Biodiversität sowie regenerative Energie in Theorie und Praxis, inklusive Exkursionen zu unterschiedlichen Naturräumen im nördlichen und mittleren Schwarzwald.

  • Menschengruppe steht vor einem Fluss
  • Menschengruppe im Moor
  • Übergabe der Zertifikate

Ausbildung zum Multiplikator für Klimawandel im Naturpark

„Unsere Naturpark-Klimabotschafterinnen und -botschafter geben ihr Wissen in ihrem Umfeld beruflich als auch privat weiter, informieren und sensibilisieren“, führt der Geschäftsführer des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Karl-Heinz Dunker, aus. „In den verschiedensten Bereichen wie Bildung, Tourismus, Forst- und Landwirtschaft, freie Wirtschaft oder Energieberatung klären sie über den Klimawandel in unserer Region auf und sorgen für eine konstruktive Herangehensweise an die Thematik.“

Für diesen lösungsorientierten Ansatz sieht die Ausbildung mehr als reine Wissensvermittlung vor. „Uns ist es wichtig, dass die Teilnehmenden einen persönlichen Bezug zum Thema entwickeln. Das funktioniert zum einen über unsere Expertinnen und Experten, die die Seminare und Exkursionen leiten“, erläutert Helena Böddeker, Fachbereichsleiterin Klimaschutz und Klimaanpassung beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. „Zum anderen wird anschließend jede und jeder als Multiplikatorin und Multiplikator das Gelernte auf den jeweiligen Fachbereich übertragen und dort weitergeben. Dieser individuelle Transfer ist uns besonders wichtig. Denn darüber kommen wir miteinander ins Gespräch und das Gelernte erhält eine individuelle Note.“

  • Menschen im Weinberg
  • Mann schaut sich Pflanzen im Moor an.
  • Menschen vor Weinreben
  • Menschen in einem Feld

Das sagen Naturpark-Klimabotschafter über die Ausbildung

Eine der frisch zertifizierten Naturpark-Klimabotschafterinnen ist Tabea Nachbar. Die 26-Jährige lehrt am Forstlichen Ausbildungszentrum Mattenhof in Gengenbach. Dort bildet sie Forstwirtinnen und Forstwirte aus ganz Baden-Württemberg aus. Wie Nachbar das Gelernte künftig anwendet? „Das neu gewonnene Wissen sowie die Zusammenhänge im Bereich Klimawandel gebe ich durch meine Lehrtätigkeit an die nächste Generation weiter. Denn sie formt die Zukunft unserer heimischen Wälder“, beschreibt Nachbar. Besonders wichtig ist ihr dabei, greifbare Beispiele geben zu können. Und wo kann man besser lernen als vor der eigenen Haustür? „Wir haben im Rahmen des Wald-Lehrgangs mit Hilfe eines CO2-Maßbandes ermittelt, wie viele Kilogramm CO2 in einer 80-jährigen Douglasie eingelagert sind. Dies haben wir in Relation zum durchschnittlichen jährlichen CO2-Fußabdruck eines Menschen gesetzt“, führt Nachbar als angewandte Theorie in der Praxis an. Auf diese Weise bleibe das Gelernte nachhaltig im Gedächtnis – gerade dann, wenn es mit der eigenen Region verbunden sei. Die Theorie in den speziellen Lebensräumen selbst zu erfahren, war für Nachbar besonders eindrücklich. „Es war ein wunderschönes Gefühl das Hochmoor auf dem Kaltenbronn im Wiedervernässungs-Prozess zu erkunden und tiefer in diesen Schatz der Natur einzutauchen“, berichtet die Forstwirtin.

In ein mehrtägiges Planspiel rund ums Thema Klima lässt der Erlebnis- und Umweltpädagoge Robin Miller seine neuen Erkenntnisse und Skills als Naturpark-Klimabotschafter einfließen. Und Catherina Haessler aus Schömberg-Bieselsberg möchte in ihrer Funktion als Gemeinderätin ihr Wissen in die kommunale Politik einbringen. Auch würde sie gerne in den Schulklassen ihrer Kinder Projekte rund um den Klimawandel im Naturpark initiieren. Was die Försterin, Mutter, Waldpädagogin, Unternehmerin und Politikerin aus der Ausbildung mitnimmt? „Ich möchte sachlich und ruhig mit mehr background mit den Menschen reden. Sei es bei der Wald-Führung, beim Familien-Event, in der Gemeinderats-Sitzung, mit Feriengästen, Nachbarn, Freunden“, sagt Haessler.

  • Menschen im Feld
  • Menschen in einem Hofladen
  • Menschen auf einem Bohlenweg im Moor
  • Menschen auf einem Bohlenweg im Moor
  • Menschen im Wald

Das Experten-Netzwerk des Naturparks

Besonders an der Klimabotschafter-Ausbildung des Naturparks ist die Kombination aus theoretischem und praktischem Wissen. Jeder Themen-Lehrgang enthält einen theoretischen Teil zur Einführung. Welche Erfahrungen in der Praxis gemacht werden, erfahren die Teilnehmenden dann bei Exkursionen von den Praktikerinnen und Praktikern direkt vor Ort, etwa bei einer Besichtigung des Aspichhofs von Landwirt Dr. Ewald Glaser in Ottersweier.

Folgende Institutionen sowie Expertinnen und Experten waren an der Klimabotschafter-Ausbildung beteiligt:

  • Hannah Monnin: Umweltpsychologin Wandelwerk e.V.
  • Martine Schraml: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), Entwicklung von Anpassungsstrategien an den Klimawandel im Pflanzenbau
  • Ewald Glaser: Senior-Geschäftsführer des Aspichhofs in Ottersweier & ehemaliger Vorstandsvorsitzender der ZG Raiffeisen
  • Bruno Metz: Bürgermeister der Stadt Ettenheim
  • Peter Blaser: Geschäftsführer Rationenergie
  • Christian Ringwald und Armin Geppert: Ettenheimer Bürgerenergie eG.
  • Peter Antkowiak: Badenova WärmePlus
  • Sarah Kubela und Katrin Dännart: Waldbau-Klima-Beratung bei der Landes-Forstverwaltung (LFV) Baden-Württemberg
  • Hans-Georg Pfüller: Leitung des Amts für Waldwirtschaft im Landratsamt Ortenaukreis
  • Manuela Riedling: Infozentrum Kaltenbronn und Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord
  • Christian Bernhart: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW)
  • Dieter Pross und Ralf Ganzhorn-Scheytt: Umwelt- und Arbeitsschutz des Landkreises Calw, Sachgebiet Oberirdische Gewässer
  • Dirk Greiser: Bereichsleiter Tiefbau bei der Stadt Altensteig
  • Klaus Parey: ehrenamtlicher Fischereiaufseher des Regierungspräsidiums Karlsruhe
  • Jörn Buse: Sachbereichsleiter Invertebraten und Biodiversität Nationalpark Schwarzwald
  • Matthias Dörr und Tim Köhler (zertifizierter Naturpark-Klimabotschafter 2024): Veith Gebäudetechnik
  • Menschen auf einem Feld
  • Menschen in einem Kuhstall
  • Menschen in einem Feld
  • Menschen an einem Fluss

Text: Gundi Woll

Fotos: Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord e. V.

GW/22.11.2025

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.

Humus-Wasser-Modellregion im Kinzigtal: Landwirtschaftliche Betriebe stellen sich vor

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Gundi Woll
  • Einleitungstext:

    Teilnehmende Modellbetriebe stehen fest / Individuelle Beratung für klimaverträgliche Landwirtschaft auf Höfen startet

In langen Trockenperioden muss Georg Sieferle Wasser in seine Weinberge fahren. „Das ist keine langfristige Lösung“, sagt der Landwirt vom Weingut Sieferle in Ortenberg (Ortenaukreis). „Da, wo bei mir der Humusgehalt im Boden gut ist, gibt es weniger Trockenstress für die Pflanzen“, führt Sieferle weiter aus. Der Humusgehalt der Flächen trägt maßgeblich zur Wasserhaltekapazität der Böden bei. Gleichzeitig speichert humusreicher Boden Kohlenstoff, indem organisches Material aus abgestorbenen Pflanzen von Bodenorganismen umgebaut und teilweise langfristig im Boden gebunden wird.

Zudem können wasserleitende Maßnahmen das Wasser besser über die gesamte Fläche leiten. Insbesondere bei Starkregen am Hang, kann so Wasser zurückgehalten und in Trockenphasen genutzt werden. Mit dem Antrieb, weitere Lösungswege für eine klimaangepasste Landwirtschaft zu erproben, hat sich Georg Sieferle beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord um die Teilnahme an der im November ins Leben gerufenen Humus-Wasser-Modellregion beworben.

Das Weingut Sieferle ist einer von insgesamt zehn landwirtschaftlichen Betrieben, die der Naturpark finanziell und praktisch beim Humus-Aufbau sowie bei zusätzlichen wasserleitenden Maßnahmen unterstützt. Neben Bildungsangeboten werden Bodenanalysen gelehrt und durchgeführt. In enger Abstimmung mit den Landwirtinnen und Landwirten wird anschließend ein auf den Hof zugeschnittenes Konzept entwickelt. Welche Maßnahmen sie umsetzen wollen, entscheiden die landwirtschaftlichen Betriebe am Ende selbst. Fachleute aus Beratung und Wissenschaft sowie die Gemeinden Fischerbach, Oberharmersbach, Ohlsbach, Hofstetten, Ortenberg, Oberwolfach und Gengenbach-Reichenbach und Kooperationspartner wie das Amt für Landwirtschaft des Landratsamts Ortenaukreis und der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) begleiten den Prozess.

  • Menschen sitzen an Tischen
  • Weinreben mit Blick in die Rheinebene
  • Infomaterial des Naturparks liegt auf einem Tisch

„Mit der Humus-Wasser-Modellregion im Kinzigtal wollen wir Wege in eine klimaangepasste Bewirtschaftungsweise finden. Ziel ist es, die Erträge der Landwirtinnen und Landwirte bei uns im Schwarzwald zu stabilisieren. Denn ihnen verdanken wir zu großen Teilen unsere Schwarzwälder Kulturlandschaft mit ihrer besonderen Flora und Fauna sowie den Produkten, die hier entstehen.“

Karl-Heinz Dunker Geschäftsführer Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Modellregion steht für Innovation

Als innovatives Projekt würdigt die badenova die Humus-Wasser-Modellregion. Diese ist durch den Innovationsfonds Klima- und Wasserschutz des Energieunternehmens erst möglich gemacht worden. „Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord setzt mit diesem Vorhaben ein beispielhaftes Projekt um, das zeigt, wie regionale Zusammenarbeit, Wissensaufbau und konkrete Maßnahmen erfolgreich ineinandergreifen können. Die gewonnenen Erkenntnisse stärken eine klimaangepasste Landwirtschaft und kommen der gesamten Region zugute“, erläutert der Leiter des Innovationsfonds, Richard Tuth.

Neue Wege im Umgang mit dem Klimawandel gehen. Beim Netzwerktreffen auf dem Weingut Sieferle freut sich Ortenbergs Bürgermeisterin Amalia Lindt-Herrmann, dass sich Betriebe für die Modellregion gefunden haben. „Neue Wege in der Landwirtschaft entstehen dort, wo Tradition auf Innovation trifft und Anpassung zur Stärke wird. Deshalb bin ich stolz, dass wir Teil der Modellregion sind“, sagt Lindt-Hermann.

  • grüne Weintrauben hängen an Reben
  • Menschen stehen beisammen und tauschen sich aus
  • Weingut Sieferle Eingang Straußwirtschaft

Das sagen die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte zur Modellregion

Elfriede Lehmann bewirtschaftet mit ihrem Mann den Kornbauernhof in Oberharmersbach. Auf ihrem Demeter-Heumilchbetrieb mit Streuobst, Heidelbeeren und Wald macht sich der Klimawandel deutlich bemerkbar. „Durch die Extremwetter-Ereignisse gedeihen unsere Streuobstbäume und die Heidelbeersträucher nicht mehr so gut. Sie können manche Nährstoffe nicht mehr aufnehmen, sind nicht mehr so gesund und bringen nicht mehr den Ertrag wie früher. Auf dem Feld und im Wald bringt die Trockenheit große finanzielle Einbußen mit sich.“ Durch das Projekt erhofft sich die Landwirtin Unterstützung dabei, den Hof durch eine zukunftsfähige Ausrichtung erhalten zu können. „Bei der Humus-Wasser-Modellregion des Naturparks sind wir dabei, um zu lernen, wie wir mehr Humus aufbauen können und Bodenproben lesen. Und welche Pflanzensorten sich künftig eignen“, führt Lehmann beim Netzwerktreffen auf dem Weingut Sieferle aus.

Die klimatischen Bedingungen erschweren es auch Steffen Armbruster von Armbrusters Hof in Berghaupten zunehmend, das Grünland zu bewirtschaften. Seine Motivation, Teil der Humus-Wasser-Modellregion des Naturparks zu sein? „Ich bin mit dabei, weil ich gemeinsam mit anderen Betrieben, dem Naturpark, Kommunen sowie Fachleuten aus Beratung und Wissenschaft Lösungswege dazu erarbeiten will, Wasser über die Fläche zu leiten und für uns alle einen nachhaltigen Lebensraum zu schaffen.“

Das sind die Betriebe der Humus-Wasser-Modellregion im Kinzigtal

  • Obst- und Weinbau Christian Berg in Ortenberg:Bio-Betrieb im Nebenerwerb mit Direktvermarktung. Bewirtschaftung ohne Pflanzenschutzmittel. Weinsorten, Beerenkulturen und herkömmlichen Obstarten im Anbau.
  • Weingut Sieferle von Georg Sieferle in Ortenberg:Kleiner Familienbetrieb, der vor drei Jahren auf biologische Bewirtschaftung umgestellt hat. Hat bereits Erfahrungen mit Humus-Aufbau gemacht.
  • Weingut Schloss Ortenberg in Ortenberg:Haupterwerbsbetrieb mit Direktvermarktung. Ausschließlich Weinbau. Besteht bereits seit 1407. Derzeit im dritten Jahr der Umstellung auf ökologischen Weinbau.
  • Kohmann GbR von Thorben Mahlendorf in Hausach:Bio-Grünlandbetrieb im Haupterwerb. Milchvieh, Rinderaufzucht, Hühner, und Forstwirtschaft. Milch wird über Schwarzwaldmilch vermarktet.
  • Prinzbachhof von Martin Schmieder in Fischerbach:Konventioneller Grünlandbetrieb im Haupterwerb mit Direktvermarktung. Milchvieh mit eigener Nachzucht, kleine Bäckerei, Forstwirtschaft und Brennerei.
  • Kaiserhof von Hubert und Janik Kinast in Hofstetten:Bio-Grünlandbetrieb im Nebenerwerb mit Direktvermarktung. Mutterkuhhaltung, Putenmast, Forstwirtschaft und Ferienwohnungen.
  • Armbrusters Hof in Berghaupten:Grünlandbetrieb im Nebenerwerb mit Direktvermarktung. Rinder, Schafe, Schweine, Pferde und Hühner. Außerdem Forstwirtschaft, Streuobst und Brennerei sowie Kräuter- und Natureminare.
  • Kornbauernhof von Stefan und Elfriede Lehmann in Oberharmersbach:Bio-Grünlandbetrieb im Vollerwerb mit Demeter-Zertifizierung und Direktvermarktung. Milchvieh mit eigener Nachzucht, Forstwirtschaft, Heidelbeeren, Streuobst und Brennerei.

  • Bergbauernhof von Marita und Florian Rembold in Oberwolfach
    Konventioneller Grünlandbetrieb im Nebenerwerb. Kühe und Ziegen als Pensionsvieh, Forstwirtschaft, Motorsägen-Kurse und Streuobst.
  • Kinzigbrennerei von Martin Brosamer in BiberachKonventioneller Betrieb mit Direktvermarktung. Ackerbau, Grünland mit Bullenmast, Vesperstube und Brennerei.

Text: Gundi Woll

Fotos: Gundi Woll

GW/03.07.2026

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.

DIY

Blumenwiesen selbst anlegen

Jede Fläche zählt: egal ob klein oder groß! Verwenden Sie mehrjähriges Saat- und Pflanzgut aus der Region. Die Beratung und Bestellung der Saatgutmischungen erfolgt über den Naturpark. Für die Einsaat sind die Partner vor Ort zuständig.

Flyer In 7 Schritten zur Wildblumenwiese

Landwirtschaft im Schwarzwald klimafit gestalten

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Johannes Nickel
  • Einleitungstext:

    Johannes Lorenz hat den Hof seiner Eltern in Achern übernommen. Jetzt will er neue Wege gehen. Denn die Landwirtschaft muss klimaangepasste Lösungen finden. Deshalb nimmt Johannes am Agroforst-Projekt des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord teil. Ein Hofbesuch.

Eine sanfte Windbrise weht den fruchtig-süßen Duft der reifen Äpfel und Birnen in die Nase von Johannes Lorenz. Der 44-Jährige geht durch die Spalier-Obstbaumreihen und füttert seine Hühner. Sie laufen frei zwischen den Bäumchen umher. So können sie sich vielseitiger und natürlich ernähren. Die Bäume bieten ihnen zudem Schatten vor der Sommersonne. Lavendel, Salbei, Thymnian und Bohnenkraut sowie Stockrose und Muskatellersalbei wachsen zwischen den Bäumen. Es brummt und summt. Ein Paradies für heimische Insekten und Vögel!

So kann ein Agroforst-System aussehen. „Agro“ steht dabei für Land- und „forst“ für Waldwirtschaft. Es beschreibt Acker- und Grünlandflächen, auf denen auch Sträucher und Bäume gepflanzt sind. Je nachdem wird es auch von Tieren genutzt. Darauf setzt Landwirt Johannes. Denn Agroforst ist ein guter Weg, um landwirtschaftliche Flächen klimafit zu machen.

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord unterstützt ihn dabei. „Es ist uns wichtig, dass wir auch in Zukunft noch viele Landwirtinnen und Landwirte im Naturpark haben, die unsere wunderschöne Kulturlandschaft erhalten. Ohne sie verlieren wir vielseitige und wertvolle Lebens- und Erholungsräume für Menschen, Pflanzen und Tiere!“, erläutert Niklas Kullik, der beim Naturpark Schwarzwald Mitte Nord für das Agroforst-Projekt zuständig ist.

  • Landwirt Johannes Lorenz pflanzt einen Setzling.
  • Acker- und Wiesenlandschaft aus der Vogelperspektive
  • Johannes Lorenz pflückt rote Beeren
  • Grünfläche, auf der Agroforst-Strukturen enstehen

Aus Liebe zu Land und Menschen: Heimische Produkte direkt vermarkten

Johannes Lorenz ist Landwirt im Nebenerwerb. Auf der Lorenz.Farm in Achern-Fautenbach im Ortenaukreis lebt seine Familie bereits seit mehreren Generationen. Johannes ist auf dem Hof aufgewachsen. Vor fünf Jahren hat er die Lorenz.Farm von seinen Eltern übernommen.

Sechs Hektar Fläche bewirtschaftet Johannes. Aus dem Obst presst er naturbelassene Säfte, teilweise trocknet er es auch und macht es länger haltbar. Außerdem bietet er selbstgemachte Marmeladen an. Aus den Blüten und Kräutern stellt Johannes hochwertige Ganzblatt-Teemischungen zusammen. Seine Freilandhühner sorgen für Eier. Daraus lässt Johannes auch Nudeln fertigen.

Alle Produkte vermarktet er direkt – auf Märkten in der Region und über einen kleinen Selbstbedienungsladen direkt auf dem Hof. „Ich will die Produkte vom Hof nicht anonym verkaufen. Die Gespräche mit den Menschen sind mir wichtig. Deshalb vermarkte ich ausschließlich direkt“, erklärt Johannes. In der Nachbarschaft hat er bereits Stammkunden. Bei den Produkten von der Lorenz.Farm wissen sie genau, wie sie hergestellt wurden und dass sie frisch und qualitativ hochwertig sind. 

  • verpackte Nudeln im Hofladen
  • Johannes steht in der Tür zum mobilen Hühnerstall und hält einen Karton mit Hühnereiern in der Hand.
  • Johannes Lorenz füttert seine Hühner im Freien.
  • Apfelsaftflaschen im Hofladen
  • Äpfel und weiteres Obst in Papierschalen im Hofladen

Herausforderung Klimawandel

Wenn Johannes von der Landwirtschaft erzählt, ist seine Leidenschaft für die Arbeit auf dem Acker spürbar. „Ich will das Land um unseren Hof herum so gestalten und nutzen, dass es für uns und für die Umwelt passt. Das ist für mich eine sinnstiftende Aufgabe“, sagt der Landwirt und blickt über seine Flächen am Fuße der Schwarzwälder Vorbergzone. „Da gehört viel Idealismus dazu. Und man braucht gute Partner!“

Es geht ihm nicht nur darum, die Familientradition fortzuführen. Johannes will Wertschöpfung in der Region schaffen, indem er eigene Produkte herstellt. Durch die Bewirtschaftung der Landschaft trägt er außerdem dazu bei, die für den Schwarzwald typische Kulturlandschaft zu erhalten. Das bedeutet viel Arbeit und es braucht innovative Ideen. Wer weiterhin Land bewirtschaften will, muss neue Wege ausprobieren. Denn die durch den Klimawandel häufiger auftretenden Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Trockenperioden können große und nachhaltige Schäden verursachen.

  • die Lorenz.Farm von außen
  • Johannes Lorenz steht in seiner Obst-Plantage.
  • die landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen der Lorenz.Farm
  • Lorenz.Farm von außen

Agroforst als ein möglicher Lösungsweg

Für Johannes kam da das Agroforst-Projekt des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord genau zur richtigen Zeit. Agroforst-Strukturen binden klimaschädlichen Kohlenstoff und tragen dazu bei, Wasser länger im Boden zu halten bzw. aufzunehmen. Durch die Vielzahl unterschiedlicher Gehölze auf dem Acker oder Grünland erhöhen Agroforst-Systeme die Biodiversität und sorgen für eine natürliche Vielfalt an Produkten. Während bei manchen Arten bereits geerntet werden konnte, wachsen andere gerade heran.

Johannes bewarb sich um die Teilnahme am Pilotprojekt und der Naturpark wählte ihn als einen von 17 Betrieben aus. „Es ist toll, dass der Naturpark uns unterstützt. So haben wir die Möglichkeit, Dinge wie Agroforst auszuprobieren“, sagt Johannes. Als Naturpark-Pilotbetrieb erhält die Lorenz.Farm eine kostenlose, betriebsspezifische Beratung durch Agroforst-Spezialisten und eine Anlagenförderung von bis zu 7.000 Euro. Zudem kann Johannes an vielseitigen Weiterbildungsangeboten wie Feldtagen auf Modellbetrieben teilnehmen und sich mit anderen Landwirten sowie Wissenschaftlern vernetzen.

  • Grünland auf der Lorenz.Farm
  • Obst und Gemüse im Hofladen
  • Ställe der Freilandhühner
  • Johannes Lorenz füttert seine Hühner im Freien.
  • Bund Karotten und Teeblattmischung in der Packung

Einsatz für klimafitte Landwirtschaft ist sinnstiftend

Dank der Kooperation des Naturparks mit dem bundesweit agierenden Bergwaldprojekt halfen im Mai 2025 rund 20 Freiwillige aus ganz Deutschland Johannes auf dem Hof dabei, die bereits teilweise als Agroforstsystem angelegten Walnuss- und Obstbäume zu pflegen. Für die Bergwaldprojekt-Teilnehmerin Jule Petzold war die Aktion ein großer Gewinn: „Ich möchte in meiner Freizeit etwas Sinnvolles und Sinnstiftendes machen: Der Natur etwas zurückgeben, aktiv das Klima schützen und mich für Biodiversität einsetzen. Mit der Arbeit auf dem Naturpark-Agroforstbetrieb kann ich genau das umsetzen.“

  • Freiwillige helfen bei Agroforst-Pflanzungen und Anbringung einer Sitzstange
  • Freiwillige bringen in der Obst-Plantage ein Vogelhäuschen an.
  • Zwei Männer lehnen an einer Stange mit einem Vogelhäuschen
  • Ein Mann lehnt an einem Holzpfahl zwischen gepflanzten Bäumen.

Gemeinsam für eine starke Region

Damit Landwirte wie Johannes weitermachen und ihre Höfe nicht aufgeben, sind auch Sie gefragt! Kaufen Sie Produkte aus Ihrer Region zu einem fairen Preis: beim nächsten landwirtschaftlichen Betrieb, im Hofladen, beim Selbstbedienungsstand an der Straße oder auf den Naturpark-Märkten. Einen Einblick in die Arbeit auf landwirtschaftlichen Betrieben gibt jährlich der Naturpark-Brunch auf dem Bauernhof. Oder besuchen Sie einen der rund 40 Naturpark-Wirte. Sie beziehen viele ihrer Produkte direkt von den Landwirten aus der Umgebung.

Text: Gundi Woll

Fotos: Johannes Nickel, Gundi Woll, Eduard Fischer

GW/19.01.2026

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.

Naturpark bringt landesweit einzigartiges Bildungsprojekt an den Start

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Gundi Woll
  • Einleitungstext:

    Im Kindergarten St. Josef in Oberwolfach nahmen die Kinder am Pilotprojekt "Klima-Kochtheater" teil. Sie lernten unter Anleitung einer Clownin auf spielerische Weise, wie wichtig eine nachhaltige Ernährung für das Klima sein kann.

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord nimmt mit seinem Pilotprojekt „Klima-Kochtheater“ in Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle im nachhaltigen Bildungsbereich ein. Eine der vier Pilot-Schulen und -Kindergärten ist der Kindergarten St. Josef in Oberwolfach (Ortenaukreis). Beim Klima-Kochtheater werden Kindergartenkinder und Grundschülerinnen und -schülerfür den Klimaschutz auf dem eigenen Teller sensibilisiert.  

Das Konzept wird in vier Schulen und Kindergärten mit jeweils vier Einheiten im wöchentlichen Abstand getestet. Neben dem Kindergarten St. Josef nehmen teil: die Naturpark-Schule Grundschule Dobel und die Krokusschule in Zavelstein, jeweils im Landkreis Calw, sowie der Kindergarten in Dornhan im Landkreis Rottweil (künftiger Naturpark-Kindergarten).

  • Ein Mädchen schlägt ein Ei über einer Schüssel auf.
  • Die Figuren des Klima-Kochtheaters sitzen vor einem Teller mit Waffeln.

"Strom ohne Pups"

Für die Kinder des St. Josef-Kindergartens in Oberwolfach war am 2. Mai die letzte Einheit des Klima-Kochtheaters. Zu Beginn erzählten sie der Kursleiterin Christina Schmid, die die Module als Clownin durchführte, was sie in den drei Einheiten zuvor über Klimaschutz und nachhaltige Ernährung gelernt haben – so zum Beispiel, woher der Strom kommt. Ein Kind erklärt Christina Schmid: „Windräder machen Strom ohne Pups für die Erde.“ Dann machten sie sich gemeinsam daran, klimafreundliche Waffeln zu backen. Zwischendurch sangen sie Lieder und bastelten eine Kochmütze.

Beim Klima-Kochtheater des Naturparks erfahren Kinder spielerisch, was Ernährung mit Klimaschutz zu tun hat. Das Pilotprojekt startete im Juli 2022. Bis Ende Juni dieses Jahres wird das Konzept ausgewertet. Anschließend soll das Klima-Kochtheater in möglichst vielen Kindergärten und Schulen im Naturpark stattfinden können.

  • Clownin mit Spielpuppen
  • Clownin liest Kindern etwas vor.
  • Kinder im Klassenzimmer

Kinder achten auf regionale Lebensmittel - auch zuhause

„Wie erklären wir schon kleinen Kindern, wie wir uns klimaschonend ernähren können?“, fragt der Geschäftsführer des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Karl-Heinz Dunker. „Unsere Antwort ist das Klima-Kochtheater. Damit entwickeln wir ein bisher landesweit einzigartiges Bildungsangebot“, sagt Dunker.

Die Resonanz ist positiv. „Die Kinder sind sehr aufmerksam und machen super gut mit“, sagt Clownin Christina Schmid. Und das Gelernte bleibt auch hängen und wird daheim direkt umgesetzt. „Die Kinder achten jetzt darauf, dass die Lebensmittel für ihr Vesper aus der Region kommen“, berichtet Jessica Paul, Erzieherin im Kindergarten St. Josef in Oberwolfach.

  • Kinder lachen über Clownsspiel
  • Kind schlägt ein Ei an einer Schüssel auf.

Das steckt hinter dem „Klima-Kochtheater“

Beim Klima-Kochtheater handelt es sich um ein fächerübergreifendes Angebot für Kinder der Vorschulgruppen sowie Erst- und Zweitklässler/innen. Es ist ein Pilotprojekt des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord im Bereich der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE).  Die Geschichte: Gemeinsam mit Landwirtin und Clownin Christina Schmidt begegnen die Kinder der kleinen Erde. Sie hat Fieber. Schnell sind sich alle einig: Der Erde muss geholfen werden. Doch was können sie tun, damit es ihr wieder besser geht? Begleitet von einem kleinen, schlauen Bären erfahren die Kinder, dass die Erde eine ganz besondere Medizin braucht: Wandel. Für den Wandel stehen im Projekt die klimafreundlichen „Wandel-Waffeln“ aus regionalen Zutaten.

In der ersten Einheit geht es darum, die Kinder für den Klimawandel zu sensibilisieren. Bei der zweiten und dritten Einheit sammeln sie die Zutaten: Eier, selbst gemachte Butter, Kuh- und Hafermilch sowie Mehl oder Haferflocken. Dabei erfahren die Kinder, dass diese Zutaten klimafreundlich und weniger klimafreundlich zu bekommen sind. Denn auf der gemeinsamen Reise mit der Clownin finden die Kinder heraus, woher die Zutaten stammen, wie diese entstehen und wo sie diese kaufen können. Dabei begegnen sie unter anderem einer Kuh, einer Henne und einem Haferkorn. In der letzten Einheit fassen die Kinder noch einmal zusammen, was sie bisher alles gelernt haben und backen anschließend gemeinsam die „Wandel-Waffel-Medizin“. Ein Glück: Die Kinder des St. Josef-Kindergartens geben der Erde die Wandel-Waffeln zu essen und machen die Erde damit wieder gesund. Nach und nach entfernen die Kinder die Pflaster, die die Erde jetzt nicht mehr braucht.

  • Plüscherde bekommt ein Waffelstück zu essen.
  • Kinder basteln mit Zeitungen.
  • Clownin spricht mit Fingerpuppe.
  • Kinder halten und streicheln die Plüscherde.
  • Kinder entfernen Pflaster von der Plüscherde.
  • gebackene Waffel im Waffeleisen

Ziel des Projekts: Nachhaltige Ernährung

Klimawandel, Klimaschutz – was hat das mit mir und meinem Teller zu tun? Auf diese Frage sollen auch die Jüngsten eine Antwort finden – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger, sondern spielerisch und partizipativ. Die Kinder sollen ihre Ideen einbringen und neue Wege ausprobieren können.

Produktwahl, Saisonalität, Regionalität, Herstellung, Verpackung, Transport und Verarbeitung: Hier gibt es viele Möglichkeiten, klimafreundlicher einzukaufen und zu kochen. Beim Klima-Kochtheater erfahren die Kinder, worauf sie bei Lebensmitteln achten und wie sie sich gesund und klimafreundlich ernähren können. Dazu gibt es praktische Tipps und Tricks für den Alltag.

  • Kinder essen Waffeln
  • Clownin verteilt Waffeln an Kinder.
  • Kinder umarmen Clownin zum Abschied.

Text: Gundi Woll

Fotos: Gundi Woll

GW/02.05.2023

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.

Wie Pferde die Schwarzwälder Kulturlandschaft erhalten können

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Irmela Klöble
  • Einleitungstext:

    Wie sieht die perfekte Pferde-Weide im Schwarzwald aus? Dazu hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord einen Online-Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde veranstaltet. Für den Blog haben wir zentrale Fragen und Antworten zusammengestellt. Tipps und Tricks zum Umgang mit Pferdeäpfeln, bunter Biodiversität und gegen Überweidung.

  • Wie können Pferdehalterinnen und -halter dazu beitragen, die Kulturlandschaft im Naturpark zu erhalten?

    Bunte, grüne Wiesen prägen die Schwarzwälder Kulturlandschaft und sind wichtiger Lebensraum für zahlreiche heimische Tier- und Pflanzenarten. Werden die Flächen nicht bewirtschaftet oder durch Tiere beweidet, verbuschen sie und mit der Zeit entsteht Wald. Nutztiere sind natürliche Landschaftspfleger, die unsere Wiesen offenhalten.

    Werden Wiesen erst später im Jahresverlauf gemäht („spät geworbenes Heu“), haben viele Wildblumen und Gräser ausreichend Zeit zu blühen und Samen zu bilden. Davon profitieren zahlreiche Insekten und andere Tiere – die Artenvielfalt steigt. Auch Weiden, die schonend genutzt und wenig gedüngt werden (extensive Beweidung), helfen dabei: Gras, Kräuter und Kleearten werden nicht zu stark abgefressen. So können unterschiedliche Pflanzen wachsen und es entsteht ein abwechslungsreicher Lebensraum.

  • Warum reicht es nicht aus, Pferde einfach auf die Wiese zu stellen?

    Für die Wiesen ist es wichtig, dass sie gepflegt werden. Das funktioniert auf natürliche Weise, indem unterschiedliche Nutztiere dieselbe Fläche nacheinander beweiden. Verschiedene Tierarten – wie Rinder, Pferde und Schafe – fressen diverse Pflanzen und beißen sie auf unterschiedliche Weise ab. Dadurch ergänzen sie sich gut: Was die eine Tierart stehen lässt, frisst die andere. So wird die Fläche insgesamt gleichmäßiger beweidet. Auch ihr Kot unterscheidet sich in der Zusammensetzung der Nährstoffe. Das wirkt sich auf den Boden und das Pflanzenwachstum aus.

    In der Praxis können die meisten Betriebe jedoch nicht auf drei Nutztierarten für die Beweidung zurückgreifen. Damit die Weide trotzdem artenreich und gepflegt bleibt, übernehmen Pferdehalterinnen und -halter zusätzliche Arbeiten wie nachmähen oder bestimmte Pflanzen zurückzudrängen.

  • Trägt eine gut gepflegte Pferdeweide zur Biodiversität bei?

    Eine gut gepflegte Pferdeweide trägt auf viele Arten zur Biodiversität bei. „Gut gepflegt“ bedeutet, dass die Weide eine ausgewogene Mischung aus Gräsern, Kräutern und Kleearten bietet (75-80 % Gräser & je 10-15 % Kräuter und Kleearten). Diese Vielfalt sorgt dafür, dass dich die Pferde gesund ernähren. Gleichzeitig profitieren Insekten, Vögel und andere Tiere: Sie finden Nahrung, Nistplätze und Lebensraum.

  • Was passiert bei Überweidung?

    Bei Überweidung passiert auf einer Wiese einiges, das der Natur und den Tieren schadet. Wenn zu viele Tiere zu lange auf derselben Fläche grasen, passiert Folgendes:

    • Es werden bestimmte Pflanzen immer wieder abgefressen und können sich nicht mehr erholen. Sie verschwinden. Andere, unerwünschte Pflanzen (Beikräuter) breiten sich aus.
    • Durch das ständige Betreten entstehen Trittschäden, die die Grasnarbe (die oberste, dicht bewachsene Bodenschicht) zerstören. Eine beschädigte Grasnarbe führt dazu, dass gewünschte Pflanzen verschwinden, Beikräuter sich ausbreiten, Wasser und Nährstoffe schlechter aufgenommen und gespeichert werden. Die Weide verliert ihre Vielfalt.
    • Parasiten können sich schneller ausbreiten, wenn die Weide keine Ruhezeiten hat. In den Pausen reduzieren sich diese auf natürliche Weise durch Austrocknung, UV-Strahlung, Frost und natürliche Absterbeprozesse. Entfällt die Ruhezeit bzw. ist nicht lange genug, kann dies zu kranken Tieren und höheren Kosten führen.

    Damit die Weide gesund bleibt, braucht sie ausreichend Ruhezeiten, in denen keine Tiere darauf grasen. Diese Ruhezeiten sind je nach Jahreszeit unterschiedlich lang: etwa 21 Tage im Frühjahr und bis zu 40 Tage im Herbst.

  • Welche Pflanzen gehören auf eine gute Pferdeweide? Welche sind problematisch oder giftig?

    Die optimale Zusammensetzung einer Pferdeweide besteht aus Gräsern die biss- und trittfest sind. Dazu gehören z. B. Weidelgras, Wiesenschwingel, Knaulgras, Wiesenrispe, Lieschgras, Rotschwingel und der Wiesenfuchsschwanz. Wiesenrispe und Rotschwingel schließen schnell Lücken im Grasbestand nach Trittschäden. Eine Vielfalt an Kräutern hilft zudem gegen Atemwegserkrankungen, Leber- und Nierenschäden. Kräuter wie der Spitzwegerich, Hirtentäschle, Schafgarbe, Weißklee und die Wilde Möhre unterstützt auch die Biodiversität. Zu den Kleearten zählen alle Kleearten. Für Pferde sind sie wichtige Proteinquelle.

    Wichtig bei der Zusammensetzung ist, dass die Gräser schmackhaft sind, einen hohen Futterwert haben und sich in Hinblick auf den Standort und ihre Resilienzen gegenüber Krankheiten und Trockenheit ergänzen.

    Tipp: Zeigerpflanzen (Pflanzen die gehäuft an einer Stelle vorkommen), deuten an, wenn irgendetwas im Gleichgewicht einer Weide nicht stimmt. Breitwegerich weist z. B. auf eine Verdichtung im Boden hin. Weitere Zeigerpflanzen für eine Überweidung können sein: Weißklee in hohen Anteilen, Jährige Rispe, Hirtentäschel, Vogelknöterich und Gänseblümchen.

  • Was sind typische Fehler? Und wie lassen sie sich vermeiden?

    Typische Fehler beim Weidemanagement sind, wenn Flächen ungleichmäßig genutzt oder wichtige Pflegemaßnahmen vergessen werden. Ein häufiges Problem sind „Gailstellen“. Dabei handelt es sich um Stellen, an denen die Pferde besonders häufig ihren Kot absetzen. Zum Fressen meiden die Tiere dann diese Flächen. Die Pflanzen dort werden nicht mehr abgeweidet und unerwünschte Gewächse breiten sich aus. Worauf ebenfalls zu achten ist: Das Einsammeln der Pferdeäpfel auf der Weide ist wichtig, damit Parasiten sich nicht weiter ausbreiten. Doch mit dem Kot werden gleichzeitig für die Pflanzen wichtige Nährstoffe von der Fläche abgetragen. Damit die Wiese gesund bleibt, sind deshalb Nachdüngung und regelmäßige Kalkung bedeutsam.

    Kurz gesagt: Eine Weide braucht Pflege. Denn auf der Weide leben auch viele andere Tiere und Pflanzen. In einer Hand Boden steckt mehr Leben als Menschen auf der Welt. Dieses Leben muss gepflegt werden! Mulchen, Nährstoffe zurückbringen, düngen und gegebenenfalls nachsäen gehören zur Verantwortung der Pferdehalterinnen und -halter.

  • Wie wirkt sich der Klimawandel auf Weiden im Schwarzwald aus?

    Die Landwirtschaft muss künftig mit häufigeren Wetterextremen, wie Trockenperioden und Starkregen, zurechtkommen. In Trockenperioden sinkt der Humusanteil in Weideböden. Bei Starkregen kann es auf Flächen mit vielen Trittschäden zu Erosionen kommen. Dies führt dazu, dass Boden und Nährstoffe weggespült werden. Eine gut gepflegte, vielfältige Weide ist resilienter gegenüber solchen Wetterereignissen.

  • Welche Anpassungsstrategien gibt es bei Trockenperioden oder Starkregen?

    Eine wichtige Maßnahme ist die Nachsaat mit robusten, hitzetoleranten Gräsern, z. B. mit Knaulgras oder Rohrschwingel. Diese Gräser kommen besser mit Hitze und Trockenheit zurecht und sichern den Aufwuchs auch in schwierigen Jahren.

    Agroforstsysteme – also Baum- oder Heckenreihen auf oder neben der Weide – helfen ebenfalls. Sie spenden Schatten, schützen vor Wind und verringern dadurch die Verdunstung. Gleichzeitig verbessern ihre Wurzeln die Bodenstruktur und verbessern den Humusgehalt.

    Eine bedarfsgerechte Düngung unterstützt die Pflanzen dabei, kräftige Wurzeln zu bilden. Große Wurzelmassen und abgestorbene Pflanzenreste werden im Boden zu Humus umgewandelt. Humus wirkt wie ein Schwamm: Er speichert Wasser und gibt es bei Trockenheit langsam wieder ab. Bei Starkregen hilft ein humusreicher Boden, Wasser besser aufzunehmen und Überschwemmungen zu vermeiden.

  • Pferde grasen auf einer Weide im Schwarzwald
  • Kleeblatt im Maul eines Pferdes
  • Pferde grasen auf einer Weide im Schwarzwald
  • Ein Schimmel (weißes Pferd) galoppiert entlang eines Weges auf einer Wiese
  • Pferde grasen auf einer Weide im Schwarzwald
  • Pferde grasen auf einer Weide im Schwarzwald
  • Mähmaschine auf einer Wiese

Text: Gundi Woll

inhaltliche Zulieferung: Irmela Klöble

Fotos: Irmela Klöble

GW/06.03.2026

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.

Wurzeln für morgen: Naturpark startet Humus-Wasser-Modellregion im Kinzigtal

  • Vorschaubild:
  • Vorschaubild Copyright: Gundi Woll
  • Einleitungstext:

    Landwirtschaftliche Betriebe im Kinzigtal können sich ab sofort beim Naturpark bewerben / Zehn Höfe können teilnehmen

Starkregen- und Hochwasser-Ereignisse sowie Dürren werden zunehmend zur Herausforderung. Die Extremwetter-Ereignisse, die im Zuge des Klimawandels künftig häufiger auftreten werden, verursachen Ernteausfälle und Überschwemmungen. Damit stellen sie Landwirtinnen und Landwirte vor betriebs- und volkswirtschaftliche Herausforderungen. Um wirksame Lösungswege für eine klimaangepasste Landwirtschaft zu erarbeiten, startet der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit Kommunen und landwirtschaftlichen Betrieben im Kinzigtal (Ortenaukreis) sowie Fachleuten aus Wissenschaft und Beratung eine Humus-Wasser-Modellregion.

Projekt-Auftakt in Ohlsbach

Zum Projekt-Auftakt kamen die Projektpartner am Mittwoch (12. November) in Ohlsbach zusammen. Dabei waren: die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen der Gemeinden Fischerbach, Oberharmersbach, Ohlsbach, Hofstetten, Ortenberg, der Ortsvorsteher von Gengenbach-Reichenbach sowie Max Fahrendorf von Triebwerk, einem Beratungsunternehmen rund um Agroforstsysteme. Zu den Kooperationspartnern zählen u. a. das Amt für Landwirtschaft des Landratsamts Ortenaukreis und der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV).

Menschen in einem Raum

Humus-Aufbau und wasserleitende Maßnahmen

Geplant sind Humusaufbau und wasserleitende Maßnahmen. Auf diese Weise wird das Wasser über die Fläche geleitet und bei Starkregen zurückgehalten. Der Humusgehalt der Flächen trägt maßgeblich zur Wasserhaltekapazität der Böden bei. Gleichzeitig speichert humusreicher Boden CO2, indem er abgestorbene Pflanzenreste langfristig bindet.

Maßnahmen für den Humusaufbau und den Erhalt vorhandener Humusanteile werden im Rahmen des Projekts auf ihre Übertragbarkeit für die Landwirtschaft innerhalb der Naturpark-Kulisse sowie darüber hinaus geprüft. „Indem Landwirtinnen und Landwirte Humus auf ihren Äckern aufbauen, machen sie diese widerstandsfähiger gegen die immer häufiger auftretenden Extremwetter-Ereignisse. Damit sorgen sie dafür, dass ihre Böden fruchtbarer sind. Auf diese Weise stabilisieren sie ihre Erträge“, erläutert der Geschäftsführer des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Karl-Heinz Dunker, die Motivation für den Aufbau der Humus-Wasser-Modellregion.

„Mit der Modellregion bieten wir unseren Bauern eine Perspektive. Damit setzen wir einen Anreiz, Höfe fortzuführen und nicht aufzugeben“, unterstreicht der Ortsvorsteher von Reichenbach, Markus Späth. Und der Bürgermeister der Gemeinde Hofstetten, Martin Aßmuth, berichtet: „Die Bereitschaft unserer Landwirtinnen und Landwirte ist sehr groß, neue Ideen und Ansätze auszuprobieren.“

Unterstützung durch Badenova Innovationsfonds

Das Projekt wird gefördert durch den Innovationsfonds Klima- und Wasserschutz der badenova. Das Energieunternehmen unterstützt die Arbeit des Naturparks bereits seit zehn Jahren. Warum die Wahl auf das Naturpark-Projekt fiel, begründet der Leiter des badenova Innovationsfonds, Richard Tuth, mit der Beteiligung unterschiedlicher, regionaler Akteure, die gemeinsam das zentrale Thema Wasserschutz angehen. Verbunden mit dem Ziel, über die Projektlaufzeit hinaus nachhaltige Strukturen und Maßnahmen zu etablieren – als Vorbild über die Region hinaus. „Das Förderprojekt zeigt, wie Wissenschaft, Kommunen und Landwirte gemeinsam Lösungen schaffen, die über den Klimaschutz hinausgehen und einen wertvollen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft in unserer Region leisten“, fasst Tuth zusammen.

symbolische Übergabe der Förderung durch den badenova-Innovationsfonds an das Naturpark-Team

Modellregion im Kinzigtal:
Vorbild für einen klimaangepassten Wandel in der Landwirtschaft

„Unsere Region steht traditionell für eine starke kleinbäuerliche Landwirtschaft, für nachhaltige Strukturen und ein hohes Maß an Zusammenhalt. Mit diesem Projekt entwickeln wir diese Stärken weiter – hin zu einer innovativen Region, die neue Wege im Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels geht“, sagt der Stellvertretende Naturpark-Vorsitzende und Bürgermeister der Gemeinde Oberharmersbach, Richard Weith, beim Projekt-Auftakt in Ohlsbach. „Wir zeigen, dass der ländliche Raum eine wichtige Schlüsselrolle einnimmt, wenn es darum geht, Klima- und Ressourcenschutz praktisch umzusetzen.“

Auf das gute Zusammenspiel innerhalb der Modellregion verweist der Bürgermeister der Gemeinde Ohlsbach, Bernd Bruder. „Unsere Gemeinde hat die landwirtschaftliche Fläche. Uns fehlen jedoch ausreichend Landwirte, die die Flächen bewirtschaften. Da Reichenbach noch zwölf Landwirte im Vollerwerb hat, können wir uns hier sehr gut gegenseitig aushelfen“, erläutert Bruder.

Dem neuen Projekt des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord misst auch der Erste Landesbeamte des Ortenaukreises, Dr. Nikolas Stoermer, Bedeutung über die Region hinaus bei: „Die Humus-Wasser-Modellregion hat großes Potential, Antworten auf klimawandelbedingte Herausforderungen wie Wasserversorgung, Hochwasserschutz, Biodiversität sowie eine klimaangepasste Landwirtschaft und den Erhalt unserer Schwarzwälder Kulturlandschaft zu finden.“

Hoher Humusanteil macht Böden klimafit

Ein wichtiger Aspekt widerstandsfähiger Böden ist der Humusanteil.  Dieser besteht aus zersetzten tierischen und pflanzlichen Substanzen. Humus entzieht der Atmosphäre klimaschädliches CO2. Durch eine Erhöhung des Humus-Gehalts im Boden um nur ein Prozent werden der Atmosphäre pro Hektar etwa 50 Tonnen CO2 entzogen. Dauergrünland ist der Landschaftstyp, der mit 181 Tonnen pro Hektar die größte Speicherkapazität an organischem Kohlenstoff aufweist. Gefolgt von Waldboden (100 Tonnen pro Hektar) und Ackerboden (95 Tonnen pro Hektar).

Zudem ist Humus ein hervorragender Wasserspeicher und fördert die Biodiversität. Ein humusreicher Boden kann 150 Liter Wasser pro Stunde aufnehmen. Böden die in gutem Zustand sind, fördern zudem die Regenwurm-Population. Regenwürmer haben einen hohen Stellenwert in unseren Böden: Aufgrund ihres weit verzweigten Tunnelsystems tragen sie maßgeblich dazu bei, dass Regenwasser bis zum Grundgestein abgeleitet wird. Regenwürmer wiederrum benötigen größere Mengen an abgestorbenen Pflanzenresten und Wurzelmassen.

humusreiche Erde

So unterstützt der Naturpark die Modell-Betriebe

Individuell auf den jeweiligen Betrieb zugeschnitten, erstellen Fachleute ein Konzept mit humusaufbauenden Maßnahmen. Die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte entscheiden selbst, welche Ansätze sie auf Ihrem Betrieb verfolgen und umsetzen wollen. Der Naturpark unterstützt durch professionelle Beratung, wissenschaftliche Begleitung, Feldtage und Seminare sowie finanziell.

 

Die Maßnahmen im Überblick

  • Bis zu zehn Stunden bodenfachliche Beratung
  • Weiterbildungen durch Feldtage und Seminare sowie Veranstaltungen zu Boden-Analysen und Boden-Ansprache
  • Vermittlung von umfassendem Boden-Wissen
  • Kontinuierliche Unterstützungs- und Austausch-Möglichkeit bei der Umsetzung von humusaufbauenden Maßnahmen
  • Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit etwa durch Feldschilder, Social Media-Beiträge oder Kontakte aus dem Vermarktungs-Netzwerk des Naturparks
  • Budget von bis zu 3.200 Euro pro Jahr für die Teilnahme an Weiterbildungen, Raum-Nutzung, Beteiligung an Austausch-Formaten und der Entwicklung von Leitfäden (organisiert durch den Naturpark)
Landwirte auf einem Acker

Landwirtschaftliche Betriebe können sich ab sofort bewerben

Landwirtinnen und Landwirte mit einem Betrieb im Kinzigtal können sich ab sofort beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord per E-Mail an kloeble@naturparkschwarzwald.de bewerben. Folgende Informationen sollte das Bewerbungsschreiben enthalten: Betriebsstruktur, Motivation für die Teilnahme und Themen, die für den Betrieb von besonderem Interesse sind.

Text: Gundi Woll

Fotos: Gundi Woll

GW/12.11.2025

Verwandte Themen


Karte Schwarzwald
Meist gelesene Artikel

Geschichten aus
dem Schwarzwald

Entdecke Geschichten rund um den größten Naturpark Deutschlands. Die Natur- und Kulturlandschaft im mittleren und nördlichen Schwarzwald lädt ein zum Entdecken, Genießen und Erleben.